So organisieren BVB-Fans den Sonderzug zum DFB-Pokalfinale

BVB-Fans im Sonderzug zum Pokalfinale nach Berlin.
BVB-Fans im Sonderzug zum Pokalfinale nach Berlin.
Foto: Stefan Reinke
Was wir bereits wissen
"Berlin! Berlin! Wir fahren nach Berlin!", jubelten die BVB-Fans nach dem Sieg in München. Aber wie? Die BVB-Fanabteilung organisiert einen Sonderzug.

Dortmund.. Kaum hatte Manuel Neuer den vierten Bayern-Elfmeter verschossen, da bekam Tobias Westerfellhaus eine SMS: "Ich mache dann mal den Zug klar". Der Chef des Zuganbieters Euroexpress hatte sich gemeldet und die Sonderzugbuchung für die Fahrt zum Pokalfinale in Berlin bestätigt.

"Normalerweise müssen wir einen Sonderzug nach dem Viertelfinale planen", erklärt Westerfellhaus, der schon seit Jahren Züge für die BVB-Fanabteilung organisiert. Inzwischen sei der BVB bei Euroexpress allerdings eine Art Premiumkunde: "Die reservieren uns schon von sich aus einen Zug." 15 Waggons umfasst der Sonderzug - die in Deutschland zulässige Höchstlänge. 40.000 bis 45.000 Euro kostet er, abhängig von Länge und Dauer der Reise.

Versicherung, Catering, Tickets drucken

Doch auch ohne die Zugbuchung haben die Organisatoren bei der Fanabteilung genug zu tun. Schon vor dem Halbfinale mussten sie mit dem BVB klären, ob die Fanabteilung ein eigenes Kartenkontingent für das Finale bekommt. Anschließend werden Aufgaben verteilt: Wer gestaltet die Zugtickets, wann müssen sie gedruckt werden? Welcher Anbieter soll das Catering übernehmen? Wie wird die Fahrt versichert? Der Dienstleister, der den Zug zur Verfügung stellt, muss mit der Deutschen Bahn klären, wann der Zug rollen kann. "Die Bahn hat es nicht gern, wenn man ein zu enges Zeitfenster angibt", erklärt Westerfellhaus. Die Fans auf der anderen Seite wollen möglichst früh in Berlin sein, um noch in der Stadt feiern zu können. Und für den Rückweg muss ein etwaiges Elfmeterschießen ebenso berücksichtigt werden wie die Lust der Fans einen Pokalsieg vor der Abfahrt des Zuges noch ein wenig zu feiern.

Die kniffligste Arbeit wartet, wenn die 900 - nur für BVB-Mitglieder - zur Verfügung stehenden Zug- und Finaltickets unter den Bewerbern verlost worden sind. Dann müssen die Fans auf die Sechser-Abteile verteilt werden. "Das ist wie Tetris", sagt Westerfellhaus. "Einige Fans haben sich als Dreiergruppe angemeldet, andere als Vierer, manche fahren alleine", erklärt der 27-Jährige. Aus diesen Konstellationen müssen dann volle Abteile gebastelt werden.

"Ziehen der Notbremse ist kein Kavaliersdelikt"

Wenn diese organisatorischen Fragen allesamt geklärt sind, kann der Sonderzug auf die Reise gehen. Dann lauern noch weitere Unwägbarkeiten, allen voran Fans, die sich einen Spaß daraus machen, die Notbremse zu ziehen. Ein Thema, bei dem Westerfellhaus ganz ernst und deutlich wird: "Das ist richtig kacke!" Wenn jemand die Notbremse ziehe, sei das "kein Kavaliersdelikt". Unter Umständen behindere ein auf der Strecke stehender Zug große Teile des Fernverkehrs. Und je nachdem wie groß die Abstände zwischen den Zügen auf einem Gleis seien, könne ein nachfolgender Zug auch auf den stehenden Sonderzug auffahren.

DFB-Pokal Im Sonderzug zum Pokalfinale 2014 wurde insgesamt sechs Mal die Notbremse gezogen. Auf der Rückfahrt häuften sich fünf Stunden Verspätung an. "In Minden mussten wir zweieinhalb Stunden auf die Polizei warten", erinnert sich Westerfellhaus. Doch Notbremsungen kosten nicht nur Zeit, sondern auch Geld. "Mit der Notbremse wird ein Sand-Kies-Gemisch auf die Reifen gestreut", erklärt Westerfellhaus. Durch die Reibung nutze das Material ab - die Räder werden unrund, wodurch die Achsen beschädigt werden können. "Das kostet dann 25.000 Euro pro Achse", klagt der Organisator. Nach der letztjährigen Fahrt habe die Fanabteilung in drei Fällen die Verursacher ermittelt und komplett haftbar gemacht. In diesem Jahr wird auf den Tickets ein entsprechender Passus stehen, in dem ausdrücklich auf die Folgen und Kosten einer Notbremsung aufmerksam gemacht wird.

Kaum noch Probleme mit Vandalismus

Um den Vandalismus im Zug einzudämmen, hat die Fanabteilung ein eigenes Ordner-Team aufgestellt und nun auch zertifizieren lassen. Diese ehrenamtlichen Helfer regeln etwa den Zutritt zum beliebten, aber stets überfüllten Sambawagen oder schreiten ein, wenn sich Fans daneben benehmen und randalieren. Das komme jedoch kaum noch vor, so Westerfellhaus. Anders als noch beim ersten Sonderzug, den er für die Fanabteilung organisiert hatte: 2008 zum Spiel in Udine. Der Zug war 24 Stunden auf der Strecke. Am Ende waren Schäden in Höhe von 18.000 Euro entstanden: "Die Versicherung, die wir damals hatten, nimmt uns nicht mehr". Seitdem habe sich aber vieles verbessert, auch wenn immer noch Schmierereien, Aufkleber und ganz vereinzelt kaputte Scheiben zu beklagen seien.