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Seniorenstudium

Senioren an der Uni - Lernen nach dem Arbeitsleben

01.11.2012 | 11:00 Uhr
Senioren an der Uni - Lernen nach dem Arbeitsleben
Ursula Vogel und Volker Reinhardt haben ein Seniorenstudium absolviert.Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.  50 bis 65 Seniorenstudenten sind jedes Jahr an der Dortmunder Hochschule eingeschrieben. Das Seniorenstudium dauert fünf Semester und ist nach Angaben der Teilnehmer "durchaus arbeitsaufwändig". Dafür gibt es am Ende aber auch ein Zertifikat - und einen gewaltigen Batzen Wissen dazu.

Mittagspause in der Mensa. Danach mit Freunden zusammen lernen. Abends zusammensitzen und quatschen. Das Studentenleben kann so schön sein. Für viele ein Traum, der sich nie erfüllt hat. Oder ein Ort, an den sie wieder zurückkehren möchten. Ursula Vogel und Volker Reinhardt wollten beide dasselbe – zurück an die Uni. Die pensionierte Lehrerin und der Ingenieur in der passiven Phase der Altersteilzeit wollten wieder etwas lernen.

Ursula Vogel schied mit 50 Jahren krankheitsbedingt aus dem Berufsleben aus. „Für mich war klar, dass ich eine sinnvolle Beschäftigung haben möchte“, erzählt die heute 55-Jährige. Bevor es zu spät sei und sie sich womöglich nicht mehr aufraffen könnte. Sie suchte sich ein Ehrenamt. Hilft seitdem im Kontaktklub in Brünninghausen mit, einem Treffpunkt für psychisch Kranke, der von Ehrenamtlichen getragen wird. „Wenn ich so ein Ehrenamt ausführe, möchte ich mich aber auch kompetent fühlen“, sagte sie sich. Und schrieb sich 2008 für das Seniorenstudium ein.

Nicht nur ein Ziel im Blick haben

Fünf Semester dauert das Studium. Etwa 50 bis 65 Studenten sind jedes Jahr eingeschrieben. Es gibt ein spezielles Vorlesungsverzeichnis und ein Ziel. „Die Studenten qualifizieren sich für ein ehrenamtliches Engagement“, erklärt Geschäftsführerin Eva Gösken. Rund 90 Prozent der Studierenden engagieren sich im Anschluss an die Unizeit ehrenamtlich. Mindestens 25 Veranstaltungen sollten besucht werden und ein Praktikum ist inklusive. Am Ende schreiben die Studierenden eine Abschlussarbeit. Dann bekommen sie ein Zertifikat. „Es ist durchaus ein arbeitsaufwendiges Studium“, sagt Gösken. „Aber genau das macht auch Spaß“, versichert Ursula Vogel. Selbst die Abschlussarbeit sei für sie eine schöne Aufgabe gewesen. „Weil mir das Thema wichtig war und ich es mir selbst aussuchen konnte“, sagt Vogel.

Doch nicht nur ein Ziel im Blick zu haben, auch die Gemeinschaft der Studierenden ist das besondere an dem Studiengang. Und der Unterschied dazu, als Gasthörer eingeschrieben zu sein und völlig frei, aber auch alleine Seminare und Vorlesungen zu besuchen.

Freundschaften geschlossen

„Ich habe heute noch guten Kontakt zu einigen Kommilitonen“, erzählt Vogel, die seit 2011 das Studium beendet hat, aber noch in der Studienberatung tätig ist. Sich zusammen durch schwierige Themen kämpfen, über die Zukunft und das Leben Gedanken zu machen – das schweißt zusammen. „Man lernt sich viel tiefergehend kennen und schließt Freundschaften“, sagt Vogel.

Davon ist auch Volker Reinhardt überzeugt, der noch mitten im Studium steckt. Der 60-Jährige zog nach dem Ende seines Berufslebens von Heidelberg zu seiner Lebensgefährtin nach Dortmund. „Durch den Umzug brachen meine ganzen sozialen Kontakte weg.“ Jetzt trifft er sich jede Woche mit seinen Studienkollegen zum Kolloquium – und anschließenden Stammtisch. „Erst wird gearbeitet, dann gequatscht“, sagt er lachend. Der Experte für Reaktortechnik büffelt nun Gerontologie, Psychologie und Soziologie. „Noch habe ich gar keine Zeit für ein Ehrenamt“, gesteht Reinhardt, der sich stattdessen in der Studienberatung einbringt. Doch am Ende des Studiums habe auf jeden Fall geplant, sich freiwillig zu engagieren. „Mit dem Studium im Rücken kann ich mich aktiv einsetzen und vielleicht eigene Projekte starten, statt nur mitzulaufen“, ist Volker Reinhardt überzeugt.

Christina Römer


Kommentare
03.11.2012
22:04
Senioren an der Uni - Lernen nach dem Arbeitsleben
von Broncezeit | #3

Ist ja hervorragend, daß die welche von den Jugeen ernährt werden denen die Ausbildungsplätze blockieren.

02.11.2012
11:33
Senioren an der Uni - Lernen nach dem Arbeitsleben
von Catman55 | #2

Sie plädieren doch hoffentlich nicht für ein "sozialverträgliches Frühableben" ?

1 Antwort
Unsin(nt)flut
von wohlzufrieden | #2-1

Nein, ich wollte nach der ganzen Berichterstattung über die Unwetter in den USA nur auf die Rentnerschwämme aufmerksam machen...Schönes Wochenende!

02.11.2012
08:57
Ab in die Urne
von wohlzufrieden | #1

Was ist denn mit "n a c h dem Arbeitsleben" gemeint?

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