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Staatsschutz bietet BVB-Fans Hilfe im Kampf gegen Nazis an

02.11.2012 | 09:00 Uhr
Eine der verbotenen Reichskriegsflagge nachempfundene BVB-Fahne auf der Südtribüne.Foto: Jochen Linz/PiLi

Dortmund.   Zwischen Ultras und der Polizei herrscht Funkstille – selbst wenn Fans Opfer von rechten Gewalttätern werden, melden sie diese Taten nicht der Polizei. Doch der Staatsschutz ist auf Anzeigen angewiesen und sucht die Kommunikation mit den Fans.

Eine kleine Gruppe Neonazis versucht Teile der Fanszene von Borussia Dortmund zu unterwandern . Bei der Ultra-Gruppierung Desperados geben die Rechten bereits den Ton an. Zwischen 30 und 60 ehemalige Mitglieder des inzwischen verbotenen Nationalen Widerstands Dortmund sollen regelmäßig auf der Südtribüne stehen. Auch die Borussenfront wird wieder aktiver, präsentiert ihre Banner stolz bei Auswärtsspielen . Zuletzt wurde nach den Ausschreitungen beim 141. Revierderby der Kreisvorsitzende der Dortmunder NPD verhaftet.

Insider aus der Fanszene sprechen zudem von Übergriffen rechtsradikaler Fans und Straßenkämpfer auf unpolitisch oder linke BVB-Fans. Doch die Gewaltopfer sprechen nicht mit der Polizei , so dass die Beamten nicht aktiv werden können. Wir sprachen mit dem Kommissariatsleiter des Dortmunder Staatsschutzes Georg Steinert über mögliche Strategien, gegen Nazis in der Fanszene vorgehen zu können.

Herr Steinert, was sind die täglichen Aufgaben eines Staatsschützers?

Georg Steinert: Ich bin Kommissariatsleiter des Staatsschutzes. Zu meinem Aufgabenbereich gehört die Verfolgung politisch motivierter Straftaten vom Tragen von Abzeichen verfassungswidriger Organisationen über Heil-Hitler-Rufe bis hin zur Volksverhetzung und rechtsextremistischen Gewalttaten. Unsere Arbeit hat ja in letzter Zeit einige Wellen in Dortmund geschlage n.

Eine Wand mit Aufklebern im ehemaligen „Nazi-Haus“ Rheinische Str. 135 in Dortmund. Am oberen Rand: ein Aufkleber der Ultra-Gruppe Desperados.Foto: Knut Vahlensieck

Gehört der Fußball dann zwangsläufig zu ihrem Aufgabengebiet?

Steinert: Die Borussenfront gibt es seit 30 Jahren , in sofern hat der Fußball immer eine Rolle gespielt. Wir begleiten da natürlich die regelmäßigen Treffen.

Wenn wir über Nazis im Umfeld des BVB sprechen - von wie vielen Personen reden wir dann?

Steinert: Da müssen wir definieren, was gemeint ist. Es gibt bei 80.000 Menschen im Stadion natürlich eine große Anzahl von Leuten, die sich ganz klar politisch rechts verorten. Wenn man aber von einer harten, politischen Szene spricht, die nur ins Stadion geht, um dort zu agitieren, dann ist das vielleicht eine Handvoll.

Wie agiert diese Handvoll, wie sie sagen, „harter Rechter“? Es hieß ja immer, dass etwa der Nationale Widerstand nicht im Stadion agitiere.

Steinert: Ganz genau. Wir haben aber festgestellt, dass seit dem Vereinsverbot (des Nationalen Widerstands Dortmund, Anm. d. Red.) eine offene Agitation stattfindet. Etwa beim Spiel der Zweiten Mannschaft des BVB in Erfurt oder durch das Zeigen des Solidaritätsbanners auf der Südtribüne. Das ist das erste Mal, dass wir festgestellt haben, dass der Fußball als Bühne für offene politische Agitation benutzt wurde.

War das eine direkte Reaktion auf das Vereinsverbot und die Razzia ?

Steinert: Das Vereinsverbot war mit Sicherheit einer der Auslöser. Mit dem Banner („Solidarität mit dem NWDO“, Anm. d. Red. ) wurde ja ausdrücklich Solidarität mit dem Nationalen Widerstand Dortmund demonstriert.

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