Dagoberts Schachgeflüster
Startsieg für den Mozart des Schachs
03.07.2009 | 16:46 Uhr 2009-07-03T16:46:00+0200Magnus Carlsen machte sofort ernst. Zum Auftakt des Sparkassen Chess-Meetings landete der norwegische Großmeister den einzigen Sieg.
Mit den weißen Figuren besiegte er den russischen Großmeister Dmitri Jakowenko. In der Spanischen Partie schien die Stellung lange Zeit ausgeglichen zu sein, bis Carlsen einen genialen Bauernzug fand, der den Königsflügel seines Gegners aufriss. „Das war der Killer”, erklärte Großmeister Klaus Bischoff, der im Dortmunder Schauspielhaus gemeinsam mit seinem Kollegen Sebastian Siebrecht die Partien der Geistesriesen für die Zuschauer kommentiert. Beide waren voll des Lobes über das ideenreiche Spiel des „Schach-Mozarts”, der scheinbar aus dem Nichts heraus eine nach Remis aussehende Position in eine Gewinnstellung verwandelte.
„Er hat wie ein Zauberer gespielt”, sagte ein Zuschauer voller Begeisterung. „Dieser tiefe strategische Blick ist Carlsens besondere Stärke”, lautet auch bei diesem Turnier das einhellige Urteil von Experten und Fans. Über Kopfhörer wird das Dortmunder Publikum im Spielsaal von den beiden Fachleuten nicht nur in die Geheimnisse der laufenden Partien eingeweiht, sondern auch mit interessanten Geschichten und Anekdoten aus der Welt des Schachs unterhalten. Da weiß Klaus Bischoff, der schon seit einem Jahrzehnt in Dortmund kommentiert, eine Menge zu erzählen. In früheren Jahren stand ihm der beliebte Schach-Entertainer Helmut Pfleger zur Seite. Der inzwischen 66-jährige Münchner hat nun seinen Kommentatoren-Sessel für Sebastian Siebrecht geräumt. Der lange Essener, er ist in Herdecke geboren und mit 2,02 m größter Großmeister Deutschlands, bewies schon an den ersten beiden Tagen viel Talent beim Erklären der Figurenmanöver. Akribisch bereitet er sich auf seine Einsätze vor, auf einem großen Blatt Papier hat er alle aktuellen Daten der einzelnen Spieler notiert.
Die anderen Partien der ersten Runde endeten sämtlich remis. Peter Leko und Wladimir Kramnik sowie Arkadij Naiditsch und Etienne Bacrot kennen sich zu gut, als das einer den anderen am Brett so leicht überraschen kann. Die Schlagerpaarung der zweiten Runde lautete Leko - Carlsen. Würde der Ungar den Norweger stoppen können oder dieser seinen Vorsprung in der Turniertabelle ausbauen? Auf der Homepage www.sparkassen-chess-meeting.de tippen die meisten schon auf Carlsen als Turniersieger.
Dagobert Kohlmeyer ist ein international bekannter Schachpublizist aus Berlin. Er berichtet seit 1990 von den Dortmunder Schachtagen.
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