Stadtmitarbeiter gab fragwürdiges Fleisch zum Verzehr frei

Ein von der Stadt eingesetzter Kontrolleur hat Mitte 2014 auf einem Schlachthof in Grevel Fleisch von Schafen freigegeben, das er so nicht hätte freigeben dürfen.
Ein von der Stadt eingesetzter Kontrolleur hat Mitte 2014 auf einem Schlachthof in Grevel Fleisch von Schafen freigegeben, das er so nicht hätte freigeben dürfen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die Stadt Dortmund beschäftigt seit Jahren einen nebenberuflichen Fleischbeschauer, obwohl die Veterinäre im Ordnungsamt seine Eignung bezweifeln.

Dortmund.. Ungereimtheiten auf dem Schlachthof: Die Verwaltung beschäftigt seit Jahren einen nebenberuflichen Fleischbeschauer, obwohl die Veterinäre im Ordnungsamt dessen fachliche Eignung bezweifeln. Der Mann ist wegen zu lascher Kontrollen auf Schlachthöfen bereits abgemahnt worden - trotzdem ist er weiter für die Stadt tätig.

Wie aus einem internen Protokoll der Verwaltung hervorgeht, hat sich der als Fleischbeschauer nebenberuflich tätige Mann wiederholt nicht an Anweisungen seiner Veterinäre gehalten, sondern eher "die Wünsche des Schlachtbetriebes erfüllt."

Fleisch ohne gründliche Kontrolle freigegeben

So hatte er Mitte 2014 das Fleisch geschlachteter Schafe ohne die vorgeschriebene, gründliche Kontrolle und viel zu früh für den Verkauf freigegeben. Auf die ausdrücklich angebotene Hilfe der Veterinärin verzichtete er großzügig. Die hatte ihn nach mehreren Vorkommnissen eindringlich aufgefordert, sie "zu jeder Uhrzeit" anzurufen, wenn es zu Unregelmäßigkeiten auf dem Schlachthof komme. Die gab es dann auch prompt. Dennoch stempelte der Mann morgens um 6 Uhr das Fleisch für den Verkauf ab. Befragt, warum er seine Vorgesetzte trotz ihrer Bitte nicht rechtzeitig verständigt und hinzugezogen habe, gab der Kontrolleur an: Er habe die Veterinärin "so früh morgens nicht stören" wollen.

Wünsche des Schlachtbetriebs erfüllt

In anderen Fällen wird ihm vorgehalten, "Tierkörper nicht als untauglich abzustempeln, wenn der Schlachtbetrieb dies nicht wünscht." Auch Krisenrunden und eine Ermahnung des Personalamtes ändern daran nichts.

Ihm fehle "sowohl die nötige Fachkenntnis als auch die nötige Kontinuität, um bei jedem Tier die vorgeschriebenen Untersuchungsgang vollumfänglich durchzuführen", heißt es im Papier der Verwaltung. Eigentlich müsse man ihm bei jeder Kontrolle einen Veterinär an die Seite stellen. Dies sei jedoch aus Personalgründen nicht möglich. Der Mann ist inzwischen abgemahnt, steht aber nach wie vor in Diensten der Stadt. Die sagt: "Verbraucher seien zu keiner Zeit geschädigt worden."