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Stadt Dortmund hat Schulaufgaben versäumt

06.12.2010 | 17:38 Uhr
Stadt Dortmund hat Schulaufgaben versäumt
Schon jetzt halten die 93 Dortmunder Grundschulen 2000 überschüssige Plätze vor. Ein weiterer Schülerverlust in gleicher Größenordnung ist heute schon abzusehen. Bislang hat die Verwaltung dem Stadtparlament aber nur die Lohschule (Foto) zur Aufgabe vorgeschlagen. Foto: Horst Müller / WAZ FotoPool

Dortmund.Seit Jahren drängen immer weniger Kinder in die Schulen. Kommt Dortmund nun zu einer planvollen Entwicklung seiner Schullandschaft oder nicht? Die Signale aus der Politik sind zumindest widersprüchlich.

Seit Jahren können immer weniger Kinder in die Schulen drängen; sie werden schlicht nicht mehr geboren.

Im Schuljahr 97 / 98 nahmen die 93 Grundschulen noch 6 313 I-Dötze auf. Sieben Jahre später waren es nur noch 5 663 - 650 oder fast zehn % weniger. Grundschulschließungen in auch nur annähernd ähnlicher Größenordnung gab es bisher nicht. Dabei hält Dortmund schon jetzt 2000 überschüssige Plätze in der Primarstufe vor. Paradox: Zwergschulen punkten mit kleineren Klassen.

Hauptschule bedroht

So überfällig ein Rück- und Umbau der Schullandschaft schon ist - der Rückstand wächst weiter an. Denn bis 2019 dürfte Dortmund noch einmal 5000 Schulkinder verlieren - also knapp neun % gegenüber 2009 (58 100). Die Stärke eines Jahrgangs soll - laut Bildungsbericht von 2007 zum Schuljahr 2015 / 2016 erstmals unter 5 000 fallen.Der Schülermangel kommt vier Jahre nach den Grundschulen auch die weiterführenden Schulen zu. Der Elternwunsch nach einem möglichst hochwertigen Abschluss (Abitur) verurteilt bereits die ersten Hauptschulen zum Sterben.

Wie reagiert die Verwaltung? Ullrich Sierau war kaum (erstmals) zum OB gewählt, da erklärte er die Schulentwicklung zur Chefsache und kündigte im Schulbereich eine konsequente Infrastrukturrevision an. Als erste würden die drei Grundschulen mit der geringsten Auslastung abgewickelt, weitere sollten folgen. Ergebnis: Einzig die Lohschule läuft ab 2011 / 2012 aus.

CDU macht Druck

Druck, das Schulangebot dem sinkenden Bedarf anzupassen, machte fortan vor allem die CDU. In der Etatdebatte im Juli setzte sie - mit der SPD - den Beschluss durch, die Verwaltung möge bis zur Einbringung des Etats 2011 eine umfassende Schulstrukturanalyse vorlegen; die sollte alle Standorte im Hinblick auf die Entwicklung der jeweiligen Schülerzahlen, aber auch auf den Zustand (Unterhaltungsrückstand) der Gebäude abchecken. Bis Mitte 2011 soll daraus ein Schulentwicklungsplan (SEP) - als Basis für alle weiteren Investitionsmaßnahmen - entwickelt und dem Rat vorgelegt werden.

Als eine rot-grüne Mehrheit im November den Rat dazu brachte, dass sich Dortmund bewirbt um die Teilnahme am Modellversuch mit der neuen Gemeinschaftsschule in NRW, winkte auch die CDU-Fraktion ab. Und stellte einmal mehr ihre Forderung nach einem SEP, der auch zwingende Voraussetzung für eine Gemeinschaftsschule ist, zur Abstimmung. Dieses Mal hielten’s die Genossen mit den Grünen: Der Rat lehnte ab

Noch keine Mehrheit

Was die CDU-Fraktion - sie freundet sich allmählich mit großen, synergieträchtigen Schulkomplexen an - nicht davon abhält, ihre SEP-Forderung dem Rat in der Dezembersitzung nochmals aufzutischen Eine Mehrheit dafür hat sie aber noch nicht.

Was vermutlich auch keine Geige spielt. Denn die Verwaltung hat den Schulentwicklungsplan längst in der Mache.

Von Oktober 2008 bis September 2009, so teilte OB Sierau dem Finanzausschuss jetzt mit, hätten Liegenschafts- und Schulverwaltung „umfangreiche Schulbauanalysen“ für jeden Stadtbezirk erstellt. Die Daten würden regelmäßig auf aktuellen Stand gehalten und seien längst Grundlage für Investitionsentscheidungen.

Ämterübergreifende Projektgruppe

Zudem habe man - unter Federführung der Liegenschafter - eine ämterübergreifende Projektgruppe gegründet. Ihr Auftrag ist es, direkte und indirekte Einsparpotenziale zu finden und umzusetzen, die bewirtschafteten Flächen „auf das „unabweisbar notwendige“ Maß zu drücken und damit „wirksame“ Beiträge zur „nachhaltigen“ Entlastung des Haushalts zu liefern.

Im Übrigen kündigte OB Sierau an, dem Rat bis Mitte 2011 einen Schulentwicklungsplan vorzulegen; der könne bereits ab 1. Juli wirksam werden. Das würde erklären, warum alle Genossen in der November-Ratssitzung den CDU-Vorschlag ablehnten - mit einer Ausnahme: OB Sierau.

Rolf Maug

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Kommentare
07.12.2010
09:05
Stadt Dortmund hat Schulaufgaben versäumt
von kai | #2

Das ganze kann örtlich, wie selbst gerade festgestellt habe, aber auch ganz anders sein. Alle drei in meiner Nähe liegenden Grundschulen verzeichnen eine Anmeldung über ihrer Kapazität. Hinzu kommt, dass eine davon nahezu keine, eine andere nur knapp 50% Betreuungsplätze (OGS) bieten kann.
In Dortmund herrscht die Parole Frauen hinter den Herd und kümmert euch um die Kinder. Aufgrund der Wegstrecke können viele Kinder den Weg nicht mehr alleine zurücklegen.
Als ich wegen dieser Probleme meinen Arbeitgeber (Rosa aus Bonn) um eine Verschiebung der Arbeitszeit gebeten haben erhielt ich als Antwort, dass meine Frau ihre Arbeitstelle kündigen soll.
Ein hoch auf das soziale und kinderfreundliche Deutschland.

07.12.2010
08:14
Stadt Dortmund hat Schulaufgaben versäumt
von Fritz Link | #1

Wer jetzt in einem Dortmunder Vorort-Kaff wohnt, dürfte es schwer haben, für sein Kind einen Grundschulplatz in der Nähe zu finden. Das ist wohl der Preis für das preiswerte Wohnen am Stadtrand. Die kleinen Grundschulen sind kaum zu halten.

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