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Spurensuche im Verlassenen

17.07.2012 | 07:00 Uhr
Spurensuche im Verlassenen
Dortmunder Lehramtsstudentinnen fotografieren unter dem Titel "Ruhr| ruin porn" Industriebrachen. Das Foto entstand am alten Südbahnhof.

Ruinen haben ihren ganz eigenen Charme – auch wenn es keine romantischen Klöster sind, sondern eine verlassene Tankstelle in Dortmund-Mengede. Zwei Studentinnen der Technischen Universität begaben sich auf Spurensuche durch die Stadt. Nun sind ihre Fotografien an der TU ausgestellt.

Abenteuerliche Spurensuche im Ruhrgebiet – das hört sich eher nach Geocaching an, als nach Kunst. Vielleicht bereitete Sandra Flasche und Carina Ziebarth ihr Fotoprojekt deshalb so viel Spaß. Die 25-jährigen Lehramtsstudentinnen haben leer stehende Gebäude im Ruhrgebiet fotografiert. In Dortmund erkundeten sie unter anderem den alten Südbahnhof, das Gelände Phoenix West in Hörde und eine verwaiste Tankstelle in Mengede durch die Linse. Ihre Entdeckungen sind in der Ausstellung „Ruhr|ruin porn“ im Foyer der Amerikanistik in der Universität zu sehen.

Mysteriöse Motive

Durch das Fotografieren und Entdecken der Gebäude haben sie Spaß an der Spurensuche nach der heimischen Vergangenheit gefunden: „Auf jeden Fall hat das Projekt unser Interesse geweckt! Man fragt sich: ‘Was ist eigentlich mal hier gewesen?’ Die Geschichten dahinter scheinen wirklich spannend zu sein“, zeigen sie sich begeistert. So lassen sie etwa verlassene Gebäude, in denen einfach alles stehen- und liegen gelassen wurde, über Vergangenes nachdenken. „Wir wollen jetzt natürlich auch weiterforschen“, geben sie sich motiviert.

Und die Spurensuche sei auch sehr spannend und abenteuerlich gewesen. Es gab beispielsweise stillgelegte Orte, die bewohnt zu sein schienen. „Es hingen sogar Regale dort“, beschreiben die Fotografinnen das Gesehene. „Manchmal hatten wir auch schon etwas Schiss, weil wir ja nicht wussten, was um die Ecke auf uns wartet“, gibt Sandra zu. Stillgelegte Bahnschienen im Wald oder gruselige Gebäudeüberreste seien tolle und mysteriöse Motive gewesen sein.

Sandra Flasche und Carina Ziebarth

Die Fotografien der beiden schlagen auch einen Bogen ins amerikanische Detroit. Denn ähnliche leer stehende Gebäude lassen sich auch auf der anderen Seite der Welt finden. Die Verbindung zwischen dem Ruhrgebiet und Detroit liegt nahe: Beide haben eine starke industrialisierte Vergangenheit. So dominieren nun die Überbleibsel alter Tage das Landschaftsbild in beiden Gebieten. Und genau das haben die Studenten der Amerikanistik versucht herauszustellen. „Ruhr | ruin porn“ heißt es offiziell. Aber was hat das jetzt auch noch mit Pornografie zu tun?

Projektleiterin Julia Sattler gab bei der Eröffnung Hilfestellung: „Na ja, die Darstellungen sind doch nackt, denn sie offenbaren Dinge, die sonst eher im Versteckten bleiben. Außerdem sind sie sensationell, man kann einfach nicht wegsehen“, sagt sie augenzwinkernd. Los ging’s dann mit einer kurzen Erklärung von Amerikanistik-Professor Walter Grünzweig, der zuerst die Absicht des Projekts noch einmal deutlich machte. Es ginge vor allem darum, dass ein regionaler Bezug hergestellt wird und dieser dann transatlantisch ausgedehnt werden solle. So zeigen Fotografien aus Dortmund und Umgebung die Industrie-Vergangenheit und lehnen an Darstellungen aus Detroit an. Hauptsächlich ging es aber darum, die positive Seite vergangener Industrietage hervorzuheben: etwa die Verbindung von neuem Leben mit der Vergangenheit, von Natur und Industrie. Nach den einleitenden Worten konnten die Werke dann in einer gemeinsamen Dia-Show mit begleitender Musik und später auch an den Wänden betrachtet werden.

Sandra Flasche und Carina Ziebarth sind mit ihrer Ausbeute zufrieden. Trotzdem sind sie ein wenig wehmütig: Es hätte noch viele andere wirklich „coole“ einsame Orte gegeben, die sie gerne näher betrachtet hätten. „Schade, dass einige nicht erreichbar waren“, beschweren sie sich über die Grenzen ihrer Spurensuche. Neben dem Ruhrgebiet interessiert sie aber eines noch mehr: „Natürlich wollen wir jetzt unbedingt mal nach Detroit!“, sagt Carina.

Mareike Fangmann



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