Standortsuche für die Gemeinschaftsschule
12.11.2010 | 18:23 Uhr 2010-11-12T18:23:00+0100
Dortmund. Wenn sich die Schulverwaltung auf die Suche macht nach einem geeigneten und von den Eltern gewollten Standort für die erste Gemeinschaftsschule, fällt ihr Blick zunächst Aplerbeck, Hörde, Mengede und Eving. Alles Stadtbezirke ohne Gesamtschule.
Das Schulverwaltungsamt wird sich aber wohl nicht auf einen Standortvorschlag festlegen. Klar ist: Für Neubauten fehlt das Geld. Also will man sich alle bestehenden Schulzentren in den Bezirken ohne Gesamtschule vorknöpfen, sie auf ihre Eignung abklopfen und am Ende mit allen Standorten und ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen in die politische Debatte gehen.
Die vom Land aufgestellten Genehmigungshürden zu nehmen, dürfte in keinem Stadtbezirk einfach sein. Unterm Dach der Gemeinschaftsschule muss soviel Platz sein, dass mindestens vier Klassen parallel geführt werden können. Zum Vergleich: Gesamtschulen fahren teils sechszügig.
In einer Großstadt gilt: Keine Schule in einem benachbarten Stadtbezirk darf durch die Anziehungskraft der Schule neuen Typs in ihrem Bestand gefährdet werden.
Klar ist: Für Neubau fehlt das Geld
Zudem muss sich eine Schule, die zum Abi führt, verpflichten, alle Schüler in ihre Oberstufe aufzunehmen, die sich in der Gemeinschaftsschule dafür qualifizieren.
Die Schulkonferenzen jener Haupt- und Realschulen, die ihre Identität aufgeben und zur neuen Gemeinschaftsschule zusammenwachsen sollen, müssen zu den Plänen Stellung beziehen. Ein formales Veto-Recht haben sie zwar nicht; aber ohne das Zutun der künftigen Lehrer dürfte es schwierig werden, ein pädagogisches Konzept für die neue Schule auf die Beine zu stellen.
Spezielles Dortmunder Problem
Speziell in Dortmund kommt noch ein Problem hinzu. Das Land wird einen Antrag gar nicht erst auf den Prüfstand nehmen, dem nicht ein vom Stadtparlament beschlossener Schulentwicklungsplan (SEP) beigefügt ist.
Einen SEP-Entwurf wollte die CDU-Ratsfraktion bis September auf dem Tisch haben. Ihr Ziel: keine weiteren Millionen mehr in Gebäude zu investieren, die schon nach wenigen Jahren nicht mehr gebraucht werden. Klar: ein Politikum heikelster Güte. Wohl auch deshalb soll die SPD beschlossen haben: Es soll zwar einen Bildungsbericht geben und jede Menge aktuelle Zahlen - aber keinen Schulentwicklungsplan.
Start im Rat
Das Startsignal zu Standort-suche und -debatte wird - wie berichtet - der Rat am nächsten Donnerstag geben. Allerdings nur mit knapper Mehrheit der Stimmen von SPD und Grünen: CDU und FDP/Bürgerliste werden wohl abwinken; die sehen keinen Bedarf dafür, einen Leuchtturm rot-grüner Schulpolitik, zugeschnitten obendrein auf die Nöte einiger ländlicher Gemeinden, versuchsweise nach Dortmund zu holen.
Gerne würden die Roten noch Überzeugungsarbeit leisten, um die Schwarzen mit ins Boot zu holen. Weil die Aufgabe einer Hauptschule, vor allem aber die einer Realschule, politische Risiken birgt. Und: Weil die SPD auch die nächsten Haushalte am liebsten wieder zusammen mit der CDU beschließen würde. Jeder andere Partner würde höhere politische Preise einfordern.
Nur: Den Genossen läuft die Zeit davon. Bei ihrer Landtagsfraktion in Düsseldorf holten sich sich kürzlich das klare Signal ab: Wenn sich Dortmund einen vorderen, aussichtsreichen Platz auf der Liste jener 50 NRW-Kommunen sichern wolle, die zur Teilnahme am Versuch Gemeinschaftsschule zugelassen werden können, müsse der Rat möglichst noch im November zumindest einen positiven Grundsatzbeschluss fassen und die nötigen Vorarbeiten für eine Antragstellung bis Ende November 2011 (für das Schuljahr 2012/2013) bei der Verwaltung in Auftrag geben.
17:51
Wie wäre es mit einer Gemeinschaftsschule in der Nordstadt? Da ist doch die richtige Klientel für eine Schule, die das Niveau so weit wie möglich unten ansetzt - damit alle mitkommen. Nur kommen sie damit später nicht weit.
19:39
Ergänzung zu #3:
Dem kann ich nur zustimmen. In den letzten Wochen habe ich einige Grundschulen besucht, da mein Kind nächstes Jahr eingeschult wird. Die Bausubstanz und der Zustand der meisten Schulen ist nur erschreckend. Das gleiche gilt oft für die vorhandene Ausstattung der Klassen und der Räume der Nachmittagsbetreuung (OGS).
20:45
Sehr schön war doch die Beilage in den Ruhrnachrichten über alle Schulen in Dortmund...die Bilder sprachen Bände....alles marode Betonbauten aus den 70ern oder noch älter...es ist eine Schande, wie Dortmund mit ihrem Nachwuchs umgeht. Wir haben schon so wenig Kinder, warum gönnen wir ihnen nicht einen Erlebnisort Schule statt vor sich hinsiechenden Gebäuden...so kann auch eine wunderbare Gemeinschaftsschule entstehen.
16:17
Es ist schon bemerkenswert: Da steckt die Stadt jährlich zig Millionen in Schulimmobilien ohne einen Schulentwicklungsplan zu haben, ohne eine Perspektive, welche Schule überhaupt erhalten bleiben soll. Da sind Fehlplanungen doch vorprogrammiert. Und das in Zeiten, wo die Demographie einen Kinderrückgang vorhersagt
Warum nur? Scheuen sich die Parteien klaren Ansagen zu machen? Wir haben einfach zu viele Schulen und es wäre angebracht, das Geld in zukunftsfähige Objekte zu leiten, anstatt in Schulen zu stecken, für die es bald keine Schüler mehr gibt.
12:35
Wichtig ist, dass der Standort so gewählt wird, dass Eltern die Möglichkeit haben, den Kindern den Zugang zum Gymnasium nach der Klasse 4 zu ermöglichen, ohne dass dies nur mit riesigen Fahrtwegen möglich ist.
Dann haben wir zwar wieder ein paar Euros ausgegeben, aber wenigstens müssen die Kinder die Konsquenzen nicht tragen, wenn sie es nicht wollen.
Gestern gab es schönen, schnellen Fußball. Wie sieht wohl das Ergebnis aus, wenn immer ein Anteil der Spieler zwangsweise nur Kreisklasse-Niveau hat?