Seltene Schildkröten verkauft und gequält
16.07.2010 | 12:15 Uhr 2010-07-16T12:15:00+0200
Dortmund/Hamm. Gestapelte Tiere ohne Licht und Wärme: Ein Schildkrötenhändler aus Hamm ist wegen Tierquälerei zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Ein Scheinkauf unter den Augen der Polizei hatte den Mann überführt.
Kranke Tiere verschickte er in einem Schuh-Karton an den Empfänger. Als die Polizei Haus und Garten des Schildkröten-Züchters in Hamm durchsuchten, stockte auch der Veterinärmedizinerin der Atem: In einem kleinen Korb lagen 23 artgeschützte griechische Landschildkröten übereinander. „Als wenn man sie schnell dort hineingeworfen hätte“, so die Tierärztin.
Verstoß gegen Bundesnaturschutzgesetz und Tierschutzgesetz
Wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz und das Tierschutzgesetz verurteilte das Dortmunder Schöffengericht den Züchter und sechsfachen Vater gestern zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren mit Bewährung. Außerdem muss der Hammer, der jetzt keine Tiere mehr besitzt, eine Geldbuße von 2000 Euro an eine Tierschutz-Organisation zahlen.
In elf Fällen hatte er unter besonderem Schutz stehende Schildkröten ohne die erforderlichen Papiere verkauft und zudem nicht artgerecht gehalten. Der Prozess stellte besondere Anforderungen an Staatsanwaltschaft und Richter: Wer kennt schon die verschiedenen Befindlichkeiten von Spinnen, Sumpf,- und Spornschildkröten? Ganz zu schweigen von der griechischen Landschildkröte, die zum Wohlgefühl 40 Grad benötigt.
Mit Scheinverkauf
überführt
Sie bei 13 Grad, ohne Sonne, in einen Korb mit 22 Artgenossen zu pferchen, ist Tierquälerei. Der Angeklagte, der alles bestritt und sich von Amtsrichter Ulrich Esken deutliche Worte anhören musste, hat zudem selbst wilde Schildkröten gefangen.
Um ihn dingfest zu machen, wandte die Polizei Tricks an wie im Drogenhandel: Ein Scheinverkauf der Panzertiere fand unter den Augen der Polizei statt.
10:52
Welches Beispiel soll dieser Familienvater seinen sechs Kindern sein? Sicherlich wird es in Zukunft wieder sechs Tierquäler mehr geben!
15:10
Wie der Mensch sein Tier haben will, wird es produziert. In Zoogeschäften werden Hamster, Meerschweinchen oder Kaninchen hinter den Ladenscheiben angeboten, wie in anderen Geschäften tote Gegenstände wie Staubsauger oder Kühlschränke. Für die Zoogeschäfts-Betreiber ist das Tier ein rein materieller Gegenstand, nur der Profit zählt. Die Bedürfnisse der Tiere spielen keine Rolle. Damit die Menschen mit ihrer vermeintlichen Tierliebe unsere Mitgeschöpfe in ihre Wohnzimmer oder Käfige sperren können, treibt die gigantische Heimtierbranche den Markt an. Jährlich macht sie Umsätze von 2 - 3 Mrd. Euro. Davon entfallen etwa 180 Mill. Euro auf den Kauf neuer Tiere. In heimischen Wohnzimmern leiden aber nicht nur Hunde, Katzen und Nager, sondern mehr und mehr auch exotische Tiere. Die Gier nach dem besonderen Haustier macht auch vor Schlangen, Echsen, Spinnen, Schildkröten, Krokodilen, Raubkatzen und Wüstenfüchsen nicht halt.
22:05
Es scheint aber genügend Käufer zu geben, denn sonst gäbe es solche Händler ja erst garnicht.
17:24
So nen Mensch muss ne Haftstrafe ohne Bewährung bekommen.
Aber wenn man sieht, das Tiere in Deutschland laut BGB immer noch Sachen sind muss man sich über so milde Urteile nicht wundern.