Das aktuelle Wetter Dortmund 7°C
Straßen

Stadt Dortmund erwägt Tempo 10 für Schlagloch-Huckelpisten

11.01.2013 | 10:34 Uhr
Dortmunds Straßen haben viele Schlaglöcher. Der Stadt fehlt das Geld zur Sanierung.

Dortmund.   Viele Straßen in Dortmund sind in schlechtem Zustand. Die Stadt reagiert, jedoch anders, als sich mancher Autofahrer das wünschen würde. Statt den Etat für die Instandhaltung zu erhöhen, denkt die Verwaltung darüber nach, die Geschwindigkeit senken - teilweise auf 10 km/h.

Risse und Wellen in den Fahrbahndecken; Schlaglöcher , die notdürftig oder nur mit erheblicher Verzögerung geflickt werden: Die Stadt spart, und ihre Straßen verfallen zum Ärger der Autofahrer mehr und mehr zu Huckelpisten. Statt den Etat für Instandhaltung und Grundsanierung hochzufahren, denkt man in der Verwaltung darüber nach, die zulässige Geschwindigkeit auf einigen Straßen auf 10 km/h zu drosseln.

„Auf den Hauptstraßen mag es ja noch gehen“, findet Andreas Szymanski, Inhaber der gleichnamigen Fahrschule, „aber im Großen und Ganzen ist der Zustand von Jahr zu Jahr schlechter geworden.“ Die Karl-Marx-Straße ist für den Fahrlehrer nur ein Beispiel von vielen. Sein Kollege Jörg Victor von der Fahrschule Gerlach stellt einen ähnlichen Befund aus. „Vor allem in den Neben- und Wohnstraßen sieht es katastrophal aus.“ Das mache aber nichts, schiebt Victor ironisch nach: „Dann stellt die Stadt eben Tempo 30-Schilder auf, und alles ist wieder gut.“

Ist es natürlich nicht, weiß Dieter Zillmann, Vorstand der Taxi-Genossenschaft. Selbst die Hauptstraßen seien keineswegs alle in Schuss. „Man muss nur über den Hellweg bis nach Wickede fahren.“ Er habe das Gefühl, dass noch nicht einmal alle Schäden aus dem strengen Winter 2010/2011 behoben seien. „Was machen wir erst, wenn doch noch Frost, Eis und Schnee kommen?“

Sorge vor Frost

„Dann wird’s schlimm“, prophezeit Dr. Peter Meintz vom ADAC. Es sei fast gängige Praxis geworden, nur noch notdürftig auszubessern, indem Löcher mit Kaltasphalt gefüllt würden. „Beim nächsten Frost ist der Schaden wieder da.“ Viele Straßen bedürften aber einer Instandsetzung oder müssten inzwischen von Grund auf saniert werden, sagt der ADAC-Sprecher.

Dortmunds Schlaglöcher 2011

Der Stadt will er keinen Vorwurf machen. „Es fehlt an Geld, die Kommunen sind massiv unterfinanziert“, sagt Meintz. Dem Tiefbauamt bescheinigt er „Mangel-Verwaltung auf hohem Niveau.“ Dabei potenzieren sich die Probleme. Jede Reparatur, die hinausgeschoben werde, werde am Ende noch teurer.. „Die Situation dazu, dass das Straßennetz langsam, aber sicher verfällt.“ Seine Forderung: Die Mittel für die Straßenunterhaltung müssten „glatt verdoppelt werden“.

Mangel an Geld

Bei den städtischen Tiefbauern läuft Meintz damit offene Türen ein. Aber selbst die doppelte Summe würde nicht reichen, das rund 1800 Kilometer lange Straßennetz in Top-Zustand zu versetzen. „Wir bräuchten rund 20 Millionen Euro pro Jahr“, rechnet Tiefbauamts-Vize Dr. Christian Falk vor. Tatsächlich stehen mit gerade 8 Mio. Euro nicht mal die Hälfte zur Verfügung - und selbst diese, ohnehin schon gekürzten Mittel, fließen nicht eins zu eins in die Straßenpflege. Auch Gehwege und öffentliche Plätze müssen mit dem wenigen Geld ausgebessert werden.

Auto im Schritttempo

Offen räumt auch Falk ein, „dass unsere Straßen stark verbesserungswürdig sind. Aber uns fehlt einfach das Geld für aufwändige Deckensanierungen und Grunderneuerungen.“ Die 20 Mitarbeiter des Tiefbauamtes können die Risse, Wellen und Schlaglöcher bei ihren drei- und einwöchigen Kontrollen auf Nebenstraßen und Hauptachsen zwar aufnehmen - ob die Schäden alle so schnell wie möglich beseitigt werden, steht in den Sternen.

Zwar konnte die Stadt mit den 13 Mio. Euro aus dem Konjunkturpaket II den ein oder anderen Abschnitt sanieren und Flüsterasphalt auftragen - aber auch das war kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Noch immer sind einige Straßen in solch erbarmungswürdigem Zustand, dass es mit Tempo 30-Schildern bald nicht mehr getan sein wird. „In absehbarer Zeit“ , so Falk, werde die Stadt die Geschwindigkeit auf einigen Neben- und Wohnstraßen auf Tempo 10 herunterfahren müssen, auf doppelte Schrittgeschwindigkeit, um Schäden an Fahrzeugen zu vermeiden. In einigen Städten sei das schon der Fall. „Und wir in Dortmund“, sagt Falk, „steuern direkt darauf zu.“

Gregor Beushausen



Kommentare
06.02.2013
18:13
Stadt Dortmund erwägt Tempo 10 für Schlagloch-Huckelpisten
von firefighter | #37

Wird höchste Zeit, dass der Soli auf Westdeutschland umverteilt wird!
Im Osten ist doch mittlerweile alles in Ordnung. Oder nicht?

22.01.2013
09:07
Stadt Dortmund erwägt Tempo 10 für Schlagloch-Huckelpisten
von EhemaligerMendener | #36

Schon mal überlegt wie man Tempo 10 fahren soll? Selbst im Standgas bin ich schneller. Lass ich dann demnächst meine Kinder aussteigen und schieben, damit ich das Tempolimit nicht überschreite?

12.01.2013
11:28
Stadt Dortmund erwägt Tempo 10 für Schlagloch-Huckelpisten
von ichliebekoenigsblau | #35

#33

wie wäre es wenn diese - n u r - dazu D-weit eingesetzt würde ! ??????????????

Da kämen schon gute Straßen bei raus , oder ?? !!!!!!!!!!!!!!!!!

12.01.2013
11:12
Stadt Dortmund erwägt Tempo 10 für Schlagloch-Huckelpisten
von Danzel | #34

ich verstehe die problematik nicht.

klar sind die straßen schlecht, dies kommt durch die fetten lkw. diese einfach im stadtgebiet nur gegen sonder genehmigung (zwecks anlieferung) und kosten einfahren lassen. dadurch werden die kosten teils wieder eingefahren.
natürlich wirklich krasse schlaglöcher dauerhaft reparieren. ganz ehrlich wenn ich mir an so nem schlagloch nen schaden am auto hohle und dieses schlagloch der stadt bekannt ist weiß ich wer die rechnung von mir bekommt. und naja die 10 km/h schilder machen es nicht besser. felgen kann ich mir auch am bürgersteig kaputt machen und dazu muss ich nicht schnell sein sondern nur blöde treffen.

die tannen finde ich gut. gut für die umwelt und es wird mal wieder grün. am besten vor jedem eingang zu einem der stadtämter mehrere tannen, damit die sich durchwühlen ;-)

12.01.2013
10:10
Stadt Dortmund erwägt Tempo 10 für Schlagloch-Huckelpisten
von dutsche | #33

Wie wäre es, wenn dann die Kfz-Steuer auf 10 % gesenkt wird?

12.01.2013
09:46
Stadt Dortmund erwägt Tempo 10 für Schlagloch-Huckelpisten
von buntspecht2 | #32

Dann dürfte man hier in Witten fast nur noch 10 km/h fahren.

12.01.2013
09:16
Stadt Dortmund erwägt Tempo 10 für Schlagloch-Huckelpisten
von ichliebekoenigsblau | #31

ACH SO

Deshalb
steigt die Zulassung von SUV s und Geländewagen in DO ? !!!!

an #30 ;-) tja im Osten generell sind die Straßen ja nun First-Class !

und wir ( im Westen ) können nun den dortigen alten Zustand nachträglich echt kennen lernen ! ;-))

12.01.2013
08:56
Stadt Dortmund erwägt Tempo 10 für Schlagloch-Huckelpisten
von Schmachtendorfer82 | #30

Das ist doch alles Absicht. So weiß man wenigstens immer, wenn man aus Berlin oder so nach Hause kommt: Aha die Autobahnen werden wieder zweispurig, die Straßen werden wieder schlechter, ich muss wieder im Westen/NRW sein ;-)

12.01.2013
07:30
Während Frau Merkel schon bei der amerikanischen Regierung anfragt....
von DerRheinberger | #29

....wo sie demnächst deutsche Soldaten in einen von uns teuer bezahlten Kriegseinsatz schicken darf, haben klamme Kommunen kein Geld, um die lebenswichtigen Strassen zu sanieren. Jede nicht schnelle Reparatur von Schlaglöchern verschlimmert diese Schäden auf ein Mehrfaches.

Doch wenn es um Anbindungen von Grosskonzernen wie Amazon an die Autobahn (Rheinberg) oder einem nicht benötigten Outletcenter wie in Duisburg geht, sind plötzlich viele Millionen aus dem stätdtischen Haushalt da. Oder um einen wohlverdienten Parteigenossen bei den Wirtschaftsbetrieben zu entsorgen und auf diesen Posten dann einen Parteigenossen zu setzen.

Doch zahlen werden es die Bürger, auch über die Mieten. Auch wenn wir für Autofahren schon ein mehrfaches bezahlen, Herr Ramsauer bastelt mit Hilfe seiner Lobbyisten schon nach KFZ-Steuer und Mineralölsteuer an einer 3. Einnahmequelle, nämlich der Strassenbenutzungsbebühr in Form einer PKW-Maut. Darüber besteht bei allen bürgerlichen Parteien schon Einigkeit!

1 Antwort
Stadt Dortmund erwägt Tempo 10 für Schlagloch-Huckelpisten
von gudelia | #29-1

Vielleicht denkt sich Merkel ja: Besser die Mörder sind woanders und nicht hier.

12.01.2013
06:27
Stadt Dortmund erwägt Tempo 10 für Schlagloch-Huckelpisten
von Bella74 | #28

Das oben gezeigte Schlagloch ist noch harmlos. In der Straße hier gegenüber ist ein Loch, welches mindestens doppelt so tief ist. Da links und rechts eng geparkt wird, kann man kaum ausweichen. Ein unaufmerksamer Fahrradfahrer würde da auf jeden Fall stürzen.

Aus dem Ressort
Unveränderlich: Neue Semesterticket-Preise stehen fest
Diskussion in der Uni
Im Gespräch zwischen Vertretern des Verkehrsbunds Rhein-Ruhr (VRR) und Studenten über die Preiserhöhung des Semestertickets gibt es noch immer keine Einigung. Luis Jos Castrillo, Vorstandsmitglied des VRR, hat mit Studenten der TU und FH diskutiert. Wir waren dabei.
Bundeswehr wirbt auf Jugendmesse "You" – Proteste geplant
Jugendmesse
Bei Deutschlands größter Jugendmesse "You" Ende November wird auf die Bundeswehr offensiv um Nachwuchs werben. Kriegsgegner wollen den Messestand verhindern. Doch vom Prokuristen der Westfalenhallen fühlen sie sich eingeschüchtert. Der Mann soll ihnen mit einem Geheimdienst gedroht haben.
"In Dortmund gewinnt der Billigste"
Bus-Skandal
Nach dem Skandal um nicht angeschnallte Kinder im Bus einer Transportfirma aus Asseln besteht bei den Unternehmen Ärger darüber, dass ein "schwarzes Schaf" die Schlagzeilen bestimmt. TRD-Geschäftsführerin Anja Fischer erklärt, wie es in der Branche aussieht - und wie es zu dem Skandal kommen konnte.
Sieben Tage, sieben Fragen - unser Dortmund-Quiz
Testen Sie Ihr Wissen
Na, haben Sie in den vergangenen sieben Tagen gut aufgepasst? Wir stellen Ihnen sieben Fragen zu sieben Nachrichten aus Dortmund. Machen Sie mit und finden Sie heraus, wie gut Sie informiert sind!
Polizei kontrolliert in der Nordstadt fast 500 Menschen
Schwerpunkteinsatz
Bei einem siebenstündigen Schwerpunkteinsatz hat die Polizei in der Nordstadt rund 500 Menschen und beinahe 119 Fahrzeuge kontrolliert. Ziel sei die Bekämpfung der Straßenkriminalität. Es ist nicht der erste Einsatz dieser Art und auch im nächsten Jahr soll will die Polizei Präsenz zeigen.
Fotos und Videos
Mensch stirbt bei Feuer in Arten
Bildgalerie
Fotostrecke
Neues Wohnen im Denkmal
Bildgalerie
Fotostrecke
Welcher Stand ist der schönste?
Bildgalerie
Fotostrecke
Mini-Sportabzeichen bei DJK Scharnhorst
Bildgalerie
Fotostrecke