So verstehen Sie Ärzte – Dortmunder Patienten-Uni gestartet

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Was wir bereits wissen
Zwölf Seminare und eine Prüfung – dann sind die "Studenten" der Dortmunder Patientenhochschule zertifizierte "mündige Patienten". Aber was bringt das?

Dortmund.. Was will der Arzt mit seinem Fachchinesisch sagen? Woran erkenne ich ein gutes Krankenhaus? Und warum ist Organspende so wichtig? Mit Themen wie diesen will die Patientenhochschule am Klinikum Dortmund Menschen zu mündigen Patienten machen. Das erste "Semester" ist gerade gestartet.

Ärzte und Besserwisser-Patienten – passt das?

Das Projekt richte sich nicht nur an leidgeplagte Patienten, erklärt Klinikumssprecher Marc Raschke. Die Seminare stünden (nach Anmeldung) jedem offen – interessierten Bürgern, Pflegekräften, Ehrenamtlichen, Selbsthilfegruppen. Themen sind etwa Ärztesprache, Blutwerte, Infektionskrankheiten, Gesundheitspolitik, Dr. Google oder Klinik-Qualität. Weitere Bereiche kommen nach und nach dazu.

Aber sehen Ärzte es wirklich so gern, wenn ihre Patienten alles besser wissen? Natürlich nicht, weiß Raschke: "Wir wollen ja keine Besserwisser heranzüchten, sondern mündige Patienten." Ein Patient, der mitdenkt und die Grundlagen kennt, sei Ärzten allemal lieber als einer, der nicht mitarbeitet – und trotzig ein Medikament absetzt, weil er es vermeintlich besser weiß.

Theoretisch müssten zwar auch die Ärzte selbst lernen, auf Augenhöhe mit ihren Patienten zu kommunizieren und sich mehr Zeit zu nehmen, räumt Raschke ein. Allerdings werde der Druck (Kosten, Zeit, Politik) immer höher. "Deshalb wird der Patient zum Manager seiner Krankenakte", bringt es der Kliniksprecher auf den Punkt. Vor allem Menschen, die es mit mehreren Fachärzten zu tun haben, hätten mehr Überblick über ihre Therapien, Medikamente und Krankengeschichte als der einzelne Arzt selbst.

Patienten brauchen kein Zertifikat – aber es hilft

Die "Ausbildung" zum mündigen Patienten beinhaltet Seminare aus drei Bereichen: Politik, Praxis und Medizin. Wer zwölf Seminare besucht hat, kann sich mit einer schriftlichen Prüfung ein Zertifikat verdienen.

Ratgeber Aber das Programm wolle nicht nur wissende Patienten produzieren, so Raschke: Wer das erste Zertifikat geschafft hat, kann mit komplexeren Seminaren sein Grundwissen erweitern. Vor allem aber: "Die Teilnehmer sollen ihr Wissen auch an andere Patienten weitergeben." So sollen aus mündigen Patienten so etwas wie Gesundheits-Tutoren werden.

Kliniksprecher Raschke gibt aber auch zu: "Man braucht natürlich eigentlich kein Zertifikat und auch keine Prüfung – aber für viele ist das ein Anreiz: Das Wissen ist strukturiert. Das hilft weiterzumachen."

Das erste Semester der Dortmunder Patientenhochschule ist zwar schon am 20. Januar gestartet – aber ein Einstieg ist jederzeit möglich. Bisher haben sich 60 "Studenten" angemeldet.

  • Alle Seminare und Prüfungen sind kostenlos.
  • Für das Zertifikat "Mündiger Patient" müssen die Teilnehmer zwölf Seminare besuchen und eine schriftliche Prüfung ablegen.
  • Die Seminare dauern etwa zwei Stunden und finden abends statt. Alle Termine finden Sie hier.
  • Anmeldung online oder per Mail an redaktion@klinikumdo.de.
  • Mehr Infos auf patientenhochschule-dortmund.de oder unter 0231/95321200.