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Tierpfleger: Ein Knochen-...

Statt Streichelzoo: Schubkarren voller Mist

05.06.2009 | 16:39 Uhr
Statt Streichelzoo: Schubkarren voller Mist

Dortmund. Der Rummel um Knut und Flocke trägt das seine dazu bei: Dass aus einem der Dortmund. gefährlichsten Raubtiere plötzlich ein (Eis-) Bärchen wird. Und aus einem Knochen- ein Traumjob.

Wilde Löwen als „süße Kätzchen”, Schmusefotos aus dem Wildgehege – gerade junge Frauen fliegen plötzlich auf den Beruf des Tierpflegers. Dass ein Tierpark kein Streichelzoo ist? Merken sie spätestens bei der fünften Schubkarre voll Mist...

„Wir haben”, sagt Dortmunds Zoodirektor Dr. Frank Brandstätter, „jedes Jahr bis zu 2 000 Bewerbungen”. – Auf eine bis maximal drei Stellen. Die Zoo-Specials in der Flimmerkiste, der Hype um die berühmten Flaschenkinder und natürlich ein gewisses Alter begünstigen den Ansturm. Falsche Vorstellungen vom künftigen Beruf lösen sich meist schon beim Praktikum auf: Hier geht es nicht darum Tierkinder zu hätscheln oder mit tierischen Helden zu posieren – „Machen wir uns nichts vor”, bringt Brandstätter das plakativ auf den Punkt: „Der Beruf besteht zu 80 Prozent aus Scheiße schaufeln...”

Debbie Koesfeld lacht. Sie ist im dritten Lehrjahr („Noch eine Woche!”) und zufrieden. Hat jede Menge gelernt über Anatomie, Biologie... In der Theorie. Und mehr noch über das tägliche wilde Leben im Park. In der Praxis.

Arbeitskleidung: Overall und Schuhe mit Stahlkappen, meistens Handschuhe. Narben hat sie trotzdem an den Händen – „...von den Pinguinen. Die beißen.” Blaue Flecken sind an der Tagesordnung, bestätigt Vorabeiter Andreas Krause, und wenn Kamel und Co. „nur spielen” wollen, kann's auch mal eine gebrochene Rippe werden... „Man muss eben aufpassen”, sagt die 19-Jährige rigoros und schüttelt den Kopf über Tüddel-TV und Kuschel-Formate. „Zu 80 % ist das Arbeit. Harte körperliche Arbeit”, nickt Krause. Die, Sonn- und Feiertags inklusive, um 7 beginnt. Rundgang durchs Revier, vier davon gibt es – auf jedes der 1 500 Tiere wird ein Blick geworfen. Bei den Orangs z.B. gibt's morgens Frühstück mit Blickkontakt, scheibchenweise wissen die Pfleger so, ob ihre Schützlinge gut drauf sind.

Dann geht's ans große Fressen: Von den Wiesen wird Gras angekarrt, Obst für die Affen geschnippelt, Luzerne für die Giraffen. Ab und an wird in der Futterküche ein Hühnchen für Walter, Tjamuna und die Orang-Sippe gekocht. Richtig: Die Primaten sind keine reinen Vegetarier. „Guck mal: die flirten...” Mit wachem Blick registriert das Duo Ungereimtheiten in Gehege und Käfig. „Die sind so schlau”, freut sich Debbie: Wer im Affengehege etwas verliert, kann's wieder bekommen. Gegen eine Erdnuss zum Beispiel. Zu verschenken hat so ein Orang nämlich nichts: „Der tauscht...”

„Jeder Tag ist ein Abenteuer”, sagt Krause (45), der (er ist seit 29 Jahren im Beruf) sein Herz an die Elefanten verloren hat. Die gibt's im Dortmunder Zoo zwar nicht – dafür jede Menge andere tierische Klientel. Zu Hause reicht es ihm da, wenn die beiden Wellensittiche den Schnabel halten... Die 19-jährige Debbie findet die Giraffen einfach faszinierend. Und möchte möglichst lange mit Wildtieren zu tun haben. Irgendwann später wird sie „wild” streichen und daheim in Soest die elterliche Tierpension mit Hund, Katze, Pferd übernehmen.

Diese Diskussion steht zwischen Voliere und Regenwaldhaus natürlich auch an: Wildtiere – hinter Gittern? „Wir helfen der Natur zu überleben”, ist Krause überzeugt. „Wenn der Regenwald weiter abgeholzt wird, wird es nämlich bald keine Orangs mehr geben.” Außer in Zoos. Ob das, was der Mensch gerade mit den natürlichen Lebensräumen auf dieser Welt macht, so rechtens ist, darüber ließe sich natürlich trefflich diskutieren. Aber nicht jetzt. Die Arbeit wartet.

Tja. Wie das so ist. Das, was vorn als Heu, Gemüse etc. rein geht, kommt hinten wieder raus. Mist. Tonnenweise. Nase rümpfen gilt nicht. Nur anpacken...

Anja Schröder

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