Stadt erwartet Envio-Klage gegen Gewerbe-Verbot
28.09.2010 | 19:43 Uhr 2010-09-28T19:43:00+0200
Dortmund.„Ich bin sehr zuversichtlich, dass unsere Entscheidung vor Gericht Bestand hat.“ Stadtrat Wilhelm Steitz zieht optimistisch in das Verfahren – das kommen wird, daran besteht kaum ein Zweifel. Im Falle der erwarteten Klage der Giftfirma gegen das Gewerbeverbot bestehe nur „ein kleines Restrisiko“, dass die Stadt den Kürzeren zieht. „Das lohnt es sich aber zu tragen“, sagt Steitz.
„Behandlung, Lagerung, Transport sowie Recycling PCB-haltiger Tranformatoren bzw. Geräte, PCB-Dekontamination und PCB-Entsorgung“ – das alles ist der Envio Germany Geschäftsführungs GmbH sowie Dr. Dirk Neupert als deren Geschäftsführer ab sofort untersagt. Kerne der beiden Begründungen sind einerseits die Verstöße gegen die gewerbliche Zuverlässigkeit, nachgewiesen durch amtliche Wisch- und Fegeproben, die bis zu 1000-fache Belastungen durch krebserregendes PCB ergaben, wo eigentlich alles hätte sauber sein müssen. Steitz führt auch Dioxine und Furane in Kehrstäuben rund um das „Zelt“ an. Dort wurden die von der Weltgesundheitsorganisation festgelegten Grenzen des Seveso-Giftes Dioxin um mehr als das 20000-fache überschritten.
Das beweise nachhaltig die Unzuverlässigkeit der Giftfirma. Weder aus den Ursachen noch den Folgen der massiven Verseuchungen, die das Gutachten der Terra Umwelt Consulting GmbH schon 2007 attestierte, habe Envio etwas gelernt. Tatsächlich belastet dieses Dokument die Firma schwer. „Vor der Halle 2 wurden seinerzeit Trafos gelagert, aus denen Öl auslief“, heißt es in der Expertise. Rammkernsondierungen mussten her, um eine Ausbreitung der schwerwiegenden Verseuchungen zu verhindern. In der Summe wurden 195 Tonnen verseuchtes Erdreich entsorgt.
Auch Sachverständiger belastet Envio
Auch der aktuell für Envio tätige Sachverständige belaste die Skandalfirma, sagt Steitz. In seinem Arbeits- und Sicherheitsplan von Ende Juni 2010 beschreibe er „eine eindeutige Re-Kontamination des 2007 sanierten Betriebsgeländes“. Die abermalige Verseuchung falle komplett Neupert als verantwortlichem Geschäftsführer zur Last. Für die Stadt der Beleg, dass es dem Mann „am Willen fehlt, den umweltschutzrechtlichen Verpflichtungen gegenüber der Allgemeinheit nachzukommen“. Und dass Neupert „auch in Kenntnis gesundheitsgefährdender Mängel dem Aspekt der Gewinnmaximierung bzw. der Kostenvermeidung Vorrang gegenüber der Absicherung von Mitarbeitern oder Dritten gegen schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigungen“ gab.
Der Mann habe sich Verpflichtungen und Verantwortung „bewusst entzogen“. Der Envio-Giftskandal sei „nicht die Folge einzelner Betriebsunfälle, sondern das Ergebnis eines über Jahre fortgesetzten und besonders gravierenden Fehlverhaltens“, resümiert Steitz. Es gebe auch diesbezügliche „Erkenntnisse der in gleicher Sache laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen“ gegen Neupert als natürliche Person. Fazit: „Zum Schutz der Allgemeinheit“ sei die Gewerbeuntersagung „zwingend erforderlich“. Eine mögliche Klage müsste binnen vier Wochen beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen sein. Sie hätte aufschiebende Wirkung.
16:39
# 7, # 10, Tagesschau.de und die Aktuelle Stunde haben auch schon darüber berichtet.
Aber das deutschlandweit nicht so viel Interesse daran besteht wie in den lokalen Medien ist doch ganz normal.
15:28
@ #13
Wenn man sich die entspr. Threads in den bekannten Aktienforen durchliest, gibt es natürlich den von Ihnen geschilderten Typus Aktionär, dem das Schicksal der Betroffenen schei.egal ist und der das gern durch einen stark tieffliegenden Intellekt dokumentiert.
Aber es gibt auch genügend Kommentare von Leuten, die aufgrund der Meldungen ausgestiegen sind und die Geschäftspolitik ebenso als kriminell und menschenverachtend betrachten.
Zu den Zahlen aus Südkorea noch: Die Meldungen zur Schließung und den PCB-Funden sind erst relativ spät in Korea aufgeschlagen und Envio musste ja schon vor einigen Wochen zugeben, dass sich diese Bad News auch aufs Geschäft auswirken. Die guten Zahlen sind also Geschichte.
15:11
Der Aktienkurs folgt dem Motto gleicher Verfahren in Korea, allerdings ohne jede Lobby für die Beschäftigten und nach dem Geschäftsbericht ertragreich. Also investieren unter Kenntnis dafür geopferter Menschen um des Ertrages willen.
Da freut man sich doch - bei allem Verständnis für die Gewinninteressen von Aktionären an sich - über die Aktionäre dieses speziellen Falles.
13:59
@ vaikl
Danke. Hatte schon einmal gelesen, dass Sie die Geschäftsverbindungen von Envio hier gepostet haben.
Da ich davon ausgehe das diese Geschäftsverbindungen zu RWE usw. noch bestehen kann das in Kommentaren nicht genug Erwähnung finden.
Da die Geschäftspartner jetzt nicht mehr abstreiten könne von den menschenverachtenden Zuständen nichts gewusst zu haben, sitzen diese moralisch mit im Boot der Körperverletzer und unterstützen ein kriminelles Unternehmen.
12:42
@ #9
Das hatte ich aber schon mehrfach hier geschrieben.
Großkunden sind z.B. die RWE, die seit Anfang 2009 Trafos bei Envio angeliefert hat, und die Georgsmarienhütte Holding, die über ihre Töchter RRD und Hittmeyer Schrottbleche (teilweise ja verseucht) für die Stahlerzeugung von Envio kaufte. Beide Großunternehmen werden übrigens von der gleichen Person geführt.
12:39
@7: die TAZ ist überregional, siehe http://bit.ly/9YFGjL (taz.de) Mit PCB und Dioxin vergiftet
11:59
@ vaikl
Wenn Sie diese Großkunden benennen können, werden diese Großkunden es sich nicht mehr leisten können mit Envio in einen Zusammenhang gebracht zu werden.
11:54
@ #7
Wenn Sie mit diesem Konzern Envio meinen, ist dessen Medien-Einfluss wohl eher völlig unbedeutend.
Wenn Sie damit aber z.B. Envios Mama ABB oder vielleicht auch gewisse Großkunden von Envio meinen, dann sind da natürlich ganz andere Einflussmöglichkeiten im Spiel, die sich ebenso natürlich nicht nur auf die Medien, sondern auch auf die lokale und überregionale Politik erstrecken.
11:00
Eins wundert mich schon seit Anbeginn dieses unglaublichen Giftskandales.
Wie zuvor schon erwähnt, ist außerhalb des Großraumes Dortmund rein garnichts über diesen Skandal zu hören/sehen/lesen. Von ein paar unbedeutenden Randnotizen einmal abgesehen.
Wieviel Macht und Einfluss besitzt dieser Konzern, um die Berichterstattung in den Medien so klein zu halten.
Gerade auch in Hinblick über die Schweinereien welche da im Hintergrund ablaufen (unzulängliche medizinische Untersuchungen, Spielerei mit Grenzwerten, usw.), müsste doch ein Aufschrei der Empörung durch die Republik gehen.
Aber nichts geschieht, es bleibt mir ein Rätsel.
00:44
Au weia - das dürfte für die Stadt Dortmund wohl in die Hose gehen. Der Betrieb bei Envio ist doch durch die Bezirksregierung bereits vollkommen zu recht eingestellt worden.
Muss die Stadt Dortmund jetzt unbedingt noch auf Aktionismus machen - nachdem sie erst untätig blieb - und sich dermaßen auf rechtliches Glatteis begeben? Wissen die Verantwortlichen, was sie da tun? Haben die schon einmal eine Kuh bei Glatteis erlebt? Wissen die auch, was so etwas im Zweifelsfall kosten kann?