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Stadteltern rügen Rüttgers

01.02.2010 | 18:41 Uhr

Dortmund. Nach dem Besuch von NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers im Rahmen der „Hauptschuloffensive” gehen die Stadteltern in die Gegenoffensive.

In einem Protestschreiben an Rüttgers kritisieren sie den schulpolitischen Kurs der schwarz-gelben Landesregierung.

Obwohl die Dortmunder Eltern jedes Jahr auf Neue „mit den Füßen abstimmen”, wird die Schulform Hauptschule von der Landesregierung stark protegiert. Mit realitätsfernen Aussagen des Ministerpräsidenten, dass die Hauptschul-absolventen das Handwerk hochalten, wird immer noch versucht, die Situation an den Hauptschulen schönzureden”, so Stadtelternvorsitzende Monika Landgraf. Dabei steht für die Stadteltern längst fest: Nur 10 Prozent der Hauptschüler erlernten ein Handwerk nach ihrem Schulabschluss.

»Man kann die

Hauptschulen auch

vergolden –

das bringt nichts«

Die Chancengleichheit der Hauptschule im gegliederten Schulsystem sei nicht mehr gegeben. Durch das Turbo-Abi und die Komprimierung des Lernstoffs sei ein Übergang in den höheren Schulabschluss äußerst schwierig. Landgraf: „Die Durchlässigkeit ist nur nach unten gegeben.” Für sinnvoller erachteten die Stadteltern, dass die Gelder für die Hauptschuloffensive für eine zehnte Gesamtschule fließen. Die Nachfrage sei da, wie man jedes Jahr daran erkennen könne, dass Hunderte Schüler abgewiesen werden müssten.

Wenn jemand weiß, wie schwierig das ist, dann Hans-Peter Seger. Seit gestern steckt der Sprecher der neun Gesamtschulen wieder in der Anmeldephase für seine Schulform. Mussten 2009 noch 220 Schüler abglehnt werden, werden es jetzt mehr sein: „Ich glaube, dass die Gesamtschule noch stärker vom Turbo-Abi profitieren wird.” Um ihre Kinder nicht dem Abi-Stress nach zwölf Jahren auszusetzen, wählten viele lieber die 13er-Variante, die die Gesamtschulen weiter bieten. Deshalb sei die Forderung der Stadteltern begründet. Besonders hoch sei die Nachfrage in Brackel, Wambel, Aplerbeck. Wenn alle Beteiligten es wollten, sei es sinnvoll, im Schulzentrum Aplerbeck über eine Zusammenfassung von Haupt- und Realschule zur Gesamtschule nachzudenken. Für diese Idee fände er aber weder auf kommunaler noch auf Landesebene Ansprechpartner, sagt Seger: „Mit dieser Landesregierung ist da nichts zu machen”, man fürchte wohl, dass sonst das dreigliedrige Schulsystem nicht mehr zu halten sei. Mit Blick auf die „Hauptschuloffensive”, die die Ganztagsangebote ausbaut und viel Geld in sie steckt, sagt Seger nur eins: „Man kann die Hauptschulen auch vergolden – das bringt nichts.”

Peter RING

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