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Sierau: Mieten auf Goldmeile könnten sinken

19.03.2008 | 21:24 Uhr

Die Vorlage zum Aufstellungsbeschluss für das ECE-Projekt auf der Thier-Brache für die Ratssitzung am 29. April hat OB Langemeyer unterschrieben. Nach Ostern geht sie an die Ratsmitglieder. Am 31. ...

... März will der Projektentwickler ECE seine Pläne den SPD- und Grünen-Fraktionen vorstellen, um im Vorfeld Akzeptanz für die "Stadtgalerie" zu erzeugen. ECE wolle sich - wie auch an allen anderen Projektstandorten - dauerhaft in Dortmund engagieren, so ECE-Geschäftsführer Gerhard Dunstheimer. Rund 800 Parkplätze in oberen Etagen gehörten zum Baukonzept. Optismistisch, dass der "maßgeschneiderte Branchen- und Mieter-Mix" von ECE auch von den kommunalen Akteuren in Wirtschaft und Politik akzeptiert werde, zeigte sich gestern Jörg Wege, ECE-Projektleiter für Dortmund. Unterm markanten Glasdach im Innerbereich der Thier-Galerie werde es Kulturveranstaltungen geben - man könne sich vorstellen auch mit dem Theater Dortmund zu kooperieren. Offen auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten soll die Galeriewelt für Kultur und Gastronomie bleiben.

Planungsdezernent Ullrich Sierau geht davon aus, dass die Stadt insgesamt durch die neue Stadtgalerie gestärkt werde - mit Blick auf Essen, wo ECE gerade ein attraktives Einkaufszentrum fertigstellte. Und Sierau hofft auf eine weitere Wirkung: Die Mieten auf der Goldmeile, dem Westen- und Ostenhellweg, die von vielen heimischen Fachhändlern nicht mehr gezahlt werden können, könnten sinken, wenn ECE mit dem neuen Flächenangebot am Markt sei. Das sei positiv.

Ungeklärt bleibt derweil die Akzeptanz der ECE-Pläne bei den Grünen. Deren Fraktionsvorsitzender Mario Krüger machte gegenüber der WAZ erneut klar: Vor allem die Frage, ob die neue Einkaufswelt der City nutzt oder schadet müsse in Ruhe und Sachlichkeit noch geprüft werden. (bu)

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Kommentare
01.04.2008
13:04
Sierau: Mieten auf Goldmeile könnten sinken
von Bianca Prielipp, Johannes Lührs u.a. | #1

Lasst uns weiterwohnen und leben!

Stellungnahme der Hausprojektbewohner in der Silberstr. 36 zu den Neubebauungsplänen des ECE

Dortmund verliert sein Gesicht

Einige Dortmunder haben es wahrscheinlich bereits mitbekommen, die alte Thierbrauerei, mitsamt ihrer Wohnhäuser wird abgerissen, um einem neuen Einkaufszentrum Platz zu machen.
Frei nach dem Motto: wenn einem so wirklich gar nichts einfällt, dann ist ein Einkaufszentrum immer eine großartige Idee.
Nun möchten wir die Frage stellen, braucht Dortmund das?
Betrachtet man die Infrastruktur Dortmunds tauchen bereits erste logistische Probleme auf.
Bei dem Versuch mit dem PKW in die Dortmunder Innenstadt rein oder wieder raus zu kommen, findet man sich mit vielen Mitleidenden in einem endlosen stop & go wieder. Hat man es dann geschafft sich dem Zentrum zu nähern, steht man schon vor dem nächsten Problem: der Parkplatz. Nach mehreren Extra- Runden hat man vielleicht auch das irgendwann gemeistert.
Vom ökologischen Standpunkt aus betrachtet ist eine Steigerung dieser Situation untragbar und Dortmunds Versuche dem Feinstaub mit verschärften Rauchergesetzen entgegen zu wirken, bekommen dabei einen lächerlichen Beigeschmack.
Nach diesen Überlegungen mag man fast vermuten, dass hinter anderen Einkaufszentren, wie zum Beispiel dem im Gewerbegebiet errichteten Centro O, mit direkter Autobahnanbindung und Parkplatzanlagen, die das Mehrfache der Thierbrauerei übersteigen, ein durchdachtes Konzept steckt.
Zudem stellen wir uns noch die Frage, wer denn eigentlich noch zum Einkaufen kommen soll?
Aus den umliegenden Städten wie Unna und Witten kommen die meisten Menschen bereits nach Dortmund um fleißig zu konsumieren und durch ein Millionen- Projekt, das auch der Steuerzahler mittragen wird, werden bei den Dortmundern eher Bedürfnisse als Kaufkräfte geweckt.
Bei diesen ganzen Überlegungen möchten wir auch nicht die Situation der Einzelhändler der Innenstadt vergessen, diese haben es ohnehin schon scher genug sich bei den hohen Ladenmieten langfristig zu halten und weichen bereits jetzt schon den großen internationalen Einkaufsketten.
Möchten wir also ernsthaft eine Innenstadt ohne Vielfalt für einen neuen Konsumtempel???
Was braucht Dortmund denn wirklich??

Dortmund braucht sein Gesicht zurück!

Mit der Kommerzialisierung der Brückstraße hat unsere Stadt bereits an Kultur verloren, wir mochten Dortmund wieder sein Gesicht geben und dafür braucht Dortmund uns.
Wer wir sind?
Wir sind die Silberstraße 36, ein angegliedertes Wohnhaus der alten Thierbrauerei.
Wir sind die Evil Flames, die mit ihren Feuershows schon einige Veranstaltungen erhellt haben, wir sind Künstler, die mit ihren Ausstellungen die Stadt bunter machen, wir sind Musiker, die Dortmunds Nächte mitgestalten und wir sind Sozialarbeiter, die sich sozial und politisch für ein gerechtes Dortmund engagieren. Zu alledem sind wir einfach 13 Menschen, die gemeinsam in einem selbst finanzierten Projekt ein alternatives Stadtleben erproben, das sich fern von Großstadtanonymitäten und Intoleranzen bewegt.
Unsere Meinung ist, dass Dortmund mehr kulturelle und soziale Zentren, mehr Raum für Austausch und Politik benötigt aber mit Sicherheit keiner weiteren Schönheits- OP auf dem Weg zum Einheitsgesicht bedarf.

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