Studenten und Uni-Leitung gemeinsam für Veränderung
25.11.2009 | 18:45 Uhr 2009-11-25T18:45:00+0100
Dortmund. Bei der Besetzung des Hörsaals am Dienstag waren es nur vereinzelte Stimmen, die eine Veränderung der Bildungspolitik forderten. Tags darauf am Mittwoch auf der Vollversammlung an der TU Dortmund vereinten sie sich zu einem mächtigen Chor.
Den Takt gaben die Studierenden vor, doch Rektorin Prof. Dr. Ursula Gather verstand es rasch die Töne zu treffen. Im Auditorium Maximum, dem größten Hörsaal an der Uni, erwuchs so zwar keine gemeinsame Hymne, aber trotz aller weiterhin bestehenden Kritik der Studenten, eine starke Botschaft, die auf der Rektoren-Konferenz am Donnerstag NRW-Bildungsminister Andreas Pinkwart (FDP) um die Ohren fliegen soll.
Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA), der sich auch hinter die andauernde Hörsaal-Besetzung stellte, hatte die Uni-Leitung eingeladen, um mit den Studierenden über die größten Probleme in der Bildungspolitik zu sprechen. Studiengebühren, Anwesenheitspflicht und der Zeit- und Leistungsdruck in den Bachelor-Studiengängen: „Ich werde mich in Düsseldorf dafür einsetzen, dass die Bachelor-Studiengänge um ein Jahr auf vier Jahre verlängert werden”, sagte die Rektorin vor rund 1000 Studierenden.
Prorektor Prof. Dr. Walter Grünzweig bekräftigte, dass er den Bologna-Prozess und die Ziele, die mit dem Systemwechsel von Diplom und Magister-Abschlüssen auf Bachelor verbunden waren, weiterhin unterstütze, die Umsetzung jedoch erheblich zu kritisieren sei. Die Ablehnung der Studenten von der verschulten Lehre, dem Durchpeitschen von Inhalten und der abhanden gekommenen Selbstorganisation beim Studium teilte Grünzweig voll: „Nur heißt das nicht, dass wir wieder komplett zum alten System wechseln sollten.”
»Ohne diese Mittel müssten wir manche Fächer schon jetzt streichen«
Nach Meinung der Studenten gehöre dazu die Abschaffung der Anwesenheitspflicht, die ein selbstständiges Lernen verhindere. Komplett streichen möchte Ursula Gather diese zwar nicht, da es Bereich gebe, in denen diese für den Studienerfolg notwendig sei, weist aber daraufhin, dass das Thema differenzierter betrachtet werden müsse.
Nur bei den Studiengebühren (480 Euro) blieb sie stur: „Ohne diese Mittel müssten wir manche Fächer schon jetzt streichen.” Auf den Beitrag könne nicht verzichtet werden, es sei denn das Land kompensiere den Ausfall durch gleichwertigen Ersatz. Das Ende der Unterfinanzierung der Universitäten, wie es Minister Pinkwart am Mittwoch verkündete, sei keinesfalls erreicht. Eine Aussage, die ihr Applaus einbrachte.
AStA-Vorsitzender Miguel Zulaica zog nach der lebhaft geführten zweistündigen Diskussion ein positives Fazit: „In wichtigen Punkten konnten wir mit der Uni-Leitung Übereinstimmung erzielen. Jetzt wollen wir das Gespräch mit Pinkwart abwarten.”
0mitdiskutieren