Das aktuelle Wetter Dortmund 11°C
Amtsgericht

Schwarzfahrer wollte nur pünktlich zur Arbeit kommen

16.08.2012 | 17:58 Uhr
Schwarzfahrer wollte nur pünktlich zur Arbeit kommen
Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund.   Das hätte ins Auge gehen können: Ein 30-Jähriger, der häufig ohne Ticket in die U-Bahn stieg, weil er angeblich kein Geld hatte und trotzdem pünktlich zur Arbeit wollte, muss jetzt 2000 Euro Geldstrafe zahlen. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Monate Gefängnisstrafe gefordert.

Als Lagerarbeiter verdient er 800 Euro, hat eine relativ teure Wohnung und dazu Schulden. Das Geld sitzt nicht gerade locker bei dem 30-Jährigen, der daraufhin ein verhängnisvolles „Sparmodell“ entwickelte: Er stieg, ohne zu bezahlen, in die U-Bahn. Angeblich, um pünktlich zur Arbeit zu kommen, wie er beteuerte. Was ihn um ein Haar hinter Gitter gebracht hätte.

Drei Monate Haft hatte die Staatsanwaltschaft wegen „Erschleichens von Leistungen“ in vier Fällen gefordert. Denn es war nicht zum ersten Mal, dass der junge Mann mit der lustig gescheckten Igelfrisur wegen dieser Bagatellsache auf der Anklagebank saß. Zwei weitere Bewährungen laufen noch – wären die im Falle einer Haftstrafe widerrufen worden, hätte er fast zwei Jahre im Gefängnis abgebrummt. „Sie sagen immer, Sie hatten Angst, ihre Arbeit zu verlieren“, meinte Amtsrichter Christian Henze. „Haben Sie eigentlich nie Angst um ihre Freiheit?“

Der junge Mann guckt mit großen Augen in den Saal. Auch, als sein Verteidiger Marco Ostmeyer anmerkt, dass sein Mandant mit den Tücken des Alltags einfach ein wenig überfordert sei. „Das ist keine Dreistigkeit. Die Wellen schlagen über ihn zusammen und dann kann er sich nicht anders helfen.“

Amtsrichter Christian Henze gab dem Angeklagten noch „eine aller, allerletzte Chance“: Für die vier Fahrten muss der Mann jetzt 2000 Euro Geldstrafe zahlen. „Und in Zukunft will ich Sie hier nie wiedersehen, sonst wandern Sie garantiert ins Gefängnis.“

Kathrin Melliwa



Kommentare
18.08.2012
16:01
Schwarzfahrer wollte nur pünktlich zur Arbeit kommen
von gudelia | #4

Ohne Geld pünktlich zur Arbeit oder einen Menschen totfahren, beides kostet 2000 Euro.
Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich, wer Mensch ist bestimmt der Richter!

17.08.2012
08:47
Schwarzfahrer wollte nur pünktlich zur Arbeit kommen
von baldinsoelde | #3

Wer für 800 € jeden Morgen zur Arbeit fährt, verdient Hochachtung. Es sind eben diese Menschen, die unser Land am Laufen halten, denn ohne sie würden viele Arbeiten gar nicht gemacht. Arbeit adelt!

Das Schlimme ist, dass es Menschen gibt, die daraus einen Profit ziehen, dass Arbeitnehmer für derartige -evtl. sogar sittenwidrige- Löhne arbeiten.

Ganz unterirdisch sind dagegen Bashing-Kommentare.

17.08.2012
07:01
Schwarzfahrer wollte nur pünktlich zur Arbeit kommen
von Czerwi | #2

Bei 800 Euro Gehalt würde ich auch lieber auf Hartz4 wechseln, da kann man dann wenigstens ausschlafen.

17.08.2012
00:16
pünktlich zur Arbeit - *lol*
von Forumspolizei | #1

wegen 800,- € - hat der sonst keine Hobbys?

Aus dem Ressort
So würden Dortmunds Kliniken auf Ebola reagieren
Seuche
Keines der Krankenhäuser in Dortmund könnte im Fall der Fälle einen Ebola-Patienten behandeln, auch nicht das größte Krankenhaus in NRW, das Klinikum Dortmund. Zum Einsatz müsste ein Spezial-Rettungswagen kommen. Die Sicherheitsstandards für die Isolation eines Ebola-Kranken sind einfach zu hoch.
„Visions“ kennt das Geheimnis ewiger Jugend
Pop
Am Wochenende gibt’s ein Festival, denn das Dortmunder Magazin für Alternative Rock feiert seinen 25. Geburtstag - und hat sich die Frische erhalten. Ein Gespräch mit Chefredakteur Michael Lohrmann über Kurt Cobain, Rock’n’Roll-Lifestyle und größenwahnsinnige Vertriebsdeals in der Dönerbude...
Schlägerei im BVB-Stadion heute vor Gericht
Signal Iduna Park
Eine wüste Schlägerei im Signal Iduna Park beschäftigt am Freitag das Dortmunder Amtsgericht. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen zwei Fußballfans erhoben - diese wiederum erheben schwere Vorwürfe gegen BVB-Ordner
So würden Dortmunds Kliniken auf Ebola reagieren
Isolation und...
Keines der Krankenhäuser in Dortmund kann im Fall der Fälle einen Ebola-Patienten behandeln, auch nicht das größte Krankenhaus in NRW, das Klinikum Dortmund. Zum Einsatz müsste ein Spezial-Rettungswagen kommen. Das städtische Gesundheitsamt warnt vor Panikmache.
DOlles für deinen Freitag - Adler und Kobras auf Kufen
Tipps für Dortmund
Maike Kranaster ist das "Dortmunder Mädel". Damit keine Langeweile aufkommt, gibt sie in ihrem Blog Ausflugs- und Ausgehtipps für Dortmund - jetzt auch auf RuhrNachrichten.de. Für den heutigen Freitag empfiehlt sie Adler und Kobras auf Kufen.
Fotos und Videos
Im Haus der kleinen Forscher
Bildgalerie
Fotostrecke
Martener Kindergarten hat neue Spielgeräte
Bildgalerie
Fotostrecke