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Tatort Dortmund

Sextäter schlug zwei Mal in Dortmund zu

28.01.2012 | 12:00 Uhr
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Das Phantombild wurde nach der Tat vom Januar 2010 angefertigt.Foto: LKA NRW

Dortmund.   Bei so vielen auffälligen Merkmalen waren sich Dortmunds Fahnder sicher: „Den Verdächtigen haben wir bald.“ Doch liefen alle Spuren ins Leere. Aufgrund seiner DNA und zweier fast identischer Phantombilder weiß die Kripo nun, dass der Unbekannte für zwei versuchte Vergewaltigungen verantwortlich ist.

Er ist etwa 25 Jahre alt, 1,70 m groß, hat blondes Haar, ein westeuropäisches Aussehen. Er spricht akzentfrei Deutsch, fährt einen älteren roten Kleinwagen, dessen Lack auffällig verblichen ist. Er besitzt einen kleinen Mischlingshund und ist ein starker Raucher. Bei so vielen auffälligen Merkmalen waren sich die Fahnder sicher: „Den Verdächtigen haben wir bald. Das ist nur eine Frage der Zeit.“ Doch liefen alle vielversprechenden Spuren ins Leere. Aufgrund seiner DNA und zweier fast identischer Phantombildern weiß die Kripo nun: „Der Unbekannte ist verantwortlich für zwei versuchte Vergewaltigungen“, sagt Kriminalhauptkommissar Jörg Riße vom „KK 12“.

Am 22. Oktober 2009 die erste Tat in einem Studentenwohnheim an der Grotenbachstraße. Eine 21-jährige Studentin kommt gegen 17.30 Uhr nach Hause. Sie geht zum Briefkasten. In diesem Moment wird sie von hinten an den Haaren zu Boden gerissen. Der Täter kniet sich auf sie, fordert sie auf, still zu sein. „Aufgrund der heftigen Gegenwehr der jungen Frau, die ihn auch massiv im Gesicht gekratzt hat, flüchtet der Täter “, berichtet Jörg Riße. Als sie völlig fertig auf der Treppe sitzt, fällt ihr auf, dass vor der Tür eine Zigarettenkippe glimmt. Für die Polizei später eine wichtige Spur. Die Zigarettenkippe wird sichergestellt und untersucht. Doch in der Datenbank findet sich kein Treffer. Die 21-jährige Frau ist schwer traumatisiert, sie muss aus dem Studentenwohnheim ausziehen.

Am 20. Januar 2010 dann der nächste Überfall. Diesmal ist eine 17-Jährige das Opfer. Der Tatort: Menglinghauser Straße / Ecke Hegemanns Heide. Die junge Frau wartet gegen 21.25 Uhr an der dortigen Haltestelle auf den Bus. Wie sie später angibt, fällt ihr ein schnell vorbeifahrender Wagen auf, der plötzlich stark abbremst und in die Straße Hegemanns Heide einbiegt. Wenig später kommt ein Unbekannter auf sie zu, fragt, ob sie für 100 Euro mit ihm Sex haben wolle. Als sie Nein sagt, erhöht er sein Angebot.

Verblüffende Wende nach einem Übergriff

Die 17-Jährige weist ihn entrüstet ab, da zerrt er sie hinter das Haltestellenhäuschen in ein Gebüsch, das tiefer liegt als die Straße. Genau wie im ersten Fall die gleiche Vorgehensweise: Der Täter kniet sich auf die Arme seines Opfers, fordert sie auf, still zu sein. Auch hier wehrt sich die junge Frau vehement, beißt dem Täter, der ihr den Mund zuhält, in den Daumen. Ungewöhnlich die Reaktion des Täters: Er beißt der Frau in den Arm. Als der Bus vorbeifährt, sagt sie: „Mit dem Bus hätte ich nach Hause fahren wollen...“. Daraufhin eine verblüffende Wende. Der Täter bietet ihr an, sie nach Hause zu fahren. Geistesgegenwärtig und zum Schein geht die junge Frau darauf ein. Als sie gemeinsam zu seinem Auto gehen, entdeckt die Dortmunderin auf dem Beifahrersitz einen kleinen Mischlingshund. In dem Moment, in dem sich der Unbekannte in den Wagen beugt und nicht auf sie aufpasst, gelingt ihr die Flucht.

„Das sind so markante Merkmale und doch haben wir trotz intensiver Anstrengungen den Täter noch nicht gefasst“, so Jörg Riße. Weder durch das auffällige Auto noch den kleinen Hund habe man den Täter finden können. Aber aufgrund der bei beiden Taten gesicherten DNA-Spuren gelang der Kripo ein sogenannter „Spur-Spur-Treffer“. Die DNA-Muster sind gleich. „Doch schon aufgrund der sich ähnelnden Phantombilder waren wir uns sicher, dass es sich um denselben Täter handeln muss“, erklärte der Hauptkommissar. Zum Glück habe man nach den beiden Taten keine Zuordnung der DNA-Spur zu einem weiteren Verbrechen gehabt.

Es sei nicht immer ganz einfach in diesen Bereichen zu ermitteln, so Riße. Oft seien die Opfer stark traumatisiert. „Dann kommt es darauf an, sie erst einmal aufzufangen, damit sie überhaupt aussagen können. Denn wir müssen Fragen stellen, die in die intimsten Bereiche der Frauen eindringen“, führt Riße an. Das sei emotional auch für die Beamten belastend, selbst wenn man versuche, professionelle Distanz zu wahren. Für die Beweisführung im Gericht könnten aber später auch kleinste Details von großer Bedeutung sein.

Täter stammt meist aus persönlichem Umfeld

Man sei keine moralische Instanz, vor der die Frauen sich rechtfertigen müssen. „Uns geht es lediglich darum, Daten und Fakten zu sammeln, um den Täter zu ermit-teln und zu überführen“, betont Riße. Und das sei manchmal schwierig. Nicht immer spräche die objektive Spurenlage eine eindeutige Sprache. „Dann sind wir auf detaillierte Aussagen der Opfer und von Personen aus dem Umfeld der Opfer angewiesen.“ In vielen Fällen sei früher die Vorratsdatenspeicherung, die jetzt rechtlich nicht mehr möglich ist, hilfreich gewesen. „In diesen beiden Fällen bin ich mir sicher, dass wir sie mit den Telekommunikationsdaten des Unbekannten schon geklärt hätten.“

Überwiegend stamme der Täter allerdings aus dem Umfeld oder dem Freundeskreis des Opfers. „Wir haben es dann mit einem schwierigen Beziehungsgeflecht zu tun. Die klassische überfallartige Tat gehört zum Glück zu den Ausnahmen“, sagt Jörg Riße. Oft handelt es sich sogar um den Partner der Frau oder um den Ex-Partner, der „nur noch ein Treffen zur letzten Aussprache haben wollte“. Typischerweise stehe dann Aussage gegen Aussage. „Dann ist die kritische Distanz zu beiden Tatbeteiligten das A und O“ betont Riße. „Wir sind ja verpflichtet, auch die entlastenden Beweise zusammenzutragen, damit später niemand zu Unrecht vor Gericht gestellt wird. Der Richter wird uns fragen, ob wir alle Aussagen gleichermaßen kritisch überprüft haben.“ Für manche Opfer ist das schwierig zu ertragen, weiß Riße. „Aber es ist nötig. Niemand muss deshalb Angst haben, dass wir ihn oder sie nicht ernst nehmen. Am Ende können wir die Zeugin im Gerichtsaal so am besten unterstützen. Und wenn ein Fehlurteil vermieden wird, so ist auch das am Ende ein Erfolg.“

  • Hinweise an die Polizei bitte unter Telefon 0231- 132 - 7999.
Blaulicht-Report 2011

 

Andreas Winkelsträter

Kommentare
28.01.2012
19:21
lecker Phantombild
von Bierwurst | #3

huch das bin ja ich...

2 Antworten
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #3-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Sextäter schlug zwei Mal in Dortmund zu
von Trollo_44 | #3-2

Was für ein erbärmlicher Kommentar. Auch 2 Jahre noch danach.

28.01.2012
13:32
Sextäter schlug zwei Mal in Dortmund zu
von SusanneStreek | #2

Übrigens, behauptet die Polizei das man auch die Morde an 9 Migranten und einer Polizisten bei einer Vorratsdatenspeicherung schneller aufklären könnte.
Der erste Mord geschah vor 12 Jahren der letzte vor 4 Jahren. Was hätte es gebracht wenn man die Daten der letzten 6 Monate gespeichert hätte.Nichts.

Man nutzt nur die schrecklichen Morde um Stimmung für die Vorrratsdatenspeicherung zu machen.

28.01.2012
13:17
Sextäter schlug zwei Mal in Dortmund zu
von SusanneStreek | #1

Sicherlich liesse sich der Täter, wenn er bei der Tat ein Handy bei der Tat dabei gehabt hätte bei einer Vorratsdatenspeicherung schneller ermitteln. Nur sind dann alle die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem bestimten Gebiet, in einem Umkreis von 5 KM erst einmal verdächtigt Vergewaltiger zu sein. Wenn man dann bei jedem Verbrechen in Deutschland die Handydaten abfragt wird wohl fast jeder Bürger einmal im Jahr ein Verdächtiger sein.

Bei der Abnahme von DNA hiess es am Anfang, das diese nur bei Verdächtigen abgenommen wird die eines schweren Verbrechens verdächtigt werden. Inzwischen nimt man schon Ladendieben DNA Analysen ab.

Oder es haben sich Männer freiwillig zu einer DNA Analyse gemeldet. Die gesammelten Daten sollen nach Aufklärung eines Falls gelöscht werden.

Bei einem der ein Jahr später eines Verbrechens überführt wurde, hatte man angeblich "vergesssen" die Daten zu löschen.

Oder Personalausweise und Gesiundheitskarte. Es werden immer mehr Daten gesammelt. Das hat man jeweils am Anfang auch ausgeschlossen.

Und irgendwann wird man wenn jemand ein Zaun umfährt und flüchtet die Vorratdatenspeicherung nutzen um den Täter zu finden.

Immer mehr Ämter führen eine Kontoabfrage durch.

Am besten wäre es doch man installiert in jeder Wohnung, auf allen Strassen, Feldwegen, Wäldern einfach überall Kameras, dann kann man Verbrechen schnell aufklären.

Wer nichts zu verbergen hat kann sich schliesslich auch überall filmen lasen.

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