Sierau hält die Hand über Schnitzel
14.01.2010 | 08:00 Uhr 2010-01-14T08:00:00+0100
Dortmund. Auch wenn die fetten Jahre für die Stadt vorbei sind: Dortmunds OB Ullrich Sierau lässt seinen Mitarbeitern ihr Schnitzel. Die verbindliche Einführung eines fleischfreien Tages in der Verwaltung, wie sie die Tierrechtsorganisation PETA vorschlägt, lehnt er ab.
Einmal pro Woche sollten Tiere vom Teller, meint PETA und erinnert den OB an eine Vereinbarung. Beim EU-Bürgermeisterkonvent 2009 hatte sich Dortmund – als eine von bundesweit 25 Klimastädten – verpflichtet, die von der EU bis 2020 angestrebte Verringerung der CO2-Emissionen um 20 Prozent noch zu übertreffen. Wie das gehen soll? „Am einfachsten mit einem offiziellen vegetarischen, noch besser veganen, Wochentag”, sagt Anja Hägele, Kampagnenleiterin von PETA.
Tierwirtschaft fördert Treibhausgase
Der Zusammenhang zwischen Schnitzel „natur” und Mutter Natur ist erwiesen. Laut einer neuen Studie des WorldWatch-Instituts ist die Tierwirtschaft für 51 Prozent der menschlich verursachten Treibhausgase verantwortlich. Die Aufzucht von Tieren für die Fleischindustrie verschlingt enorme Mengen an Land, Lebensmitteln, Energie und Wasser. Die Nebenprodukte der Tierwirtschaft verschmutzen Luft und Wasser. Vegetarier und Veganer, die Tierprodukte meiden, gelten als wirkungsvolle Umweltschützer.
Vor diesem Hintergrund müsse Dortmund „gerade als Klimastadt mit gutem Beispiel vorangehen”, fordert Hägele. „Ullrich Sierau muss handeln”, sagt die PETA-Sprecherin und bietet Hilfe an: Rezepte und „Veggie Starter Kits”.
Doch Sierau schmeckt eine vorgesetzte Mahlzeit nicht. Über sein Agenda-Büro lässt er abwinken. Dem OB sei gesunde Ernährung zwar „persönlich sehr wichtig”. Im städtischen Betriebsrestaurant gebe es „eine abwechslungsreiche Salatbar und mindestens einmal pro Woche vegetarische Angebote”. Ein Heer von Zwangsvegetariern ist nicht nach Sieraus Gusto. Das „widerspräche nicht nur seinem Selbstverständnis als oberster Dienstherr, es erwiese sich vermutlich auch als kontraproduktiv”, so Christoph Löchle vom Agenda-Büro.
Vorbildliche Klimastadt Gent
So folgt die Klima-City Dortmund nicht dem Vorbild der belgischen Stadt Gent. Die führte im Mai 2009 einen fleischfreien Wochentag ein, an dem alle Beamten und gewählten politischen Vertreter nur vegetarische Mahlzeiten zu sich nehmen. Gent strickte daraus eine Image-Kampagne – mit vegetarischem Stadtplan, entsprechenden Kochkursen und Info-Broschüren für die Bevölkerung.
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In Deutschland verursacht die Fleischproduktion jährlich das Leiden von mehr als 450 Millionen Tieren und bringt sowohl Menschen wie auch die Umwelt in Gefahr. Ohne Fleisch lebt man länger und gesünder ! Vegetarier erleiden seltener Herzinfarkte als Fleischesser und haben im Vergleich ein um 40% geringeres Darmkrebsrisiko. Der übermäßige Fett- und Proteingehalt des Fleisches steht auch mit anderen Krebsarten sowie mit Fettsucht und Schlaganfall in Zusammenhang.