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FZW-Konzert

Singende Föhnwelle Dieter Thomas Kuhn führt Schlager im FZW Dortmund ein

26.01.2012 | 15:56 Uhr
Singende Föhnwelle Dieter Thomas Kuhn führt Schlager im FZW Dortmund ein
Sänger Dieter Thomas Kuhn führte am Mittwoch den Schlager im FZW Dortmund ein. Fotos: Michael Printz/photozeppelin.com

Dortmund.   Verkehrte Welt im Dortmunder FZW: Wo sonst Rock und Pop dominieren, machten sich am Mittwochabend Plateauschuhe und Schlaghosen breit. Grund: Die singende Föhnwelle war zu Gast. Dieter Thomas Kuhn brachte mit seinen Schlagerversionen das erstaunlich junge Publikum in Partystimmung.

Der Herr an der Theke ist leger gekleidet, Pullover und Jeans. So kann man an einem Mittwoch durchaus zum Konzert gehen. Doch an diesem Abend im Freizeitzentrum West (FZW) wirkt er irgendwie fehl am Platze – umringt von Menschen mit falschen Koteletten, markanten Brillen oder Blumen im Haar. Er sei nicht so der Sonnenbrillentyp, sagt der Mann. Es klingt wie eine Entschuldigung.

Verkehrte Welt im FZW: Plateauschuhe, Hosen mit Schlag und Glitzerwesten waren am Mittwochabend nicht geduldete Kleidungsstücke, sondern der einzig korrekte und von zahlreichen Gästen freudig befolgte Dresscode. Schließlich hatte er geladen: Dieter Thomas Kuhn, die singende Föhnwelle. Der Gralshüter des deutschen Schlagers.

Vor zwei Jahren war er zuletzt in Dortmund. Oder waren es drei? So genau weiß der Künstler es selbst nicht mehr. Aber Zeit spielt im Kuhn’schen Kosmos ohnehin eine zu vernachlässigende Rolle. Kuhns Zeit, das sind und bleiben die 1970er Jahre. Manchmal vielleicht noch die 50er oder die 60er, aber im Kern beschwört der 47-Jährige die goldene Zeit der „Hitparade im ZDF“ herauf. Die Zeit der grell-bunten Anzüge, als Lieder noch eine Brücke waren, eine neue Liebe gleich ein neues Leben bedeutete. Und Geborgenheit einzig in „Der kleinen Kneipe in unserer Straße“ zu finden war. Kuhn bringt die alten Gassenhauer mit neuem Schwung – eine „Hitparade im Eff – Zett - Wee“. So hätte ihn Namensvetter Heck vermutlich anmoderiert.

„Michaela“ trifft „Anita“

Die Gegenwart, sie wird weitestgehend ausgeblendet. Nur eine kleine Anspielung auf das „Dschungelcamp“. Weil da doch gerade Micaela sitzt. Es folgt, na klar, Bata Illic. Und wo „Michaela“ ist, da ist Cordalis’ „Anita“ nicht weit. Natürlich fliegt Kuhn im Samba-Stil „Über den Wolken“, um dann, wo wir doch gerade beim Thema sind, zu bitten: „Tanze Samba mit mir“. Routiniert rollt der Schlagerexpress dahin. Die Songs, die Gesten, die Bewegungen – alles sitzt so perfekt wie das obligatorische Brusthaar. Das Schlager-Paralleluniversum von Dieter Thomas Kuhn & Band bietet behagliche Verlässlichkeit.

Die singende Föhnwelle übertrug seinen Spaß auf das erstaunlich junge FZW-Publikum. Foto: Michael Printz/photozeppelin.com

Große Überraschungen bleiben aus. Aber wer will die auch schon bei einer Retro-Show? Das – zum Teil erstaunlich junge – Publikum im FZW nicht. Es ist mindestens genauso gut vorbereitet wie der Star. Wunderkerzen, Blumen oder andere Mitbringsel für den Interpreten, Seifenblasen – das volle Programm. „Seid Ihr denn auch textsicher?“, fragt ein Mann seine Nachbarinnen vor der Bühne. Was für eine Frage! „Ja, sicher“, geben die Damen fast beleidigt zurück.

„Hossa“ im vertrauten Terrain

Nur einmal bricht Kuhn für einen Moment aus der Welt des „Hossa! Hossa!“ aus, kündigt „als Experiment“ einen Unplugged-Block an. Spätestens jetzt zeigt sich, dass sich hinter der Maskerade aus überdimensional großen Kragen und Glitzer echte Musiker verbergen. Fast verschämt streut der Barde sogar einen Song aus seiner kurzen Nicht-Schlagerrevival-Zeit ein. Das Lied kommt an, Euphorie bleibt allerdings aus. Also macht Kuhn an diesem Abend das, was er in seiner Karriere längst getan hat: Schnurstracks und schnörkellos kehrt er zurück auf vertrautes Terrain.

„Willst Du mit mir gehn?“, fragt er, selbstverständlich in musikalischer Form, das Publikum. Auch: „Fremde oder Freunde?“ Es sind rhetorische Fragen. Für seine Fans ist er längst ein guter Kumpel – der Dieter, der Thomas, der Kuhn.

Stephan Lamprecht



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