Stadt Dortmund will im PCB-Skandal Millionen von Envio

Die Stadt Dortmund verklagt Envio  mit Geschäftsführer Dirk Neupert auf Schadensersatz.
Die Stadt Dortmund verklagt Envio mit Geschäftsführer Dirk Neupert auf Schadensersatz.
Foto: Ralf Rottmann
Was wir bereits wissen
Weitere Schadensersatzforderungen: Am Dortmunder Landgericht begann am Freitag ein weiterer Prozess gegen die frühere PCB-Entsorgungsfirma Envio. In dem Zivilverfahren klagt die Stadt und will Millionen von Envio für die Sanierung des verseuchten Geländes im Hafen.

Dortmund.. Die Stadt Dortmund klagt in dem Zivilverfahren unter anderem gegen Envio-Chef Dr. Dirk Neupert, die Envio AG und den ehemaligen Betriebsleiter auf Schadensersatz.

Sie will, dass die Envio-Muttergesellschaft und Firmenchef Dirk Neupert für Sanierungskosten auf dem Firmengelände am Dortmunder Hafen an der Kanalstraße aufkommen. Sonst bestehe die Gefahr, dass Dortmund als Eigentümerin des Hafengrundstücks auf diesen Kosten sitzen bleibt, so die Stadt. Letztlich geht es mit der Zivilklage darum, eine mögliche drohende Verjährung möglicher Ansprüche zu verhindern.

Neupert nicht persönlich anwesend

Die Sanierung des PCB verseuchten Geländes kostet nach Schätzung der Ingenieurgesellschaft Taberg mindestens sechs Millionen Euro. Das war auf dem zweiten Sanierungsfachgespräch vor einigen Monaten deutlich geworden.

Die Giftfirma Thomas Weber, Vorsitzender Richter der 6. Zivilkammer, machte gestern bei dem knapp zweistündigen ersten Termin das rechtliche und prozessuale Geflecht des Falls deutlich. Er zeigte auf, dass das Ziel der Klägerin Stadt, alle Schäden, die der Betrieb verursacht hat, durch die vier Beklagten zu ersetzen, nicht so einfach durchsetzbar ist. Naturgemäß bestritten die Vertreter der Beklagten - Dirk Neupert war selbst nicht anwesend - Verstöße gegen umweltrechtliche Bedingungen und weitere Vorwürfe. Und träfen sie wirklich zu, so seien sie der Geschäftsführung nicht zurechenbar, hieß es. Zudem sei das Grundstück auch durch vorherige Nutzer erheblich belastet gewesen.

Strafverfahren läuft

Richter Weber deutete in der Erörterung an, dass die Auffassung, PCB sei gefährlich und deshalb sei der Beklagte zu Schadensersatz verpflichtet , zu kurz gedacht sei. Vor allem der Durchgriff auf die „Mutter“, die Envio AG, könnte sich schwierig gestalten.

Übersicht Die Prozessgegner nahmen einen Vorschlag des Richters letztlich auf. Auch vor dem Hintergrund laufender Verfahren am Verwaltungsgericht und mit Blick auf das Strafverfahren könne die Zivilklage ausgesetzt werden, wenn dies keine Verjährung nach sich ziehe. Das soll nun bei den Parteien besprochen werden. So lange ruht das Verfahren.