SPD und Linke wollen Drogen in Dortmunds Kliniken ausgeben
13.09.2012 | 10:54 Uhr 2012-09-13T10:54:00+0200
Dortmund. Eine kontrollierte Abgabe der Droge Diamorphin - besser bekannt als Heroin - plant die neue Bezirksvertretung Innenstadt Nord in Dortmund. Durch die Ausgabe des Suchtmittels soll den Dealern der Markt kaputtgemacht werden. Noch ist allerdings offen, an welchen Orten die Drogen verteilt werden.
Die Bezirksvertretung Innenstadt Nord hält sich nicht lange mit Wahlen auf und steigt sofort in die Sachthemen ein. Ein Vorstoß von Rot/Rot: „Wir wollen bei der Bekämpfung der Drogenkriminalität andere Wege gehen und eine kontrollierte Abgabe von Diamorphin“, sagt der Stellvertretende Bezirksbürgermeister Helmut Manz (Die Linke).
Wie Dr. Marita Hetmeier weiter ausführte, sei nicht an die Ausgabe einer Ersatzdroge wie Methadon gedacht. Vielmehr solle unter noch zu bestimmenden Kriterien das originale Suchtmittel an Abhängige ausgegeben werden. Dadurch solle zum einen den Dealern der Markt kaputt gemacht werden. Zum anderen würde die Beschaffungskriminalität wegfallen, hoffen SPD und Linke. Helmut Manz: „Wir wollen beides, Repression und ein alternatives Angebot.“
Ausgabe in Krankenhäusern
Bei der Ausgabe von Diamorphin könne Dortmund auf die Erfahrung von sechs Modellstädten in Deutschland zurückgreifen. Von deren Erfahrungen will die Bezirksvertretung Nord profitieren.
Völlig offen sei noch die Frage, wo entsprechende Angebote zur Ausgabe geschaffen werden können. „Ein mobiler Drogenkonsumraum ist die schlechteste Möglichkeit“, sagte gestern Marita Hetmeier. Sie kann sich vorstellen, dass der Suchtstoff auch in Krankenhäusern kontrolliert ausgegeben wird.
Ein weiteres Thema für die Nordstädter sind die Schrottimmobilien . Da will die Linke den Eigentümern auf die Füße treten. Zum Wahlausgang folgendes Positive: Rechtsextreme bekamen in der Nordstadt kein Bein auf den Boden. Das Negative: Es ist überhaupt nur jeder Sechste zur Wahl gegangen .
Bezirksbürgermeister bleibt aufgrund des guten SPD-Ergebnisses Siegfried Böcker.
12:57
Das ist ja mal eine richtig vernünftige Idee. An der Drogensucht stört uns doch nur die Beschaffungskriminalität und nicht das Leid der Süchtigen. Sonst müssten Alkohol- und Nikotinhandel genauso verfolgt werden, wie das Dealen mit harten Drogen.
Wir nehmen aber Zigtausende von Säuferschicksalen hin.
Heroin kostet, legal hergestellt, nur ein paar Euro pro Kilo. Erst die Kriminalisierung macht es teuer.
Gegen Dealer und Beschaffungskriminaliät wird weltweit gekämpft, mit einem gigantischen Aufwand, vom kleinen Streifenpolizisten bis zum Kampfhubschrauber. Seit Jahrzehnten ohne Erfolg. Weil die Gewinne so gigantisch sind. Die Gewinne aus den Drogengeschäften werden in legalen Unternehmen gewaschen. Dadurch werden große Wirtschaftsbereiche durch Drogenkriminelle unterwandert.
Eine kontrollierte Herstellung und Verteilung würde den ganzen kriminellen Bereich zusammenbrechen lassen.
@Absatz 2 in Ihrem Beitrag:
...und erst die Kriminalisierung führt u.a. durch das Strecken des Suchtmittels zu den massiven Gesundheitsschäden der Süchtigen.
Ich begrüße die Idee trotz großer Distanz zu SPD und der Linken ausdrücklich.
Eine kontrollierte Abgabe durch Ärzte könnte meiner Meinung nach auch den Krankheitscharakter der Drogensucht stärker hervorheben. Vielleicht wirkt das auf potentielle Neukonsumenten abschreckend - zu hoffen wäre es.
Elend haben wir jedenfalls schon genug.
Vollkommene Zustimmung, dem ist nichts weiter hinzuzufügen!
Danke und schönen Gruß,
snafu.
12:02
Mir fehlen die Worte. Offensichtlich sieht die Politik nur noch Lösungen in Saufräumen und Drogenausgaben für die Nordstadt.
Deutlicher kann man nicht demonstrieren, dass hier ein Stadtteil aufgegeben wurde.
Warum eigentlich? Zumindest die Bereiche um den Fredenbaum und am Hafen könnten interessante Innenstadt-Quartiere sein, für die in anderen Städten hohe Mieten erzielt werden könnten. Mit Saufräumen und Drogenausgaben wird das aber nicht gelingen.
Warum soll die Politik auch Lösungen suchen? Die Menschen interessiert ja auch nicht, was passiert (siehe Wahlbeteiligung).
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Es gibt in den nördlichen Stadtteilen durchaus engagierte Menschen, die täglich zur Arbeit gehen. Leider erhalten die meisten Arbeitenden eher geringe Löhne.
Insgesamt nimmt die Armut, Verschuldung und Kriminalität natürlich zu, während gleichzeitig die soziale Kontrolle und das soziale Miteinander abnimmt.
Es ist in vielen Gruppen durchaus angesagt, jede Art von Arbeit zu vermeiden und möglichst viel vom Staat zu bekommen. Warum arbeiten, wenn Geld in ähnlicher Höhe auch überwiesen wird.
Im Süden lässt man sich dann halt die Solaranlage finanzieren etc. Auf die Dauer funktioniert das aber nicht.
11:52
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