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Suche nach dem Muster für Relevanz

09.10.2012 | 08:00 Uhr
Suche nach dem Muster für Relevanz
Prof. Dr. Katharina Morik von der Fakultät Informatik an der TU Dortmund untersucht und analysiert Datenströme. Sie sagt: „Ich suche die Stecknadel im Heuhaufen.“Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.  Prof. Katharina Morik, Inhaberin des Lehrstuhls für Künstliche Intelligenz an der TU Dortmund, ist auf der Jagd nach den entscheidenden Merkmalen, mit denen man aus einer Fülle von Messwerten bestimmte Ereignisse herausfinden kann.

Daten gibt es überall und immer mehr, aber wie macht man daraus Sinn? Prof. Katharina Morik, Inhaberin des Lehrstuhls für Künstliche Intelligenz an der TU Dortmund, ist auf der Jagd nach den entscheidenden Merkmalen, mit denen man aus einer Fülle von Messwerten bestimmte Ereignisse herausfinden kann. Im Stahlwerk, bei Krebs, im Internet, in Atemluftsensoren. „Ich bin immer auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, sagt die Forscher in.

Es nervt, wenn sie sich alle Übertragungen von olympischen Wettkämpfen anschauen muss, obwohl sie doch nur das Fechten interessiert. Beim Fußball wäre es schon jetzt technisch möglich, nur die relevanten Szenen herauszufischen. Man kann sich nach der Lautstärke des Jubels und den eingeblendeten Bannern richten, schon hat man die spannenden Szenen. Aber beim Fechten?

Forscher suchen nach Mustern

„Es ist immer das Gleiche“, sagt die Expertin für Merkmalsauswahl. „Ob in Astrophysik oder bei der Stahlproduktion - wir haben viele Messreihen und wir brauchen die Muster darin, um aus diesen Datenströmen automatisch Information zu gewinnen“, beschreibt Morik. „Die Information, die hilft, eine Entscheidung zu treffen.“

Aus Mangel an einer geeigneten Entscheidungsfunktion passiere es, dass gleich alle Passagiere eines Flugzeugs mit dem Verdacht auf Vogelgrippe in Quarantäne kommen, obwohl nur zwei krank sind. Analysiert man die Daten eines Virenscanners, könnte man eine scharfe Auswahl treffen.

Aus der Medizin kommt auch ein Fall, den Prof. Katharina Morik mit dem Uni-Klinikum Essen lösen will. Es geht um den häufigsten Krebs bei Kindern, das Neuroblastom. Man weiß, dass einige Kinder ohne jede Chemotherapie genesen. Die Medizin möchte jetzt mit der Informatikerin herausfinden, welche Kriterien für die Selbstheilung entscheidend sind, um diesen kleinen Patienten die „Hölle“ einer unnötigen Chemo zu ersparen. „Es geht um 200 000 genetische Eigenschaften pro Patient“, so Morik. „Wir müssen die 80 relevanten finden.“

„Ich war noch nie im Elfenbeinturm“

Im Sonderforschungsbereich 876 brüten Informatiker, Physiker , Biologen und Ingenieure gemeinsam über Praxis-Problemen. „Ich war noch nie im Elfenbeinturm“, erklärt die Wissenschaftlerin. „Es kommt viel Software aus meinem Haus zur Anwendung in die Welt.“ Morik: „Datenanalyse betrifft die unterschiedlichsten Themen, deshalb kann ich mit den verschiedensten Disziplinen zusammen arbeiten. Aber ich muss meinen Handwerkskasten in der Tiefe beherrschen.“ Der Handwerkskasten, das sind die Algorithmen der Datenanalyse.

In dem gerade begonnenen europäischen Projekt Vista-TV untersucht Morik die zahllosen Videokanäle im Internet-Fernsehen. Dabei sollen dem Verbraucher anhand seiner ausgewählten Filme angezeigt werden, was ihn auch interessieren könnte.

Bei dem Thema ist die Forscher in eigentlich ganz nah an ihrem eigenen Problem. Eine Methode, wie sie die „spannenden Olympia-Fechter“ von den „langweiligen Schwimmern“ am Fernsehen herausfiltern kann. Die entscheidenden Merkmale für eine automatische Erkennung hat sie aber noch nicht gefunden.

Gerald Nill



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