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Willi Rös aus Benninghofen

85 Jahre in der SPD

16.01.2013 | 16:53 Uhr
85 Jahre in der SPD
Willi Roes ist seit 85 Jahren Mitglied in der SPD.Foto: Jörg Schimmel

Benninghofen.   Mit sechs Jahren brachte ihn die Mutter zu den Falken – Jetzt wurde er für seine langjährige Mitgliedschaft von der SPD-Bundestagsabgeordneten Ulla Burchardt geehrt.

Er war sechs Jahre alt, gerade in die Schule gekommen, als seine Mutter ihn an die Hand nahm und ihn zu den Falken mitnahm, zu den Küken der SPD. Das ist nun 85 Jahre her. Parteimitglied ist Willi Rös immer noch und immer wieder bei Veranstaltungen seines Ortsvereins in Benninghofen dabei. Gleichzeitig bezieht er seit 67 Jahren die Westfälische Rundschau (WR). Noch. Als er gestern vom Aus der Redaktionen „seiner“ Zeitung hörte, „kamen mir die Tränen“.

Der gebürtige „Hörder“ – „Sie kennen den Unterschied?“, fragt er verschmitzt – stammt aus einem überzeugten sozialdemokratischen Haus. Beide Eltern waren Parteimitglied, die Mutter arbeitete als Helferin bei den Falken, der sozialistischen Jugend. Damals war es die „Kieltante“, die Arbeiterzeitung der Vorkriegszeit, wie sich Willi Rös erinnert, die im Hause Rös gelesen wurde. Die Eltern trugen sie sogar aus. Als 12-Jähriger durfte er dann kassieren gehen, „ab und zu bekam ich einen Groschen, das war die Seligkeit“, kann er seine Freude noch nachempfinden. Parallel gab es noch den Generalanzeiger, den Vorläufer der Rundschau, der 1933 von den Nationalsozialisten verboten wurde. Die hatten bei Willi Rös allerdings keine Chance. In der Hitlerjugend war er nicht. „Das war schwer, aber ich habe mich durchgemogelt“. Dass ihm das braune Parteibuch fehlte, bekam er bei der Lehrstellensuche zu spüren. Aber schließlich fand er eine, bei der Deutschen-Patent-Wärmeschutz AG. Dann kam der Krieg. „Fünf Jahre meines Lebens hat mir Adolf geklaut“, sagt Rös bitter, „die besten, zwischen 20 und 25“. Er musste in den Krieg.

INFO
Jugendvereine der Arbeiterbewegung

Die Jahre bei den Falken werden Willi Rös auf seine SPD-Mitgliedschaft angerechnet.

Die Sozialistische Jugend Deutschlands „Die Falken“ gehen auf die ersten Jugendvereine der Arbeiterbewegung zurück. Sie haben Tradition seit 1904.

Heute kann man ab sechs Jahren ein „Falke“ werden.

1946 war für Willi Rös Startjahr in mehrfacher Hinsicht. Zurück in Hörde kam er in der Stadtverwaltung unter, bei der er bis zur Pensionierung arbeitete. Geheiratet hat er 1946, über 60 Jahre war er mit seiner Frau zusammen, bis sie kurz nach der Diamantenen Hochzeit starb. Mit den vier Kindern lebte das Paar bis 1964 in Hörde, bis es in sein eigenes Haus in Benninghofen zog.

In der SPD wurde Willi Rös wieder aktiv, arbeitet zeitweilig auch im Vorstand mit. Der wiederholte „Alterspräsident“ der Benninghofer SPD wurde jetzt für 85 Jahre Mitgliedschaft – seine Falken-Jahre werden angerechnet – geehrt, von der Bundestagsabgeordneten Ulla Burchardt. Das rote Erbe gab er an seine Tochter weiter, die in Studienzeiten ohnehin „in den Sog von Willy Brandt“ geriet.

1946 wurde auch die WR aus der Taufe gehoben, Willi Rös wurde Abonnent der ersten Stunde. „Da standen noch Fritz Henßler, Paul Sattler und Heinrich Sträter im Kopf“, erinnert er sich an die Zeitungsgründer. „Nach der Pensionierung“, sagt der 92-Jährige, „habe ich besonders intensiv gelesen: jeden Morgen ein bis zwei Stunden“. Das Ende der jetzigen Ära WR tut ihm nicht nur deshalb „sehr leid“.

Antje Mosebach

Kommentare
16.01.2013
19:16
85 Jahre in der SPD
von auchdortmunder | #1

Es ist sehr bedauerlich, dass in "der westen" nur in O-Tönen von nicht betroffenen, wie dem Herrn Rös zu vernehmen ist, das es die WR nicht mehr geben...
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2013-01-16 16:53
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