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Spielhallen schießen in Dortmund wie Pilze aus dem Boden

07.01.2013 | 07:00 Uhr
Spielhallen schießen in Dortmund wie Pilze aus dem Boden
Foto: Wemmer

Dortmund.   Fast 5000 Dortmunder sind spielsüchtig. Im vorletzten Jahr haben sie an 2000 Spielautomaten fast 40 Millionen Euro verzockt. Aber die Stadt wird der Flut der einarmigen Banditen nicht Herr – trotz des „Masterplans Vergnügungsstätten“. Neue Glückspiel-Hallen schießen wie Pilze aus dem Boden.

Das Spiel dreht sich vermeintlich ums Glück. Wer ihm verfällt, der hat die Vorsilbe „Un“ kostenlos dazu gewonnen. An die 5000 Dortmunder sind spielsüchtig; allein im vorletzten Jahr haben sie an rund 2000 Spielautomaten in der Stadt fast 40 Millionen Euro verzockt.

Die Branche boomt: Umsatzsteigerungen von fast 500% in den letzten zehn Jahren — 2010 angeblich mehr als fünf Milliarden Euro. Mehr als 56 % davon, schreibt die FAZ, werden in Spielhallen mit Spielsüchtigen erwirtschaftet. Durchschnittlich 1,4 Millionen Euro Umsatz spült eine einzige Spielhalle im Jahr durch die Kasse. Während an diesen Kassen Mitarbeiter stehen, die nicht selten mit unter 7 € Stundenlohn nach Hause geschickt werden – bei zum Teil unanständigen Arbeitsbedingungen.

Die Flut der rollierenden Zufallsgeneratoren, der einarmigen Banditen, einzudämmen – es gelingt der Stadt Dortmund nicht. Trotz des „Masterplans Vergnügungsstätten“, trotz Abstandsregelungen, Beschränkungen von Automatenzahl pro Halle schießen die neuen Spielstätten wie Pilze aus dem Boden.

Mehr Daddelhallen als anderswo

In zehn Monaten nach dem Ruf zur Reglementierung addierten sich allein 25 neue Hallen zu den bis dato 166. 1921 Automaten schlucken Euro. Damit weist Dortmund eine höhere Dichte an Daddelhallen auf, als alle anderen kreisfreien NRW-Städte.

Die Spieler – sie landen, wenn das Glück sie im Stich gelassen hat, im besten Fall bei der Suchtberatung. Fast immer enden sie bei der Schuldnerberatung; oft genug müssen sie die Finger heben. Und meistens sind dann schon Familien an der Sucht zerbrochen.

Die Spielhallen-Mitarbeiter – sie landen im besten Fall bei der Gewerkschaft. Aber auch das eher selten. Manfred Sträter (NGG): „Betriebsräte gibt es kaum.“ Ein bei der Schmidt-Gruppe installierter Betriebsrat hat sich kein Jahr später bereits wieder in Luft aufgelöst. Wer hier arbeitet? Meistens Frauen, 45 und älter, die nach Familienpause oder Scheidung keinen anderen Job finden. Sie gehen mit knappen sieben Euro nach Hause. Nicht schlecht für Ungelernte, baffen die Kritiker und finden: Viel mehr als Kaffeekochen müssen die ja nicht. Wer die Stellenbeschreibungen der Service-Mitarbeiterinnen kennt, angefangen beim Toilettenputzen, weiß, dass das kein Traumjob ist. Nicht mal aufs Klo könne man, sagt eine, die die Arbeit im Glücksgeschäft krank gemacht hat. Weil viele Mitarbeiterinnen aus Kostengründen eine Halle alleine betreuen – was sie obendrein zur Zielscheibe von Raubüberfällen macht.

Den Betreibern ist es übrigens egal, mit welchem Traum vom großen Gewinn sie ihre Kunden ködern. Zurzeit sind Sportwetten en vogue. Neues Spiel, neues Glück ...

Anja Schröder



Kommentare
17.01.2013
22:14
Spielhallen schießen in Dortmund wie Pilze aus dem Boden
von Boomerang73 | #12

also ich bin richtig traurig, geschockt wie wir ARBEITENDEN Mitarbeiter durch ein negatives Beispiel hier dargestellt werden - eine frustrierte "Mitarbeiterin" die anscheinend nie etwas im Leben aus eigener Kraft erreicht hat. Ich arbeite auch in einer der grösseren Firmen und uns geht es gut! Und es entspricht auch nicht der Wahrheit dass nur spielsüchtige das Spiel nutzen - so ein Quatsch. Zu den Zahlen kann ich nichts sagen, aber ich weiss dass die Städte ganz schön viel kassieren davon. Solche Berichte sollten verboten werden. Alles so überzogen und gelogen - unfassbar. Passt schön ins Klischee, nicht wahr? dabei gibt es weitaus wichtigere Probleme. Alle die arbeiten gehen, entscheiden selbst ob die Konditionen für sie ok sind. Es ist schön, dass wir hier Vollzeitstellen bekommen und nicht wie sonst wo 400,- Stellen und den Rest auch noch schwarz, oder oder.
Und - es sind nicht nur arme Frauen hier, die sonst nirgends wo unter kommen, sondern von Studenten bis gut Ausgebildete..

08.01.2013
13:08
Spielhallen schießen in Dortmund wie Pilze aus dem Boden
von hapeme | #11

Die Geldwäsche der organisierten Mafia-Banden spielt hier sicher immer mit.

Ich glaube, dass das jeder nachrechnen kann: Miete, Energiekosten, Anschaffung der Geräte und Personalkosten !

Da reichen die Spielsüchtigen nicht aus!

1 Antwort
Spielhallen schießen in Dortmund wie Pilze aus dem Boden
von ichspielegern | #11-1

Ich weiß nicht, was sie da rechnen, aber Mathe ist offensichtlich nicht ihre Stärke. Es gibt deutschlandweit nicht eine Anklage wegen Geldwäsche. Ich darf Herrn Schönleiter vom Bindeswirtschaftsministerium zitieren: Wer Geld waschen will, sollte lieber ein Chinarestaurant eröffnen. Wer bei einer Steuerbelastung von bis zu 70 % mit einer Spielhalle Geld waschen will, müsste schon ziemlich blöd sein. Aber vielleicht können sie mir ja erklären, wie das geht.

08.01.2013
09:32
Spielhallen schießen wie Pilze aus dem Boden?
von ichspielegern | #10

Es ist unglaublich, unseriöser geht es nun wirklich nicht. Dortmund hatte 1998 143 Spielhallen mit 220 Konzessionen und hat heute 115 Spielhallen mit 181 Konzessionen (Quelle: Landesfachstelle Glückspielsucht) Was also bitte boomt den hier? Die Umsätze der Branche haben auch nicht zugenommen Der Urheber dieses Artikels hat nur die Zahlen manipuliert, indem er (sie) die Umsätze der sogenannten Fungames unterschlagen hat. Diese Geräte wurden im Zuge der neuen Spielverordnung 2005 (zu recht) verboten. Die Zahl 56 % der Gäste in Spielhallen sind spielsüchtig wurden aus einer nicht repräsentativen Umfrage der Uni Bremen entnommen und ist mit "nichts" belegbar. Hat sich Frau Anja Schröder schon mal gefragt, was ihre Friseurin verdient. Fachkraft für Automatenservice, Frau Schröder, ist ein Ausbildungsberuf. Fragen Sie mal bei der IHK nach. Aber wer könnten einen Nutzen haben, eine solche Schmiererei in die Zeitung zu setzen. Etwa die Stadt Dortmund, um die hohe Steuer zu rechtfertigen.?

07.01.2013
16:18
Spielhallen schießen in Dortmund wie Pilze aus dem Boden
von xxyz | #9

Ich kann auch nicht nachvollziehen, was an den Automaten toll sein soll.
Ebenso frage ich mich, wieso es bei den vielen Überfällen auf Spielhallen so selten zur Ermittlung der Täter kommt. Hier müssen dringend höhere Auflagen bzgl. der Sicherheit gemacht werden.

Bei den Sportwetten ist es schon erstaunlich, wie viele Menschen den ganzen Tag vor den Wettbuden abhängen.

Spielhallen boomen insbesondere in den armen Stadtteilen. Sie verschönern sogar die Häuser, mit denen sonst nichts anderes zu machen wäre. Spielhallen in Gewerbegebieten sind total daneben. Riesiger Flächenverbrauch, kaum Arbeitsplätze und viele Spielsüchtige. Das ist eine Entwicklung, wo der Staat dringend eingreifen muss.

Auch sollten die Geldmittel stärker überprüfbar werden, um jeden Verdacht auszuschließen.

07.01.2013
12:52
Spielhallen schießen in Dortmund wie Pilze aus dem Boden
von DaDU | #8

Vielleicht sollten die Städte einfach mal darauf achten, dass die Gesetze und Verordnungen eingehalten würden! Das hilft ungemein, wenn man das Problem wirklich bekämpfen will.
Aber will das wirklich einer? Selbst 5000 Spielsüchtige in Dortmund sind kein Anlass.
5000 Spielsüchtige verspielen 100€ pro Tag, 30 Tage im Monat.
Woher kommt das Geld?

07.01.2013
12:47
Spielhallen schießen in Dortmund wie Pilze aus dem Boden
von Applebeach4Ever | #7

..man sollte mal die "Inhaber" und die "Kunden" mit ihren unauffälligen dicken Daimlern oder BMW´s mal genauer unter die Lupe nehmen..inklusive der Bargeld/Kontobewegungen.... Wenn der Staat / die Stadt da mal "ORDENTLICH" agieren würde, hätten wir garantiert kaum noch Spielhallen/Casinos/Wettbüros ;-)

07.01.2013
12:41
Spielhallen schießen in Dortmund wie Pilze aus dem Boden
von darum | #6

Man siehe Dorstfeld 2 Riesen Spielhallen neuerdings aber Casino genannt ca 400meter auseinander

1 Antwort
Spielhallen schießen in Dortmund wie Pilze aus dem Boden
von mellow | #6-1

Mein Gott. Wie mühsam dieser Satz gewesen sein muss.

07.01.2013
12:12
Ein Irrtum............
von Lobo01 | #5

.wer denkt das es irgend wem daran gelegen sei Spielhallen auszurottten. Das man als Spieler immer der benachteiligte ist bleibt Tatsache. Erst werden von Gevatter Staat die Gewinchancenbeschnitten, angeblich um den Spieler zu schützen. Dann wird Mehrwertsteuer erhoben, nicht auf den Gewinn, sondern auf den eingeworfenen Betrag und zuletzt die Spielgeschwindigkeit erhöht. Die alten Automaten kosteten 30Pfg heute 20cent. Früher war die Quoate um 70% auswurf von einwurf, heute unter 60%. Der grösste Bandit hat zwei Arme und heisst Staat.Wer will nun was gegen Spielhallen unternehmen??

1 Antwort
Spielhallen schießen in Dortmund wie Pilze aus dem Boden
von ichspielegern | #5-1

Blödsinn, die durchschnittliche Auszahlquote liegt bei 80 %.

07.01.2013
11:19
äh,
von Kommentierer | #4

wie wird mein Kommentar auf einmal zu ´ner Antwort bei # 1 ??

07.01.2013
11:02
Böse Zungen ....
von Schlaubaer | #3

... aber auch Fachleute aus dem Bereich organisierte Kriminalität des LKA-NRW behaupten gelegentlich, dass nicht wenige Spielhallen als "Geldwaschanalgen" der organisierten Kriminalität dienen würden, um riesige Geldmengen aus Drogen-, Waffen- und Menschenhandel, Prostitution, Diebstählen. Einbruchsserien, Betrug und Schutzgelderpressung zu "waschen" - mit Hilfe deutscher Finanzbehörden und Kommunen , die reichlich Steuern von den angeblichen Umsätzen der Spielhallen kassieren. Das die "Spielsüchtigen" auch noch ihre Beiträge leisten, ist unbestritten und ein zweiter Skandal!

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