Stadt hatte frühe Gift-Hinweise
19.07.2010 | 21:30 Uhr 2010-07-19T21:30:00+0200
Dortmund.Die Stadt weiß seit knapp zwei Jahren von den gefährlichen Vorgängen im Hause Envio. „Illegale Aktivitäten der Firma Envio, Kanalstraße 25“ – so lautet die Betreff-Zeile einer Zuschrift, die am 11. September 2008 beim Umweltamt einging. Damals bekam die Behörde ganz gezielte Hinweise auf konkrete Gefahren, die Menschen und Umwelt drohten. Sie gab den Vorgang weiter an die Bezirksregierung.
Der Informant: offenbar ein Insider. Das fahrlässige und vorsätzliche Treiben hinter dem Envio-Werkstor schilderte er bis ins kleinste Detail. Auf zwei DIN A 4-Seiten offenbarte der Mann erstaunliches Hintergrundwissen. Die hochgradig verseuchten – weil mit PCB durchsetztem Bindemittel angelieferten – Transformatoren aus der Untertage-Sondermülldeponie in Herfa-Neurode kannte er ebenso genau wie die Schwachstellen der Envio-Haustechnik. Entsprechend konkret listete er die Verstöße gegen Auflagen und Genehmigungen auf, wies auf die Gesundheitsgefahren für Mitarbeiter hin. Das Umweltamt informierte Arnsberg per E-Mail über die Zuschrift und heftete den Vorgang ab.
Kleinere Brände, geöffnete Tore
Mit weiteren Tipps lief es ähnlich. Am 14. Januar dieses Jahres meldete Heinrich Bornkessel vom Umweltamt „zwei Hinweise bezüglich möglicher Verursacher“ des PCB-Skandals. Zum einen hatte ein Ranger des Umweltamtes „häufiger kleinere Brände auf dem Gelände der Firma Hittmeyer beobachtet, die wohl beim Schrottbrennen entstehen, aber immer schnell gelöscht werden“, wie Bornkessel protokollierte. Der andere Informant, ein ehemaliger ABB-Mann, sagte, „dass in Halle 55 Trafos bei geöffneten Toren demontiert wurden und ihm einiges auch unter Arbeitsschutzbedingungen nicht sauber vorgekommen sei“. Das Umweltamt gab auch diesen Tipp an Arnsberg weiter, nebst Name und Telefonnummer des Informanten. „Gehen Sie diesen Hinweisen doch bitte mal nach“, bat Bornkessel die Bezirksregierung.
Hinweise nach Arnsberg geleitet
Zwei Wochen später erreichte die Stadt ein weiterer Hinweis auf dubiose Envio-Praktiken. „Immer wenn die Aufsichtsbehörde einen Besuch angekündigt hat, wurde ein Großreinemachen durchgeführt“, gab diesmal ein Mitarbeiter zu Protokoll. Der Zustand, den die Giftfirma bei offiziellen Anlässen den Gästen vorzeige, „entspreche jedoch nicht dem Normalbetrieb“, notierte Bornkessel. Das Umweltamt gab auch diesen Vorgang unkommentiert an Arnsberg weiter – „an die zuständige Aufsichtsbehörde“, wie Stadtsprecher Udo Bullerdieck gestern sagte.
Die Linke im Rat befürchtete gestern, bei Envio werde wieder gearbeitet – „und das ohne Schutzkleidung“, wie besorgte Anwohner berichtet hätten. Die Bezirksregierung beruhigt. Eine Nachbarfirma „macht derzeit einen nicht PCB-haltigen Trafo transportfähig“, so Jörg A. Linden. Arnsberg überwache die Stilllegung. Auch die Sorge, Envio könne belastendes Material verschwinden lassen, sei unbegründet.
06:42
Kalydonischer Eber... , oh yeah!
MANUS MANUM LAVAT ist ach nicht schlecht!
22:49
@8 und 13:
Haben Sie nichts Besseres zu tun als hier verquer ad hominem zu agitieren? Wenn Sie irgendwelche erhellende Fakten haben, nur her damit. Für aufgeblasene, verwässernde Sprüche ist die Situation schlicht zu ernst. Wir können froh sein, daß hier Öffentlichkeit hergestellt wird, auch wenn es manchen zurecht weh tut.
21:14
Dieser Artikel zeigt nur, dass die Recherche und das logische Denken schlecht war. Wenn Brandt den Uhlenberg-Bericht richtig gelesen hätte, wüsste er, dass die Nachricht von September 2008 kalter Kaffee sind. Was die Behörden natürlich nicht aus ihrer Verantwortung entlässt. Nur die Sensationsmache nervt.
21:14
Weiter Details:
http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/dortmund/lokalnachrichten_dortmund/Ex-Leiharbeiter-bestaetigt-Verstoesse-gegen-Vorschriften;art930,974449
http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/dortmund/lokalnachrichten_dortmund/Behoerden-waren-zu-gutglaeubig;art930,971933
21:07
Dieser Artikel, sowie der Parallel-Artikel zeigt, wie verlogen die beteiligten Behörden und Politiker allesamt sind.
Die Gesundheit eines ganzen Stadtteils wurde ohne mit der Wimper zu zucken beim lustigen Behörden- und Politiker-Mikado geschlachtet,
Und selbstverständlich will keiner was gewußt haben - bis das Gegenteil bewiesen wird.
Dran bleiben Herr Brandt - treten Sie der selbstgefälligen Polit- und Beamtenkaste weiterhin öffentlich in den *****
20:55
Sorry hätte heißen müssen: SPAREN
Ich habs mal groß geschrieben, weil viele Sozen den Begriff nicht zu kennen scheinen.
20:54
@angie
Sie vergaßen dabei nur zu erwähnen, daß das Sparn bereits unter Rot/Grün in NRW-Landtag eingeleitet wurde und unter Rüttgers fortgesetzt werden mußte, da die Zuweisungen aus Berlin nicht erhöht wurden.
19:58
Sagen ´se mal Lohmann: wann hat Diegel, in seiner Zuständigkeit, hier eingegriffen? Seit wann ist Gewerbeaufsicht wieder Aufgabe der Stadt? Wer soll die durchführen? Gehen Sie mal ins Landesbehördenhaus und sprechen mit den Arbeitsschützern wie toll das hier seit Schwatt-Gelb organisiert ist. Soll der Planungsamts-Chef mit ner Wünschelrute ENVIO besuchen? Wir leben in einer Welt der Arbeits- und Aufgabenteilung. Weil wir sparen müssen! Verstanden? Erkannt?
12:41
@ schmitzi
Sehr naiv. Der Stadt *gehört* das Gelände. Sie kann selbstverständlich eigene Kontrollen veranlassen und z.B. selbst das LANUV damit beauftragen. Seit der Änderung der Verantwortlichkeiten im Landes-Umweltrecht 2008 hat sie sowohl die Möglichkeit als auch das Recht dazu, siehe den Kreis Unna und seinen Deutsche-Nickel-Skandal.
12:33
Damit wird auch das merkwürdige Verhalten der Bezirks- und Stadtvertreter (nicht nur) bei der Bürgerversammlung am 12.07. im Depot nachvollziehbar.
Wer die Dreistigkeit besitzt, so freizügig mit der Wahrheit umzugehen, wer so wenig Verantwortungsbewußtsein zeigt, ist mehr als nur unfähig, seinen Job zu tun. Die geäußerte Befürchtung, dass hier mit Vorsatz _nicht_ gehandelt wurde, hat sich nun offenbar bestätigt. Das ist ein mindestens ebenso großer Skandal wie das unsägliche Wirken der envio-Bosse.