Stüdemanns Stern steigt
25.11.2009 | 22:15 Uhr 2009-11-25T22:15:00+0100
Dortmund. Wer wird neuer Stadtkämmerer und damit - nach OB Ullrich Sierau - wichtigste Schlüsselfigur in der Verwaltungsspitze? Bei dieser sensiblen Personalie kann die SPD „rot pur” vorführen. Und zahlt nicht mal politische Preise.
Für viele im Rathaus und über die Stadtgrenzen hinaus hat sich Jörg Stüdemann (SPD) - bis zur Kommunalwahl „nur” Dezernent für Kultur, Sport und Freizeit, inzwischen auch vom Rat gewählter Interims-Stadtkämmerer - als Hüter der (notleidenden) Finanzen glänzend bewährt.
So glänzend, dass sogar der politische Hauptgegner öffentlich den Hut zieht. Erst das dicke Lob von Regierungspräsident Helmut Diegel (CDU), der sowohl die Nachtragssatzung zum Haushalt '09 als auch die mittelfristige Finanzplanung und die kommenden Etatpläne der Stadt zu genehmigen hat. Dem folgten am Dienstag überaus anerkennende Worte aus dem Mund von Frank Hengstenberg, dem Vorsitzenden der CDU-Ratsfraktion. Der sprach von „einem Kämmerer, wie man ihn sich vorstellen möchte.”
Mit anderen Worten: Sollte sich Stüdemann auf die Kämmererstelle bewerben - den Segen der zweitgrößten Fraktion hätte er schon sicher. Nur: So viel Entgegenkommen setzt nicht nur ihn selbst, sondern auch seine SPD unter Druck.
„Ich habe das indirekt als Aufforderung verstanden, Jörg Stüdemann ebenfalls zu unterstützen und ihn zur Bewerbung zu ermuntern”, kam die Botschaft Hengstenbergs bei Ernst Prüsse, dem Chef der SPD im Rat, prompt an. „Ob er sich tatsächlich bewirbt, weiß ich nicht. Ich habe ihn gefragt, ob ihm die Arbeit Spaß mache, und er hat geantwortet, daran könne er sich gewöhnen.” Dass Stüdemann als Interims-Kämmerer eine außerordentlich gute Figur mache, stehe auch in der SPD außer Frage.
Dass sich der Kandidat noch zurückhält, kann Prüsse nachvollziehen. „Schließlich hat der Jörg von uns ja schon zweimal was vor die Buchse gekriegt”, spielte Prüsse gestern auf Stüdemanns Abstimmungsniederlagen (gegen Sierau) an. In der Fraktion, als es um die Besetzung des Stadtdirektorpostens ging; und in der Partei, als die SPD-Mitglieder gefragt waren, wer OB-Kandidat werden soll. Prüsse: „Ob wir ihn zur Bewerbung ermuntern wollen, muss man in Parteikreisen diskutieren.”
„Jörg hat sich sehr schnell in die komplizierte Materie eingearbeitet und die verworrene Finanzlage der Stadt sehr professionell für den Rat aufbereitet”, rennt die CDU auch bei Franz-Josef Drabig, dem Unterbezirksvorsitzenden der SPD, offene Türen ein. „Wenn sich die CDU so äußert, entspricht das der Wahrnehmung, die auch wir haben. Aber: Ob sich Stüdemann auf Dauer für die Aufgaben des Kämmerers begeistern könne, müsse „er selbst entscheiden.”
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