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Schwarzgelbe Emotionen und menschliche Tragödien

25.04.2008 | 21:42 Uhr

Es gibt Wochen in dieser Stadt, die lassen sich auf zwei Farben reduzieren: Schwarz und Gelb. Die zurückliegende war keine solche Woche. Auch wenn sie schwarzgelb begann.

Schwarzgelb dominierte das vergangene Wochenende. In Berlin im Olympiastadion, auf dem Ku'damm, am Brandenburger Tor und an der Gedächtniskirche. In Dortmund auf dem Friedensplatz und in den Kneipen. Alles schwarzgelb. Das Pokalfinale zwischen dem BVB und Bayern zeigte einmal mehr, was wir ohnehin alle wissen. Was wir aber seit der Meisterschaft 2002 fast vergessen hatten: Dass nichts und niemand in dieser Stadt auch nur annähernd so tiefe Emotionen zu wecken vermag wie der BVB.

Trotz der Niederlage: Dolles Spiel, dolle Fans, dolle Atmosphäre, ein doller Emfang - und ein doller Trainer. Sogar ein dollwütiger. Thomas Doll sparte sich seine emotionale Eruption für eine an sich stinknormale Pressekonferenz am Mittwoch auf. Das Überraschungsmoment, das man bei Borussia auf dem Platz so oft vermisst. Ein Auftritt wie einst Trapattoni.

Bei aller Begeisterung und Trauer rund um den BVB: Schwarzgelb ist eben doch nur Fußball. Das wahre Leben ist viel schöner und viel grausamer.

Viel schöner war diese Woche für Sandra Tiefenhoff. Ende 2007 hatte man der 33-Jährigen ihre drei Kinder weggenommen. Angeblich, so der ungeheuerliche Vorwurf, hätte sie versucht, ihren schwerbehinderten Sohn Nik (4) zu vergiften. Längst ist Sandra Tiefenhoff durch zwei Gutachten entlastet und vollständig rehabilitiert. Tochter Jessica und Sohn Marvin sind schon länger wieder zu Hause. Jetzt endlich hat das Familiengericht ihr auch das Sorgerecht für den kleinen Nik zurück gegeben. Das Glück ist zurück im Hause Tiefenhoff.

Unendlich grausam war die Woche zu Celine-Justine Schultze. Kaum hatte das niedliche kleine Mädchen das Licht der Welt erblickt und erstmals auf der Brust von Mama Jaqueline gekuschelt, starb die erst 17-jährige Mutter. Noch sind die medizinische Ursache und die genauen Umstände ihres Todes ungeklärt. Celine-Justine wird ihre Mama nie kennenlernen; ihre Großeltern fordern Klarheit darüber, was in Kreißsaal und OP (schief-) gelaufen ist. ganz gleich, was die Untersuchungen ergeben: Es ist eine menschliche Tragödie.

So wie der Tod von Dominik Nelz. Der Motorradfahrer wurde nur 25 Jahre alt. Ein Autofahrer hatte ihm die Vorfahrt genommen. Ein Fahrfehler, wie er im Grunde jedem jederzeit passieren kann. Nur hatte der 28-jährige Todesfahrer keine Fahrerlaubnis. Er hätte gar nicht hinterm Steuer sitzen dürfen. Und er war schon in der Vergangenheit wegen Fahrens ohne Führerschein aufgefallen. Ein Wiederholungstäter also. Dass er dennoch mit neun Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, davonkam, lässt nicht nur die Familie von Dominik Nelz wütend zurück.

Auch politisch war diese Woche in Dortmund allerhand los. Doch ganz ehrlich: Angesichts der oben beschriebenen Schicksale fällt es schwer, das unsägliche Geschacher um ein paar Quadratmeter mehr oder weniger Einzelhandelsfläche im ECE-Einkaufscenter und das reichlich niveaulose Schmierentheater um die Bargeld-Affäre im OB-Amt überhaupt noch ernst zu nehmen.

Von Frank Fligge

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Kommentare
26.04.2008
13:44
Schwarzgelbe Emotionen und menschliche Tragödien
von jcm | #1

Auch wenn dieser Satz angesichts des geschilderten Leides - leider - eine zynische Komponente bekommt, es ändert nix an garnix: Das Auto ist und bleibt des Deutschen liebstes Kind! Und wer das Lied von der Freien Fahrt für Freie Bürger mitsingt, sollte das tunlichst so laut von sich geben, dass die Klagen der Abertausenden von Opfern nicht zu hören sind. Zumal: Diese Opfer tauchen nur nochmal in irgendwelchen Kurz-Meldungen über die Jahreszahlen auf, fertig...
Und wenn ein Gericht die Auswirkungen des Bürgerkrieges auf den Strassen nicht anders aburteilen kann wie die einer Kneipen-Schlägerei, liegt das nicht an den Gerichten. Aber hier sind wohl keine gesetzlichen Nachbesserungen zu erwarten - da werden die allmächtigen Kraken wie ADAC oder AvD im Auftrage der Autolobby schon weiterhin für sorgen...

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