Das aktuelle Wetter Dortmund 12°C
BVB-Schalke

So viel Derby-Hass in Dortmund „gab es lange nicht mehr“

21.10.2012 | 17:35 Uhr
So viel Derby-Hass in Dortmund „gab es lange nicht mehr“
Rund um das 141. Revierderby am Samstag im Signal Iduna Park musste die Polizei gegen gewaltbereite Anhänger aus Schalke und Dortmund vorgehen.Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.   11 Verletzte, 180 Ingewahrsamnahmen: Dortmunds Polizei sah beim 141. Revierderby zwischen dem BVB und Schalke „massive Gewalt“ auf beiden Ultra-Seiten. 1200 Beamte und Wasserwerfer waren im Einsatz, Anwohner im Kreuzviertel waren geschockt.

Ein schöner Samstag mit hässlichen Szenen: Anwohner im Kreuzviertel und besonders etliche der 1200 Polizisten mussten beim Revierderby heikle Momente überstehen. Krawallmacher, teils vermummt, aber auch oft mit blau-weißen sowie immer wieder schwarz-gelben Symbolen, suchten an verschiedenen Stellen den Konflikt. Ein Hubschrauber kreiste stundenlang über dem Stadionumfeld. Laut Einsatzleiter Dieter Keil konnte „nur der Einsatz eines Wasserwerfers und von Pfefferspray in der Vorspielphase ein weiteres Eskalieren der Situation verhindern“. Eindrücke vor Ort.

Kreuzviertel

Friedlich ziehen wie üblich Tausende BVB-Fans über die Lindemannstraße zum Stadion. Ein Blick nach links in die Wittekindstraße gegen 13 Uhr verrät: Die Polizei hat reichlich Arbeit, hat hier Schalker Anhänger in einen Hauseingang abgedrängt und hält mit etlichen Beamten sowie Fahrzeugen gewaltbereite Borussen zurück. „So viel Hass gab es lange nicht mehr“, sagt ein Anwohner kopfschüttelnd mit Blick auf umgeworfene Mülltonnen, errichtete Barrikaden und gezündeten Bengalo-Feuern.

Strobelallee

Auf dem Stadionvorplatz greifen (teils vermummte) BVB-Anhänger Polizisten an, auch Schalker - 600 Gewaltbereite kommen für die Polizei überraschend über den Vogelpothsweg - sind bei der Wahl der Gegner nicht wählerisch. Ein paar Meter weiter behandeln Rettungskräfte etliche Gäste-Fans, die von Pfefferspray geröteten Augen haben. Einer verliert die Fassung und kündigt Rache „bei irgendeinem, der hier ‘rumläuft“ an.

Haltepunkt Signal Iduna Park

Am Bahnhof bemüht sich die Polizei per Lautsprecher frühzeitig um Deeskalation. Doch nach Ankunft der Schalker Sonderzüge geht es beim Marsch im Schwimmweg bzw. Turmweg richtig zur Sache, aufgedreht stehen sich verfeindete Anhänger gegenüber, Böller krachen, es wird laut. Durch gegenseitige Provokationen klingen Ausrufe wie „Tod und Hass“ in Richtung Rivalen wie wortwörtliche Schlacht-Rufe.

Bis zum Tennisclub Flora fliegen Gegenstände (teils auf mitgebrachte Regenschirme), ein Wasserwerfer verhindert das Eindrücken eines Metallzaunes, Pflastersteine fliegen in Richtung Polizeipferde. Die Einsatzkräfte geraten zwischen die Fronten, die mit wenigen Beamten und Fahrzeugen an einigen Stellen hier eher schwach geschützt sind. „Dort ist es wirklich sehr heikel“, so Polizeisprecher Michael Stein. Wie übrigens schon im November 2011.

Hauptbahnhof

Hier bleibt es in der Anmarschphase vergleichsweise ruhig. Erst bei der Abreise muss die Bundespolizei - auch in den U-Bahnen - mehrfach eingreifen und Platzverweise aussprechen. Die Nacht vor dem sonnigen Sonntag verläuft dann störungsfrei.

Steffen Gerber



Kommentare
22.10.2012
19:41
So viel Derby-Hass in Dortmund „gab es lange nicht mehr“
von bigmaec3 | #15

Es ist auf den Bildern vollkommen offensichtlich, dass sich bei diesen Schlägertrupps jede Menge Nazis, zB autonome Nationalisten, befanden.
Diese Verquickung zwischen sogenannten Ultras und nazischlägern gehört dringend aufgeklärt !
Hier darf man auf die kritische Presse hoffen, welche sich hoffentlich nicht mit Verneblungsaktionen seitens der Polizei -Jugendsünden von fanatischen Fußballfans..- verwirren lässt.

22.10.2012
18:02
Vereinsfarben sind doch nur Tarnung
von Hanno2 | #14

Auch ich habe den Eindruck, dass das baulich-organisatorische Umfeld des Westfalenstadions ein besonderes Paradies von kriminellen Gewalttätern ist, weil sich die Fanströme friedlicher Fans hier gar nicht trennen lassen. Auch ich musste mit bzw. Hunderten von Dortmundern mitlaufen, in der Hoffnung nicht attackiert zu werden. (Gott sei Dank haben sich 99% als normale Menschen bzw. Fußballfans bewiesen.)
Das ist aber nicht die Ursache der Gewalt, genauso wenig wie "Fehler oder Versäumnisse der Polizei" wirklich dafür verantwortlich gemacht werden können.
Die meisten Gewalttäter aller Seiten dürften mittlerweile namentlich bekannt sein. Offensichtlich haben Polizei, Justiz, Vereine und Fanklubs viel zu wenig unternommen, damit diese Leute nicht mehr in die Nähe eines Stadions kommen, geschweige denn in es hinein. Aufrufe der Vereine bewirken gar nichts, weil diese Leute ganz andere, den Vereinen direkt entgegengesetzte Interessen haben. Vereinfarben sind ihnen nur Tarnung.

22.10.2012
17:21
So viel Derby-Hass in Dortmund „gab es lange nicht mehr“
von knutknutsen | #13

Und wieder wurde weiter an der Gewaltspirale gedreht...
Es gibt schon einen Grund, warum ich seit 2007 nicht mehr zum Derby nach Dortmund fahre.
Die Situation "Sonderzug-Süd" ist unerträglich.

Vielleicht sollte man in Zukunft den Ultras beider Lager solange keine Auswärtskarten mehr zusprechen, bis sie einen Anti-Gewaltkodex akzeptiert haben.
Bin sonst immer gegen Repressionen, aber irgendwann ist auch mal gut.

22.10.2012
16:12
So viel Derby-Hass in Dortmund „gab es lange nicht mehr“
von reichi | #12

Schade, das solche Chaoten den Fußball Kaputt machen.Für uns Fans (ich bin Schalker)ist es unerträglich das diese Asozialen immer mehr dieOberhand gewinnen.Null Toleranz solchen Chaoten egal von welchem Verein.Glück Auf

22.10.2012
12:36
So viel Derby-Hass in Dortmund „gab es lange nicht mehr“
von Panni | #11

Je mehr man über diese sogenannten "Fans" schreibt, dest mehr Zulauf haben diese Chaoten.
Über Randale gar nicht berichten, einfach totschweigen ist die beste Antwort.

1 Antwort
Nicht berichten?
von Stefan2 | #11-1

Ich halte das für keine gute Idee. Die Öffentlichkeit hat doch auch ein Recht, sich über diese schlimmen Erscheinungen in ihren Städten zu informieren, damit sie sich überlegen kann, was man dagegen unternehmen kann.

22.10.2012
09:28
So viel Derby-Hass in Dortmund „gab es lange nicht mehr“
von Klartext09 | #10

Jahrelang war die Rivalität ja geradezu eingeschlafen, da gab es Derbys, wo gar nix passierte und das war gut so. Das Problem, was wir jetzt haben ist, dass in der Gruppe der Halbstarken, den U18-Ultras, die sich meistens nur den Ultragruppen anschließen, weil es cool ist, aber gar nicht wissen, was Ultras überhaupt sind, die Jugendlichen unter 18 sind wieder wesentlich gewaltbereiter und hasserfüllter gegenüber den Blauen als es die Generation war, die jetzt um die 30 ist. Hier müssen die Vereine frühzeitig gegensteuern, dass die Jugendlichen rechtzeitig aussortiert werden und Stadionverbote erhalten. Die Schalker Sonderzüge am Bahnhof Stadion halten zu lassen und wie schon in den letzten Jahren, die Schalker dann direkt am Eingang Südtribüne herzuführen, ist übrigens das Dümmste, was die Polizei machen kann. Das haben wir der Polizei auch bereits mehrmals gesagt, sie lernt aber wohl nicht.

22.10.2012
08:30
So viel Derby-Hass in Dortmund „gab es lange nicht mehr“
von manwie | #9

Fuehrerschein abnehmen

1 Antwort
So viel Derby-Hass in Dortmund „gab es lange nicht mehr“
von Pontifex | #9-1

Interessante Rechtsauffassung!

22.10.2012
02:18
So viel Derby-Hass in Dortmund „gab es lange nicht mehr“
von BVBDauerkarte | #8

Die sogenannten "Hassfans" sind keine Fußballfans von Schalke 04 oder Borussia Dortmund, sondern reine Schlägertrupps die sich bei Großveranstaltungen mit Fernsehen profilieren wollen.

Wie können Medien mit dazu beitragen, dass solche Sachen nicht häufiger passieren?
Im Vorfeld die Fans beider Seiten weniger aufhetzen und wenn Randale passiert, sehr viel weniger, am besten nur am Rande ohne Fotos oder Filme darüber berichten, dann fehlt diesen Leuten die Plattform sich zu projezieren. Diese randalierenden Leute gehören hinter Gitter, sie sind eine Gefahr für die Öffentlichkeit.

Zum Glück waren 99% der Schalke und BVB Fans friedlich im Stadion, diese interessieren sich ja auch für Fußball.

Schalke hat verdient im Signal Iduna Park gewonnen, ich hoffe beim Rückspiel gewinnt wieder der BVB.

Grüße vom Meister und Pokalsieger 2012, Borussia Dortmund.

22.10.2012
02:16
So viel Derby-Hass in Dortmund „gab es lange nicht mehr“
von BVBDauerkarte | #7

[Entfernt von Moderator: Doppelter Post]

21.10.2012
23:14
So viel Derby-Hass in Dortmund „gab es lange nicht mehr“
von boehmann | #6

ABARTIG; dass eine keine Minderheit von Argessiven Vo..- Idi... (Wiki: Laien), ein friedliches Spiel in die ABARTIGKEIT schicken . Waum beherrschen ca.500 Hooligan die gesamte Scene? Das sind etwas über 0,8 %. W A R U M !!!

2 Antworten
So viel Derby-Hass in Dortmund „gab es lange nicht mehr“
von Karl-Napp | #6-1

IRONIE AN
Erinnert mich ein wenig an die Politik :)
Ironie AUS

Die Politik
von Stefan2 | #6-2

Was soll das sein, "die Politik"? Und möchten sie lieber eine Gesellschaft ohne Politik? Wie soll die aussehen?

Aus dem Ressort
Spektakuläre Festnahme in der Nordstadt
Spezialkräfte im Einsatz
Spezialkräfte der Polizei haben am Donnerstagmittag mindestens zwei Personen in der Dortmunder Nordstadt festgenommen. Offenbar handelt es sich um den Teil einer bundesweiten Aktion. Die Ermittler hüllen sich allerdings in Schweigen und verweisen auf eine angekündigte Pressekonferenz.
Schild warnt vor Giftködern — als Abschreckung erlaubt?
Warnung
"Giftköder zur Hundeabwehr ausgelegt!" — dieser Satz steht auf einem Schild in einem Vorgarten in Dortmund-Oestrich. Zur Beruhigung: Dort liegt nicht wirklich Gift. Aber ist eine solche Abschreckung erlaubt? Und was hilft wirklich, damit der Vorgarten nicht zum Hundeklo wird?
Westfalenhalle und FZW bekommen Konkurrenz
Konzerte
Dortmund bekommt einen neuen Partytempel: Die Phoenix-Halle in Hörde wird zur Konzert-Arena mit Disko-Betrieb. Ein privater Investor will das denkmalgeschützte Gebäude umbauen und erweitern. Mit einer Kapazität von bis zu 3600 Plätzen könnte die Phoenix-Halle den Westfalenhallen Konkurrenz machen.
Bürgersteige verhindern Straßensanierung
Lichtendorfer- / Sölder...
An der Stadtgrenze ist Schluss mit der neuen Fahrbahndecke: Während die Verkehrsteilnehmer auf Schwerter Stadtgebiet aufatmen dürfen, müssen die auf Dortmunder Seite weiter mit Tempo 30 über die Lichtendorfer- / Sölder Straße rumpeln. Die Begründung dafür überrascht: Schuld sind die Bürgersteige auf...
Umbau des Dortmunder Hauptbahnhofs startet mit der U-Bahn
Verkehr
Es ist eines der wichtigsten Bauvorhaben in Dortmunds Stadtbahn-Netz: Am Mittwoch hat die Erweiterung der U-Bahnhofs unter dem und am Hauptbahnhof begonnen. 37 Millionen Euro werden in den kommenden fünf Jahren verbaut. Auch der heißersehnte Umbau des Bahnhofs rückt näher.
Fotos und Videos
Im Haus der kleinen Forscher
Bildgalerie
Fotostrecke
Die Zirkusschule des Circus' Antoni
Bildgalerie
Fotostrecke
Ausstellung 'Foto Stories' im Depot
Bildgalerie
Fotostrecke
Bilder aus Sila Sahins Karriere
Bildgalerie
Fotostrecke