100 Kühe standen im Stall
07.02.2012 | 16:21 Uhr 2012-02-07T16:21:00+0100
Renninghausen.Der denkmalgeschützte Schultenhof in Renninghausen ist ein Urgestein des Dortmunder Südens. Seine erste urkundliche Erwähnung ist auf das Jahr 1313 datiert. Das heutige Gebäude entstand 1818. Mehr als 100 Jahre später gehörte das Gut der Stadt Dortmund, und die verpachtete es vor dem Ersten Weltkrieg an Karl und Emma Hollberg. Enkelin Helga Hopf, selbst schon fast 90 Jahre alt, erinnert sich an die Jahre, die sie bei ihren Großeltern verbracht hat.
Die Hollbergs (auch Holberg geschrieben) stammten ebenfalls aus einem alten bäuerlichen Geschlecht. Emma Hollberg war eine geborene Althüser. Verwandt sind die Althüsers unter anderem mit der Emschermann-Sippe in Deusen (erste urkundliche Erwähnung: 1447) und Plaas. Noch heute gibt es einen Althüser-Hof in Ickern.
Bauer Hollberg und seine Frau hatten sechs Kinder – fünf Töchter und einen Sohn –, die jüngste war die Mutter von Helga Hopf. Sie heiratete in Essen, zog mit ihrer Familie 1928 zur Zillestraße 406. Die damals sechsjährige Helga war von da ab regelmäßig auf dem Hof an der Stockumer Straße bei den Großeltern, die als Ausbilder für junge Bauernsöhne und -töchter bekannt waren. „Im Kuhstall, erbaut um 1900, standen etwa 100 Kühe. Im Kühlhaus lief die frische Milch über Eisstangen von der Brauerei und wurde morgens früh mit dem Kühlwagen in die Molkerei gefahren. Für die Futterlieferung waren die Knechte zuständig. Es gab hinter dem Kuhstall eine Auffahrt zum Vorratsraum, den man oben mit einer Luke öffnen konnte“, erinnert sich die alten Dame, die im Augustinum-Wohnstift am Ammersee lebt. 14 Pferde gab es auf dem Hof und Schweine.
Rund 300 Hektar Ackerland gehörten damals zum Schultenhof. „Die Frauen der Bergarbeiter kamen immer, wenn Pflanzzeit fürs Gemüse und Kartoffeln war. Dann, in der Erntezeit, haben viele mitgeholfen“, steht in Helga Hopfs Memoiren. Heute sind es nur noch 8,5 Hektar, die die AWo als Betreiberin seit 1998 mit 42 behinderten Menschen bewirtschaftet. Etwa zwölf Hektar mussten für den jetzigen Bio-Hof hinzugepachtet werden. „Alle Felder bis zur Bolmke waren Ackerland. Jenseits der Bolmke waren auch noch Felder, und das Heu kam aus den Emscherwiesen“, weiß Helga Hopf: „Wo jetzt die Evangelische Kirche in Renninghausen steht, befand sich das Erbteil meiner Mutter und Tante. Es wurde etwa 1949 an die Kirche verkauft“.
Ackerfläche wurdezu Bauland
1939 starb der Großvater und sein Sohn Willi übernahm den Hof der Stadt. Da die Stadt immer mehr Ackerfläche als Bauland verkaufte, schrumpfte das Schultenhof-Areal gewaltig. Die „Heßsiedlung“ entstand damals auf dem Grundstück der Großeltern, die sich lange geweigert hatten, zu verkaufen und schließlich enteignet wurden. Der Sohn warf deshalb bald das Handtuch und zog nach Magdeburg.
Die AWo übernahm vor 14 Jahren ein sehr heruntergewirtschaftetes Gebäude. Rund 1,4 Millionen Euro waren nötig, um aus dem maroden Gebäude wieder einen schmucken Hof zu machen. Heute leben in einem Nebengebäude 24 Menschen mit Behinderungen, ein Bioladen mit Biohof und Gaststätte sorgen für guten Umsatz.
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