Sparkasse schreibt Info-Brief an einen Toten

Die Sparkasse Dortmund schrieb vor wenigen Tagen einen früheren Kunden an, der am 8. Februar 109 Jahre alt würde. Theoretisch. Aber der Mann kehrte nie aus dem Zweiten Weltkrieg zurück. Die Sparkasse schickte ihm einen "Informationsbogen zur Einlagensicherung". Der bizarre Fall wirft viele Fragen auf.

Dortmund.. Bei dem Mann, den die Sparkasse anschrieb, wird vermutet, dass er bei der Schiffskatastrophe mit der "Wilhelm Gustloff" vor exakt 71 Jahren in der Ostsee vor Danzig ums Leben kam. Der tote Soldat hinterließ eine Ehefrau und eine junge Tochter. Seine Witwe ist seit 30 Jahren tot, seine Tochter wird im Februar 84.

Sie fand in einer "historischen Familien-Kiste" daheim dann tatsächlich ein Sparbuch ihres Vaters, bei dem es sich um das fragliche handeln muss. Die letzte Geldbewegung darauf - eingetragen per Hand - rührt aus dem Jahr 1956. Ihre Mutter hatte sich vermutlich um das Buch gekümmert.

Viele Fragen stellen sich

Der seltsame Fall wirft viele Fragen auf. Fragen wie: Wieso tauchte jetzt erst das Konto aus der Versenkung auf? Wohin sind frühere Informationsschreiben gegangen? Schreiben, die Kunden von Geldinstituten über so wichtige Veränderungen wie Euro-Einführung, Zinsabgeltungssteuer oder IBAN-Nummern informierten? Und: Wieviele unentdeckte Konten gibt es? Mit welchen Summen darauf?

Sparkassen-Sprecherin Jeannette Bludau und Helene Schulte-Bories, Leiterin der Verbraucherberatung in Dortmund, erklären die Zusammenhänge so: Konten, die über viele Jahre nicht "bewegt" werden, fallen den Mitarbeitern irgendwann per Zufall auf. In diesem Fall aber erst, als es um die Benachrichtigung über das Einlagensicherungsgesetz und weitere Regelungen (nach EU-Richtlinie) ging, die am 3. Juli 2015 in Kraft getreten waren.

"Winzigkonten"

Der Marktführer in Dortmund mit fast 390.000 Kunden führt rund 200.000 sogenannte Winzigkonten - eine interne Bezeichnung für Sparkonten, die nur ein geringes Guthaben aufweisen und mindestens fünf Jahre nicht bewegt wurden. Insgesamt weisen diese Winzigkonten ein Guthaben von insgesamt 4,5 Millionen Euro auf.

"Das ist bilanzwirksam", sagt Jeannette Bludau, aber sie relativiert die Summe auch: "Dem gegenüber standen am 31. Dezember 2014 Gesamteinlagen in Höhe von 6,6 Milliarden Euro." Wenn sich weder Sparbuch-Besitzer noch dessen Erben melden, bleibt das Geld im Bestand des Geldinstituts.

Adresslisten statt Erbensuche

Es sind viele Info-Briefe herausgeschickt worden an Kunden, die längst verstorben sind. Wieviele, kann Bludau nicht sagen. Das Geldinstitut, das am 14. Januar 175 Jahre alt wird, hält sich nur an seine Adresslisten und betreibt keine Erbensuche.

Wollen Berechtigte an die Einlagen, müssen sie sich selbst melden, ihr Sparbuch vorlegen, als Nachfahre ihre Erbberechtigung nachweisen. Der, der im Besitz des Buches ist, kann auf Auszahlung bestehen. Ein Verlust muss sofort gemeldet werden, damit ein Ersatzdokument ausgestellt werden kann.