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Strafregister vom Dortmunder Nazi Sven K. wird immer länger

29.11.2011 | 06:00 Uhr
Strafregister vom Dortmunder Nazi Sven K. wird immer länger

Dortmund.   Nach einem brutalen Überfall auf zwei jugendliche Türken in Dortmund drohen einem der Täter mehrere Jahre Haft. Es handelt sich um Sven K. (24), der bereits wegen Totschlags zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt worden und vorzeitig auf Bewährung entlassen worden war.

In Dortmund zählt Sven K. (24), nachdem er Punker "Schmuddel" getötet hatte und dafür sieben Jahre in Haft gehen sollte, zu den bekanntesten Nazis. Nun die brutale Attacke auf zwei jugendliche Türken. „Wenn nachgewiesen wird, dass er bei dem Überfall am Samstag dabei gewesen ist, wird er die Reststrafe von über zwei Jahren verbüßen sowie die Strafe für die neue Straftat“, erklärte am Montag Oberstaatsanwältin Dr. Ina Holznagel.

Bis Montagmittag hatte sich noch kein einziger Zeuge bei der Staatsanwaltschaft gemeldet, der wichtige Hinweise für die brutalen Ereignisse am Rande des Dortmunder Weihnachtsmarktes geben konnte. Nach bisherigen Erkenntnissen kam es am Samstag gegen 22.30 Uhr nahe der Reinoldikirche zu dem Gewaltausbruch, als vier Neonazis zwei 16 und 17 Jahre alten Türken angriffen.

Dabei sollen die Täter die am Boden liegenden Jungen unter ausländerfeindlichen Flüchen mit Springerstiefeln immer wieder getreten haben, auch gegen den Kopf und ins Gesicht. Die beiden Opfer kamen mit schweren Blessuren ins Krankenhaus. Nur einer der Täter konnte gefasst werden, während zwei oder drei Mittäter flüchteten.

Bei dem 24-jährigen Festgenommenen handelt es sich um Sven K., der 2005 an der Dortmunder U-Bahn-Station Kampstraße den Punker Thomas Schultz („Schmuddel“) mit einem Messer erstach. Sven K. hatte das Messer versteckt in seiner Hand geführt, es dem Punker hinterhältig in die Brust gerammt. Für diese Tat wurde der damals minderjährige Sven K. zu sieben Jahren Jugendarrest verurteilt.

Positive Prognose

Nach Verbüßung von zwei Dritteln seiner Haftstraße bescheinigte ein Gutachter der Strafvollstreckungsbehörde eine positive Prognose, worauf der Totschläger vorzeitig aus dem Gefängnis kam .

Es hieß, Nachfolge-Taten seien nicht zu erwarten. Der Gesetzgeber verspreche sich davon grundsätzlich eine bessere Integration, rechtfertigt Oberstaatsanwältin Ina Holznagel die vorzeitige Entlassung unter Auflagen. Delinquenten gliederten sich allgemein besser ein, als wenn sie bis zum letzten Tag ihre Strafe absäßen.

Nach Entlassung Überfall auf Hirsch-Q

Nicht so Sven K., der im September 2010 aus der JVA zur Bewährung entlassen wurde. Bereits drei Monate später soll K. bei einem Überfall auf die Szene-Kneipe „Hirsch Q“ beteiligt gewesen sein . Damals gab es Behauptungen, K. sei mit einem Messer dabei gewesen. Seine Tatbeteiligung ist bis heute nicht bewiesen. Aber es gibt einen neuen Ansatz, ihn auch für diesen Überfall zu überführen zur Rechenschaft zu ziehen. Als Beweisstück dient ein Film von den Ereignissen vom 10. Dezember 2010 auf der Brückstraße.

„Nach unserer Einschätzung hat der Film eine schlechte Identifizierungsqualität vor Gericht“, räumt Holznagel ein. Die Beweiskraft der Aufnahmen sei bislang nicht besonders hoch. Aber es gebe Spezialisten, die auch schlechtes Bildmaterial auswerten könnten. „Wir haben eine Sachverständige beauftragt, den Film auszuwerten“, teilt die Oberstaatsanwältin mit. Sollte eine Zuordnung möglich sein, könnte das Strafregister von Sven K. weiter wachsen - und seine Haftstrafe ebenso.

"Verhaltensauffällig"

Sven K. hatte keine leichte Kindheit. Seine Eltern trennten sich früh. In der Hauptschule war er schlecht, fiel „wegen massiver Verhaltensauffälligkeiten“ auf, kam auf eine Sonderschule. Am Ende hatte Sven K. so oft Klassen wiederholt, dass er mit einem Anschlusszeugnis der 7. Klasse abging. Einen festen Job hatte er danach nie. Er ging noch ein wenig auf die Berufsschule, um die Schulpflicht zu erfüllen. Mehr nicht.

Sven K. trinkt seit seinem 15. Lebensjahr Alkohol. Wurde früh Mitglied einer nationalsozialistischen Kameradschaft. Trat als Skinhead auf, mit Glatzkopf und Springerstiefeln. Sven K. hasste: Ausländer und Punker.

Als Jugendlicher Polizeibeamte beleidigt

Schon als Jugendlicher fiel er durch Gewalttaten auf. Sven K. attackierte und beleidigte Polizeibeamte in einer Kleingartenanlage, schlug einen Punker in der Bahn den Schädel blutig.

Kaum ein Jahr später erstach Sven K. den Punker „Schmuddel“. Sven K. sagte vor Gericht: für ihn seien Punker „Zecken“. Das Gericht glaubte allerdings nicht trotz dieser menschenverachtenden Bezeichnung nicht an „niedrigen Beweggründe“ für den Totschlag, wie im Urteil nachzulesen ist. Die Tat sei auch nicht geplant gewesen. Sven K,. habe aus spontaner „Wut“ gehandelt.

Vorbild der Rechtsradikalen

Sven K. wurde nach dem Totschlag zu einer Art Vorbild in rechtsradikalen Kreisen. Aktivisten des „Nationalen Widerstandes“ freuten sich über Botschaften des Totschlägers aus dem Knast heraus.

Nach der Attacke vom Samstag bittet die Staatsanwaltschaft dringend um neutrale Zeugenhinweise von den Ereignissen am Rande des Weihnachtsmarktes. Die beiden Jugendlichen dürften gegen die Neonazis nicht alleine gelassen werden. Hinweise an die Polizei unter 0231/132-7441.

Gerald Nill, David Schraven



Kommentare
29.11.2011
06:52
Die Justiz und deren Weltsicht
von Beissermann | #1

Die Justiz war schon immer auf dem rechten Auge blind.

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