So nimmt der Zoll Shisha-Cafés ins Visier

Der Hype um die Shisha-Cafés beschäftigt auch den Zoll.
Der Hype um die Shisha-Cafés beschäftigt auch den Zoll.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Sie schießen wie Pilze aus dem Boden. Macht ein Shisha-Café dicht, öffnet an der nächsten Straßenecke wieder eins. „Diesen Hype beobachten wir seit etwa drei Jahren“, erklärt Norman Wiesemeyer vom Hauptzollamt Dortmund. Der Zoll hat die Cafés, in denen Wasserpfeifen geraucht werden, seit einiger Zeit fest im Visier.

Dortmund.. Der Zoll hat Cafés, in denen Wasserpfeifen geraucht werden, im Visier. Der dort gerauchte Tabak muss versteuert werden, Verstöße seien aber an der Tagesordnung, so der Zollinspektor. Denn: „Wenn sich die Betreiber der Shisha-Cafés gesetzeskonform verhalten, dann können sie mit den Wasserpfeifen allein nicht überleben“, betont er. Ein Überleben sei nur mit Gesetzesverstößen möglich.

Norman Wiesemeyer und seine Kollegen kennen mittlerweile die Betreiber der rund 20 Shisha-Cafés in der Nordstadt persönlich. Diese müssen im Vorfeld lediglich ein Gewerbe anmelden und schon kann’s losgehen. Meist haben die Betreiber libanesische, türkische oder syrische Wurzeln. „Sie sind hier geboren worden“, weiß der Zollinspektor. Kontrolliert wird zu jeder Tages- und Nachtzeit. Allerdings: Maximal vier Mal im Jahr erhält jedes Café unangemeldeten Besuch. Zu mehr reicht die Zeit nicht.

„Wir haben alles im Griff."

Man achte und respektiere sich gegenseitig, so Wiesemeyer. Das sei in den Kulturkreisen, aus denen die Betreiber kommen, auch wichtig. Deshalb sei es bislang bei den Kontrollen zu keinerlei Problemen oder Übergriffen auf die Kontrolleure gekommen. Wenngleich die Kontrollen die Café-Besitzer in der Regel teuer zu stehen kommen. Denn durch Beschlagnahme des nicht verzollten oder verbotenerweise gestreckten Tabaks sowie der Strafen kommen schnell 1000 bis 2000 Euro oder mehr zusammen.

„Tagsüber reichen zwei Beamte aus“, beschreibt Wiesemeyer. „Abends und nachts kommen wir zu Viert oder Fünft in Uniform, um auch den Besuchern gleich deutlich zu machen: Hier geht nichts, wir haben alles im Griff.“

Da das Hauptzollamt Dortmund nicht nur für die Stadt Dortmund zuständig ist, sondern für einen Bereich von Bottrop bis Wilnsdorf im Siegerland „ist es schwer, den notwendigen Kontrolldruck zu halten“. Doch habe man einen Teil des Sumpfes trockengelegt, sorgten die Kontrollen trotzdem für Verunsicherung in der Szene. Die lässt sich immer mehr einfallen, um den Tabak gut zu verstecken. „Oder sie haben meist nur noch geringere Mengen im Lokal, da sie wissen, wir beschlagnahmen den Tabak“, erklärt Norman Wiesemeyer.“ Und: Die Geldstrafen richten sich nach der Höhe des sichergestellten Tabaks. Dabei hat der Zoll nicht nur die Café-Betreiber im Visier, sondern auch die verschiedenen Großhändler. Auch die werden regelmäßig kontrolliert.

Austausch in Internetforen

Die Konsumenten tauschten sich in den verschiedensten Internetforen aus, bewerteten die einzelnen Cafés. Und so ist Wiesemeyer mit seinen Kollegen auch in den Foren unterwegs, um sich über neue Cafés oder Betreiberwechsel zu informieren. Die Zöllner sind mittlerweile zu Experten in Sachen Shisha geworden, wissen, dass etwa „Doppelapfel“ der angesagteste Tabak ist, der in erster Linie aus Ägypten oder Jordanien stammt.

Der Tabak, der in der Regel in 200 Gramm Packungen von den Cafés gekauft wird, muss versteuert sein. Die Packungen weisen, wie Zigarettenschachteln Steuerzeichen auf. Und der Tabak darf – wie bei Zigaretten – nicht einzeln verkauft werden. „Zudem strecken viele Betreiber den Tabak mit Melasse oder Glycerin, feuchten ihn so nach.“ Das sei illegal. Dadurch werde die Menge an Tabak erhöht, die dann nicht mehr versteuert ist. Zudem habe das Strecken auch gesundheitliche Folgen. Deshalb sei für Glycerin vom Gesetzgeber ein Grenzwert von 5 Prozent festgelegt.

Die Szene zittert vorm Rauchverbot

Doch weise gestreckter Tabak auch bis zu 40 Prozent an Glycerin auf. Und das Verbrennen dieses Tabaks fördere krebserregende Stoffe zu Tage, wenngleich bei den Konsumenten solcher Tabak gerne geraucht werde, da er nicht mehr so streng oder kratzig ist. Im Durchschnitt kosten 200 Gramm Tabak rund 14,50 Euro. Pro Pfeife, in die etwa 20 Gramm kommen, müsse der Kunde in den Cafés zwischen fünf und neun Euro berappen.

Nun zittere die Szene vor dem neuen Nichtraucherschutzgesetz. Denn viele Betreiber hätten auch Speisen und Getränke im Angebot. „Kommt die Verschärfung des Nichtraucherschutzgesetzes wäre das der Tod für diese Shishacafés“, ist sich der Zollinspektor sicher.