So spektakulär wird "Faust I" am Dortmunder Ballett

Eindrücke von der Probe zu "Faust I" im Opernhaus in Dortmund.
Eindrücke von der Probe zu "Faust I" im Opernhaus in Dortmund.
Foto: Stephan Schütze
Was wir bereits wissen
Fragen der Zeit aus einem uralten Stoff: Das Dortmunder Ballett feiert am Samstag die getanzte Uraufführung von "Faust I". Goethes Tragödie um den Gelehrten, der einen Pakt mit dem Teufel eingeht, wird ein rauschendes Fest für die Sinne - nicht nur dank der opulenten Kostüme.

Dortmund.. Beim Ballett Dortmund steht mit Goethes Faust I ein Klassiker auf dem Programm. Es greift zu kurz, bei Faust nur an Goethe zu denken. 19 Vorfassungen gibt es, 19 verschiedene Konzepte. "Für Xin Peng Wang war es eine Herzensangelegenheit, sich diesem Mythos zu widmen", sagt Dr. Christian Baier, Dramaturg des Dortmunder Ballets. Vor dem Hintergrund des anderen Kulturkreises, aus dem der gebürtige Chinese Wang kommt, findet er dies besonders spannend.

Ballettdirektor Wang war sehr berührt von der Geschichte, die er sofort als eine heutige von uns begriff: "Es ist die Geschichte von der Welt, von jetzt", sagt Dortmunds berühmter Choreograf. Und Baier, der Mann fürs Bühnen-Drehbuch, erklärt, diese Sage beschäftige uns seit 500 Jahren, entstanden zwischen Mittelalter und Neuzeit: "Zu jener Zeit also, in der sich das Weltbild komplett verändert hat".

Parallelen zur heutigen Zeit

Im damaligen Kampf zwischen altem Aberglauben und einer rationellen Welt mit immer neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen sehen Wang und Baier Parallelen zu heute. Durch die ständige Reizüberflutung gebe es aber nun wieder eine Hinwendung zum Konservativen. Diese These führt Dramaturg Baier zur Urfrage der Tragödie Faust: "Mit jedem Wissen, das wir erwerben, müssen wir uns fragen, was wir mit dem Wissen machen und was es mit uns macht."

Die Geschichte vom verzweifelten Wissenschaftler, der sich dem Teufel verschreibt, und die daraus erwachsende Tragödie des verführten, dann ins Unglück gestürzten Mädchens Gretchen, wird vom Ballett in 100 Minuten vertanzt. Das erfordert Mut zur Reduktion, das braucht starke Bilder, eine ergreifende Körpersprache und intensive Musik. "Einen Faust zu erfassen, ist schwierig", sagt auch der Ballettmanager Tobias Ehinger. Nach eineinhalb Jahren sei man soweit, das man sich selbst eine Interpretation als literarische Vorlage für die Umsetzung auf die Bühne geschaffen habe.

Hauptakteure in schlichter Ästhetik

Visuell war Christian Baier schneller. Für den Prolog im Himmel sah er sofort ein virtuelles Schachbrett vor Augen, das sich in einem Riesenspiegel unter der Theaterdecke widerspiegelt. Frank Fellmann schafft das Bühnenbild, Carlo Cerri das Lichtdesign und der Dortmunder Dirk Matschuk das Videodesign. Vor der Phalanx göttlicher Gestalten, gehüllt in Brokat, Seide, Spitzen und Perlenzier, tauchen die Hauptakteure in schlichter Ästhetik auf. Ein Gretchen im duftigen, cremefarbenen Organzakleid, unterlegt aber mit goldenem Gitterwerk.

Die textilen Wunderwerke hat der bekannte Kostümbildners Bernd Skodzig geschaffen: an die 50 Kostüme, davon acht in textiler Üppigkeit für die göttlichen Wesen, dazu Kopfbedeckungen, Masken, Perücken, alles gefertigt in monatelanger penibler Handarbeit von 45 Mitarbeiterinnen der Gewandabteilung des Theaters. Darunter 30 Schneiderinnen. Immer an der Seite von Bernd Skodzig - seine Assistentin Viola Lindenau.

Kostüme kosten 80.000 Euro

Wenn am Samstag (13. Februar) um 19.30 Uhr das Opernhaus die Uraufführung dieser uralten Menschheitsparabel in opernhafter Ausstattung erlebt, werden 80.000 Euro vernäht sein. 60.000 Euro davon brachten zwei Förderer auf, allen voran die Ballettfreunde, außerdem Christian und Sunhild Sutter.

Wer im Faust Parallelen zu heute zieht, wählt Zeitgenössisches für die Ohren. Werke des Polen Henryk Mikolaj Grecki bilden den roten Faden, Musik von Michael Daugherty, Bryce Dressner, Igor Wakhevitch ist dabei, sogar von Super Flu und Rammstein. Rammsteins "Ich will" klingt in der Szene zur Walpurgisnacht. Eine Farb-, Form-, Feinheiten- und Figurenorgie fürs Auge.