Schwarzfahrer wollte nur pünktlich zur Arbeit kommen

Foto: WR/Franz Luthe
Was wir bereits wissen
Das hätte ins Auge gehen können: Ein 30-Jähriger, der häufig ohne Ticket in die U-Bahn stieg, weil er angeblich kein Geld hatte und trotzdem pünktlich zur Arbeit wollte, muss jetzt 2000 Euro Geldstrafe zahlen. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Monate Gefängnisstrafe gefordert.

Dortmund.. Als Lagerarbeiter verdient er 800 Euro, hat eine relativ teure Wohnung und dazu Schulden. Das Geld sitzt nicht gerade locker bei dem 30-Jährigen, der daraufhin ein verhängnisvolles „Sparmodell“ entwickelte: Er stieg, ohne zu bezahlen, in die U-Bahn. Angeblich, um pünktlich zur Arbeit zu kommen, wie er beteuerte. Was ihn um ein Haar hinter Gitter gebracht hätte.

Drei Monate Haft hatte die Staatsanwaltschaft wegen „Erschleichens von Leistungen“ in vier Fällen gefordert. Denn es war nicht zum ersten Mal, dass der junge Mann mit der lustig gescheckten Igelfrisur wegen dieser Bagatellsache auf der Anklagebank saß. Zwei weitere Bewährungen laufen noch – wären die im Falle einer Haftstrafe widerrufen worden, hätte er fast zwei Jahre im Gefängnis abgebrummt. „Sie sagen immer, Sie hatten Angst, ihre Arbeit zu verlieren“, meinte Amtsrichter Christian Henze. „Haben Sie eigentlich nie Angst um ihre Freiheit?“

Der junge Mann guckt mit großen Augen in den Saal. Auch, als sein Verteidiger Marco Ostmeyer anmerkt, dass sein Mandant mit den Tücken des Alltags einfach ein wenig überfordert sei. „Das ist keine Dreistigkeit. Die Wellen schlagen über ihn zusammen und dann kann er sich nicht anders helfen.“

Amtsrichter Christian Henze gab dem Angeklagten noch „eine aller, allerletzte Chance“: Für die vier Fahrten muss der Mann jetzt 2000 Euro Geldstrafe zahlen. „Und in Zukunft will ich Sie hier nie wiedersehen, sonst wandern Sie garantiert ins Gefängnis.“