So trauern Dortmunder nach Stadtbahnunfall um das Opfer

Dortmund trauert: An der Kaiserstraße haben Angehörige, Freunde und Fremde für das Opfer des Stadtbahn-Unglücks Blumen, Kerzen und Plakate niedergelegt. Auch in Brackel herrscht Betroffenheit. Der 20-Jährige war am Pfingstsonntag unter eine Stadtbahn geraten und im Krankenhaus an seinen Verletzungen gestorben.

Dortmund.. Nach dem Tod des 20-jährigen Dortmunders, der in der Nacht zum 24. Mai zwischen zwei aneinandergekoppelte Stadtbahn-Züge gestürzt ist, haben Freunde des Opfers an der Ecke Kaiserstraße / Karl-Lücking-Straße eine Trauerstätte errichtet. Dort hatte die Feuerwehr den jungen Mann nach einer 3,3 Kilometer langen Fahrt aus dem Fahrgestell der Bahn befreit. Auch am Unglücksort - der Stadtbahn-Haltestelle Knappschaftskrankenhaus in Brackel - haben Menschen weiße Rosen niedergelegt und Kerzen aufgestellt. Im Krankenhaus ist der 20-Jährige mittlerweile an seinen Verletzungen gestorben.

120 Kerzen und viele Blumen niedergelegt

Am Dienstag standen an der Kreuzung im Kaiserstraßenviertel über 120 Kerzen und vielen Blumen. Auf einer Tafel aus Pappe bringen Freunde ihre Trauer zum Ausdruck. Autos und Straßenbahnen fahren vorbei, Passanten bleiben spontan stehen. Freunde suchen den Trauerort gezielt auf und legen Blumen ab. "Wir vermissen dich", "Wir lieben Dich", "Ruhe in Frieden" und "Du bleibst ewig in unseren Gedanken" steht auf der mit Steinen beschwerten Tafel. Ein Foto zeigt das Gesicht des Verstorbenen. Darunter steht auf einer Kerze geschrieben: "Wir lassen nur die Hand los, nicht den Menschen."

"Schuldzuweisungen müssen jetzt aufhören"

Die Anteilnahme ist groß. Passanten, die sich vorher nicht kannten, liegen sich in den Armen und spenden sich gegenseitig Trost. Eine Fußgängerin, die die Diskussionen im Internet verfolgt, sagt am Vormittag: "Diese unsäglichen Schuldzuweisungen müssen jetzt aufhören. Die machen den Jungen doch nicht wieder lebendig."

So haben wir bisher berichtet:

Der junge Mann war in der Nacht zu Pfingstsonntag an der Haltestelle Knappschaftskrankenhaus aus bisher ungeklärten Gründen unter eine Stadtbahn der Linie U43 geraten und fast sieben Stationen bis zur Kaiserstraße mitgeschleift worden. Dabei verlor er beide Beine und einen Arm.

Nachdem ein Passagier ihn bemerkt und die Notbremse gezogen hatte, wurde er mit seinen lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Wie die Polizei am Montagmittag mitteilte, ist er dort an den Folgen seiner Verletzungen gestorben.

Die Ermittlungen der Polizei laufen noch. Es gebe bisher keine neuen Erkenntnisse zur Unfallursache, sagte Polizeisprecher Kim Freigang. Gegen den Fahrer der Stadtbahn werde nicht ermittelt.

Was wir bislang wissen:

23.55 Uhr: Der 20-Jährige will an der Haltestelle Knappschaftskrankenhaus in die U43 in Richtung Innenstadt einsteigen, aus ungeklärter Ursache gerät er unter die Bahn und wird eingeklemmt. Die Bahn fährt los und schleift das Opfer mit.

00.05 Uhr: Der Kiosk-Besitzer Celal Emliki sieht an der Haltestelle Von-der-Tann-Straße einen Mann unter der anfahrenden Stadtbahn liegen und hört Hilferufe. Er wählt den Polizei-Notruf 110 und meldet seine Beobachtung. 23 Sekunden nach diesem Notruf zieht ein Fahrgast die Notbremse. In Höhe der Kaiserstraße 147 kommt die U43 zum Stehen.

Daraus ergibt sich eine Fahrtzeit von 10 bis 11 Minuten. So lange hat die 62 Meter lange Bahn das Unfallopfer unbemerkt mitgeschleift. Wir haben die mehr als drei Kilometer lange Strecke nachgezeichnet: