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Sparkasse schreibt Info-Brief an toten Weltkriegs-Soldaten

11.01.2016 | 09:39 Uhr
Sparkasse schreibt Info-Brief an toten Weltkriegs-Soldaten
Vor 71 Jahren starb der Dortmunder – und bekommt jetzt Post von der Sparkasse.Foto: Archiv/dpa

Dortmund.  Bald wäre sein 109. Geburtstag – wenn er nicht beim Untergang der "Wilhelm Gustloff" gefallen wäre. Post von der Sparkasse Dortmund bekam er trotzdem.

Die Sparkasse Dortmund schrieb vor wenigen Tagen einen früheren Kunden an, der am 8. Februar 109 Jahre alt würde. Theoretisch. Aber der Mann kehrte nie aus dem Zweiten Weltkrieg zurück. Die Sparkasse schickte ihm einen Informationsbogen zur Einlagensicherung. Der bizarre Fall wirft viele Fragen auf.

Der Dortmunder, so vermutet seine Familie, ist beim bei der Schiffskatastrophe der "Wilhelm Gustloff" vor exakt 71 Jahren in der Ostsee vor Danzig gestorben. Der tote Soldat hinterließ eine Ehefrau und eine kleine Tochter. Seine Witwe ist seit 30 Jahren tot.

Wie viele vergessene Konten und Sparbücher gibt es?

Die Tochter wird im Februar 84 Jahr alt. In einer "historischen Familien-Kiste" fand sie zuhause tatsächlich ein Sparbuch ihres Vaters – vermutlich das, worum es bei dem Sparkassenschreiben geht. Die letzte Geldbewegung (eingetragen per Hand) ist von 1956. Ihre Mutter hatte sich vermutlich um das Buch gekümmert.

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Der seltsame Fall wirft viele Fragen auf. Fragen wie: Wieso tauchte jetzt erst das Konto aus der Versenkung auf? Wohin sind frühere Informationsschreiben gegangen? Schreiben, die Kunden von Geldinstituten über so wichtige Veränderungen wie Euro-Einführung, Zinsabgeltungssteuer oder IBAN-Nummern informierten? Und: Wieviele unentdeckte Konten gibt es? Mit welchen Summen darauf?

Helene Schulte-Bories von der Dortmunder Verbraucherberatung und Sparkassen-Sprecherin Jeannette Bludau erklären die Zusammenhänge so: Konten, die über viele Jahre nicht "bewegt" werden, fallen den Mitarbeitern irgendwann per Zufall auf. In diesem Fall aber erst, als es um die Benachrichtigung über das Einlagensicherungsgesetz ging, die am 3. Juli 2015 in Kraft getreten waren.

200.000 Winzig-Konten mit 4,5 Mio. Euro – allein in Dortmund

Der Marktführer in Dortmund mit fast 390.000 Kunden führt rund 200.000 sogenannte Winzigkonten - eine interne Bezeichnung für Sparkonten, die nur ein geringes Guthaben aufweisen und mindestens fünf Jahre nicht bewegt wurden. Insgesamt weisen diese Winzigkonten ein Guthaben von insgesamt 4,5 Millionen Euro auf.

"Das ist bilanzwirksam", sagt Jeannette Bludau, aber sie relativiert die Summe auch: "Dem gegenüber standen am 31. Dezember 2014 Gesamteinlagen in Höhe von 6,6 Milliarden Euro." Wenn sich weder Sparbuch-Besitzer noch dessen Erben melden, bleibt das Geld im Bestand des Geldinstituts.

Info-Briefe an Verstorbene werden oft verschickt

Es sind viele Info-Briefe herausgeschickt worden an Kunden, die längst verstorben sind. Wieviele, kann Bludau nicht sagen. Das Geldinstitut, das am 14. Januar 175 Jahre alt wird, hält sich nur an seine Adresslisten und betreibt keine Erbensuche.

Wollen Berechtigte an die Einlagen, müssen sie sich selbst melden, ihr Sparbuch vorlegen, als Nachfahre ihre Erbberechtigung nachweisen. Der, der im Besitz des Buches ist, kann auf Auszahlung bestehen. Ein Verlust muss sofort gemeldet werden, damit ein Ersatzdokument ausgestellt werden kann.

Ulrike Böhm-Heffels

Kommentare
11.01.2016
15:23
Sparkasse schreibt Info-Brief an toten Weltkriegs-Soldaten
von Meinemal | #3

Jeder Krieg ist halt ein Geldsegen für Geldinstitute (s.a. Schweizer Banken). Nicht umsonst verkaufe diese gerne Kriegsanleihen! ;-)

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2016-01-11 09:39
Dortmund