Sierau und Bollermann „hätten Envio-Gelände längst saniert“
28.11.2011 | 22:03 Uhr 2011-11-28T22:03:00+0100
Dortmund. „Wenn es nach uns ginge, wäre das Envio-Gelände längst PCB-saniert.“ Das erklärten am gestrigen Montag unisono Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann und Oberbürgermeister Ullrich Sierau.
Zur langatmigen Sanierung des PCB-verseuchten Geländes der Dortmunder Skandalfirma Envio meldeten sich nun Arnsbergs Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann und Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau zu Wort. Das Amtsgericht müsse dringend in dem Insolvenz-Verfahren der Envio Recycling entscheiden. Erst dann gebe es Gewissheit, hieß es gestern bei der Unterzeichnung der Vertragsverlängerung um ein Jahr mit Erwin Pfänder als Ombudsmann für die PCB-Opfer.
Zum Stand der Dinge informierte Dr. Gerd Bollermann : „Die Bezirksregierung hat die Sanierung des Geländes am 29. Juni angeordnet." Daraufhin habe Envio eine französische Firma als möglichen PCB -Sanierer benannt.
„Wir prüfen dieses Angebot gerade intensiv“, so Bollermann. Parallel werde aber auch eine europaweite Ausschreibung weiter vorangetrieben. Zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens erklärte der RP: „Uns wäre wohler, wir hätten bereits einen Termin oder die Gewissheit eines starken Insolvenzverwalters.“
Das Amtsgericht müsse „bald“ entscheiden, macht er Druck. Und der OB ergänzt: „Es kann doch keinem mehr vermittelt werden, dass dort noch nicht längst saniert worden ist.“
30 Verfahren bei Gerichten anhängig
Envio werfe den Behörden Knüppel zwischen die Beine, wo immer es gehe. „Jede Anordnung der Bezirksregierung wird beklagt.“ Es seien mittlerweile 30 Verfahren in Sachen Envio bei Amtsgericht, Landgericht und Verwaltungsgericht anhängig.
Ombudsmann Erwin Pfänder wertet dies als Teil einer „Verzögerungstaktik“ seitens Envio . Aus einem Verfahren berichtete Pfänder, es sei ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen, mit welcher Dreistigkeit die Firma den PCB-Opfern vorwerfe, sie hätten doch gewusst, mit welch’ gefährlichen Stoffen sie hantierten.
Dieser Ombudsmann soll nach dem Willen von Stadt und Bezirksregierung weitermachen. Er genieße das Vertrauen der Betroffenen. Viel besser als eine Behörde, könne er auf die Sorgen und Nöte der Betroffenen eingehen. Pfänder verhandelt die Interessen der über 20 Leute gegenüber Ämtern und Krankenkassen, Ärzten und Arge, Berufsgenossenschaften und Polizei. Und schlichtet letztlich sogar bei familiären Krisen, die nicht zuletzt durch die belastende Situation entstanden sind.
Die Krebsgefahr und die Ängste stellen eine erste Belastung dar, so Pfänder. OB Sierau pflichtete bei: „Es ist noch ein weiter Weg.“ Es sei noch nicht absehbar, welche Spätfolgen das PCB für die Betroffenen habe, ergänzte Pfänder.
Beratungsstelle für Betroffene gefordert
Er fordert die Einrichtung einer unabhängigen Beratungsstelle für die Betroffenen. Außerdem solle die Landesregierung einen Härtefallfonds für die In Not geratenen Betroffenen auflegen.
In einem Milliarden-Etat müsse ein Posten von 100.000 Euro noch möglich sein, meinte Pfänder.
07:24
... na gut, dann drückte den beiden ne Schaufel in die Hand, steckt sie in Schutzanzüge und stellt nen Container auf. Oder meint die Überschrift, sie hätten das Gelände längst sanieren LASSEN?
15:25
Wenn da was dran ist, würde ich eher auf "Sonstige" als auf ABB tippen. Noch Anfang der Achtziger wurden PCB z.B. bei der Ruhrkohle als "Wundermittel" gepriesen, das berichten jedenfalls Zeitzeugen.
14:32
Wurden Altlasten von BBC ABB oder sonstige auf den Kokereien Hansa und Kaiserstuhl der Kohle beigemischt? Die BR müsste es wissen. Dieses währe dann der nächste Skandal. AR
04:01
Es ist übrigens ein peinliches Armutszeugnis seitens Sieraus, wenn er jetzt in alle vefügbaren Kameras und Mikros trällert, es sei für die Ängste der Opfer noch "ein weiter Weg" (was peinlicherweise mit seinem früheren Standardspruch korreliert, man sei in Dortmund immer und überall "auf einem gutem Weg").
Seine Leiterin des Dortmunder Gesundheitsamtes, Frau Dr. Düsterhaus, hat vor einem Jahr in seltener Einigkeit mit sog. "Experten" eines eilig einberufenen Runden Tisches die Langzeit-Gefährlichkeit von PCB-Vorkommen im Blutplasma der Opfer leichtfertig und unter Missachtung aller wissenschafltlichen Regeln mit selbstgebastelten, unlogisch höheren Toleranz-Werten runtergestuft und somit erst die Voraussetzung dafür geschaffen, dass sich die Opfer nun nur unter großen Schwierigkeiten vor Gericht ihre Abfindungen erstreiten können - wenn überhaupt.
Als ehemaliger Umwelt-Dezernent und heutiger Verantwortlicher solcher verräterischen Handlungen seitens seiner Untergebenen sollte Sierau seine populistischen Auftritte nun eigentlich genauer überdenken. Aber was er früher schon nicht als berufliche Disziplin verinnerlichte, scheint ihm als OB heute noch mehr egal zu sein.
22:48
...stellt sich ganz einfach nur die Frage, warum die Stadt nicht schon in 2007/2008 saniert hatte, als ABB die Gelände-Erbpacht plus schon verseuchte Gebäude an sie bzw. die Dortmunder Hafen AG zurückgab und *bevor* der Rat an Neupert weiter verpachtete.
Bei solch dummen, öffentlichen Äußerungen wird es einem Neupert und seinen Anwälten ein Leichtes sein, die Schuldfrage in Pachtverhältnissen ganz einfach umzudrehen. Und die Stadt wird sich noch umgucken, welche Sanierungskosten bislang noch gar nicht erfasst wurden.
Und ein Herr Pfänder sollte sich fragen, warum es "nur" 20 Leute sind, die ihm vertrauen, und ob seine Aussagen gegenüber dem WDR über fehlende Qualifikationen der Envio-Arbeiter das Vertrauen der restlichen Opfer rechtfertigen könnte.
Die schon mal hier gestellte Frage, warum er entgegen der vollmundigen Versprechungen der BG ETEM nun auf einmal mit fast *allen* BGen reden muss, scheint für die WR uninteressant zu sein, obwohl das dolle Multimedia-Special etwas völlig anderes aussagt.
22:33
Sie hätten etwas tun können. Stadt und Bezirksregierung haben über Jahre nichts entdeckt, obwohl der Fall so offensichtlich war.
Die Aussage ist ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen. Die Bevölkerung erwartet einen starken Staat, wenn es um den Schutz der Gesundheit von Arbeitnehmern geht.
Dass sich führende lokale Vertreter des Staates jetzt als Handelnde, die aber gehindert werden, hinstellen, ist eine traurige Fortsetzung des PCB-Falls.
Wenn man im Computer geschaut hätte, hätte man bemerken können, dass dort mit gefährlichen Stoffen hantiert wird. Wenn man die hohen PCB-Werte im Kleingarten neben dem Verwertungsbetrieb aktiv untersucht hätte, hätte man natürlich darauf kommen können, dass der fast direkt neben der Anlage liegende Verwertungsbetrieb der Verursacher ist.
Leider hätte man nur handeln können, man tat es nicht. Genau das ist jetzt auch der Fall.