Das aktuelle Wetter Dortmund 11°C
PCB-Skandal

Stadt entzieht Envio Gewerbe-Erlaubnis

28.09.2010 | 13:17 Uhr
Stadt entzieht Envio Gewerbe-Erlaubnis

Dortmund.Mit zwei Ordnungsverfügungen vom heutigen Dienstag, 28. September 2010, wird der Envio Germany Geschäftsführungs GmbH sowie deren Geschäftsführer Dirk Neupert die Ausübung des Gewerbes untersagt. Das teilte das Dortmunder Ordnungsamt mit. Vor einigen Wochen hatte die Bezirksregierung Arnsberg bereits den Betrieb still gelegt.

Das Dortmunder Ordnungsamt entzieht der PCB-Skandalfirma Envio die Gewerbe-Erlaubnis. Somit ist ab sofort die „Behandlung, Lagerung, Transport sowie Recycling PCB-haltiger Transformatoren bzw. Geräte, PCB-Dekontamination und PCB-Entsorgung“ untersagt. Heißt im Klartext: Die Entsorger-Firma wird in wesentlichen Teilen geschlossen, auch Geschäftsführer Dr. Dirk Neupert darf keine Geschäfte mehr in den genannten Bereichen tätigen.

Beide Verfügungen tragen in Vertretung des Oberbürgermeisters die Unterschrift von Stadtrat Wilhelm Steitz und sind bei Zuwiderhandlungen mit Zwangsmitteln bedroht. Das Zwangsgeld, gerichtet an Envio-Geschäftsführer Neupert, würde 10.000 Euro betragen.

Klagemöglichkeit innerhalb eines Monats und neue Blutergebnisse

Über jeweils acht DIN-A 4 Seiten werden vom Ordnungsamt die Tatbestände ausführlich geschildert, die letztlich die nun getroffene Maßnahme begründen. Gegen die Gewerbeuntersagung kann innerhalb eines Monats nach Zustellung Klage erhoben werden, welche beim Verwaltungsgericht in Gelsenkirchen schriftlich einzureichen oder zur Niederschrift zu erklären ist.

Die Blutergebnisse besorgen vor allem die Mitarbeiter, die direkt mit PCB in Kontakt kamen. Fotos: Ralf Rottmann

Mittlerweile liegen auch alle 646 Ergebnisse der vom städtischen Gesundheitsamt durchgeführten Untersuchungen im Rahmen des humanen Biomonitorings auf PCB liegen nun vor. Dabei handelt es sich um Proben von 459 Beschäftigten auf dem Envio-Gelände sowie 62 Beschäftigten im größeren Umfeld außerhalb des Envio-Geländes und 120 Anwohnern und Kleingärtnern. Außerdem gab es fünf Blutproben bei Angehörigen von Envio-Beschäftigten.

Erhöhte Werte im direkten Envio-Umfeld

Deutlich erhöhte Werte fanden sich ausschließlich bei Personen, die im direkten oder indirekten Kontakt mit PCB-haltigem Material innerhalb eines Bearbeitungsprozesses gekommen sind. Die höchsten Belastungen fanden sich bei Envio-Mitarbeitern (inklusive Leiharbeitern).

Die vorliegenden Blut-PCB-Daten weisen darauf hin, dass bei den Anwohnern und Kleingärtnern keine Auffälligkeiten im Zusammenhang zur PCB-Kontamination im Dortmunder Hafen festgestellt werden können. In Einzelfällen finden sich erhöhte Werte, die sich aber ausnahmslos durch das höhere Lebensalter (62 bis 85 Jahre) erklären lassen. Nach den vorliegenden Ergebnissen sind im Lebensalltag der Anwohner keine besonderen Verhaltensmaßnahmen zu berücksichtigen.

Bezirksregierung beklagt „übliches Spielchen“

Unterdessen beklagt die Bezirksregierung Arnsberg „das übliche Spielchen“ bei Envio, da deren Rechtsanwälte nun auch gegen die von der Bezirksregierung Arnsberg am 31. August per Ordnungsverfügung eingeforderten Sanierungskonzepte für das gesamte Betriebsgelände und die Hallen klagen. Einen Eilantrag gegen die sofortige Vollziehung der Ordnungsverfügung hat Envio jedoch nicht bei Gericht eingereicht.

Die Bezirksregierung zieht nach eigener Aussage ihre konsequente Linie durch: Mit Verfügung vom 28. September, die den Envio-Anwälten am Nachmittag persönlich zugestellt wurde, hat die Bezirksregierung die Ersatzvornahme festgesetzt. Heißt: Die Bezirksregierung wird nun selbst von einem Gutachter auf Kosten der Firma Envio ein Sanierungskonzept für das Freigelände, die Hallen und das Zelt erarbeiten lassen.

Sanierung soll Ende November beginnen

Sobald dieses Konzept vorliegt und geprüft ist, werde die Bezirksregierung die Umsetzung dieses Konzeptes - sprich: die Reinigung - von Envio einfordern. Falls sich Envio ein weiteres Mal weigern sollte, drohe eine Ersatzvornahme.

Bei allen, insbesondere rechtlichen Unwägbarkeiten: Ziel der Bezirksregierung ist es laut Sprecher Jörg A. Linden, dass die Sanierungsarbeiten Ende November dieses Jahres beginnen können.

DerWesten

Facebook
 
Kommentare
28.09.2010
21:10
Stadt entzieht Envio Gewerbe-Erlaubnis
von Schlaubi | #15

Erika, Erika, wer im Glashaus sitzt...

Imperativ von lesen = lies!

28.09.2010
20:16
Stadt entzieht Envio Gewerbe-Erlaubnis
von ErikaW | #14

Auch ein Linker darf sich in Recht(s)schreibung und Grammatik üben....aber das nur am Rande.

Ließ den Kommentar von Klaus Brandt (Auf dünnem Eis), da steht genau das, was ich meinte...

28.09.2010
19:17
Stadt entzieht Envio Gewerbe-Erlaubnis
von Ein Linker | #13

Die Untersagung gründet sich auf die gewerberechtliche Unzuverlässigkeit von Envio. Das reicht bereits. Grundlage für Herrn Steitz ist ein Antrag der Linken auf Untersagung der Gewerbeerlaubnis, der von Stadtrat mit rot-rot-grüner Mehrheit angenommen wurde.

28.09.2010
18:52
Stadt entzieht Envio Gewerbe-Erlaubnis
von ErikaW | #12

Da lehnt sich Herr Steitz aber weit aus dem Fenster. So richtig die Entscheidung im Sinne der Menschen ist - so wackelig dürfte sie juristisch sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch (wie wir wissen, mit wenig Fortune). Worauf begründet die Stadt dann ihre Entscheidung? Ich vermute mal, dass ein guter Rechtsanwalt die Untersagung Ruck-Zuck zerpflückt. Die Stadt wollte wohl nur demonstrieren, dass man auch was tut...

28.09.2010
18:39
Stadt entzieht Envio Gewerbe-Erlaubnis
von holmark | #11

Das wird Westerwelle und seinem Brüderchen aber gar nicht schmecken. Das ist gegen die unternehmerische Freiheit!

28.09.2010
18:04
Stadt entzieht Envio Gewerbe-Erlaubnis
von glabowski | #10

Endlich passiert, was längst überfällig war!

28.09.2010
18:02
Stadt entzieht Envio Gewerbe-Erlaubnis
von vaikl | #9

@ #7

Der Entzug der Gewerbeerlaubnis von Neupert gilt bundesweit.

28.09.2010
18:01
Stadt entzieht Envio Gewerbe-Erlaubnis
von vaikl | #8

@ #5

Schauen Sie doch einfach hier:
http://www.envio-group.com/fileadmin/media/pdf/envio_presse/Anschreiben_Stadt_Dortmund_Verwaltung.pdf

Wer steht da als Geschäftsführer im Briefkopf?

Und wer ist Geschäftsführer der Envio Germany Geschäftsführungs GmbH? Und wer ist Vorstand der Envio AG? Rechtlich ist der verantwortlich, der im Handelsregister und im Briefkopf eingetragen ist.

PS: Das mit den Schweizer Briefkastenfirmen, jeweils eine für Neupert und Harks und beide unter der gleichen Büroadresse, hatte ich hier schon vor Monaten gepostet.

28.09.2010
17:55
Stadt entzieht Envio Gewerbe-Erlaubnis
von Dortmunderin | #7

xy, der entzug der Gewerbeerlaubnis bezieht sich nur auf Dortmund. Herr Neupert und Herr Harks könnten theoretisch in München weitermachen.
Aber Herr Harks kann den Betrieb in Dortmund nicht weiter führen, da nicht nur Herrn Neupert ein Gewewrbeverbot erhalten hat, sondern auch die Firma Envio.
Und selbst wenn Herr Harks eine neue Firma auf dem Grundstück von Envio gründet, bekommt er dafür keine Gewerbeerlaubnis.

28.09.2010
16:41
Stadt entzieht Envio Gewerbe-Erlaubnis
von Do66626 | #6

Tja, eigentlich gehören die wohl hinter Gitter, dass scheint aber nicht so einfach zu sein, sonst hätte man schon irgendwelche Anstrangungen unternommen.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3769469/create

UMFRAGE

Sollen Stehplätze in Fußballstadien abgeschafft werden?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Layla Zoe in Dortmund
Bildgalerie
Piano
Hitze am Phoenix-See
Bildgalerie
Wetter
Achtung, Dortmund — hier droht Bußgeld!
Bildgalerie
Bußgeld-Katalog
Aus dem Ressort
Wohnraum für Arme: Knapp und schlecht saniert
Soziales
Auf dem Wohnungsmarkt haben Menschen mit wenig Geld das Nachsehen. Zum einen gibt es immer weniger Sozialwohnungen. Zum anderen lassen privater Finanzinvestoren günstige Wohnungen verkommen.
Aus Amerika direkt nach Hörde
Germany's next Topmodel
Model Diana hätte Germanys next Topmodel werden können, Model-Mama Heidi Klum rechnete ihr große Chancen fürs Finale aus. Diana aber entschied sich gegen die Show und schied aus familiären Gründen freiwillig aus. Mit ihrer Familie ist die 17-Jährige nach ihrem Ausstieg von Hagen nach Hörde gezogen.
Foto