Schulen in Dortmund öffnen sich zunehmend für Behinderte
15.06.2011 | 19:36 Uhr 2011-06-15T19:36:00+0200
Dortmund.Behinderte Kinder lernen mit Nicht-Behinderten. Was früher die Ausnahme, dann lange Zeit ein reines Hauptschul-Phänomen war, wird im kommenden Schuljahr zur Regel. An 93 Grundschulen werden 919 Schülerinnen und Schüler mit Behinderung lernen. Hinzu kommen 423 Kinder, die sich erstmals in dieser Menge und Breite auf immerhin 46 Weiterführende Schulen (Sek I.) verteilen. Das nächste Kapitel einer Erfolgsgeschichte, glaubt Schulamtsdirektor Peter Rieger.
Schulamtsdirektor Peter Rieger, zuständig für die sonderpädagogische Förderung in Dortmund, hat die Entwicklung des Themas Inklusion schon begleitet, als sie noch in den Kinderschuhen steckte. Dass nach der Debatte auf UN-Ebene (Stichwort Behindertenrechtskonvention) so schnell Bewegung in das Thema Integration von Behinderten in Allgemeinen Schulen kommen würde, dürfte auch er kaum erwartet haben. Rund 900 Schüler an allen Grundschulen - und damit im Primarbereich erstmals so viele wie an Förderschulen, das sei eine starke Quote.
Auch die Weiterführenden Schulen hätten sich geöffnet und Ressentiments weitgehend abgelegt. Neben den 16 Hauptschulen, die eine jede eine so genannte „integrative Lerngruppe“ haben werden, spielen im kommenden Schuljahr erstmals auch die anderen Schulen eine stärkere Rolle. 12 Realschulen werden drei Lerngruppen (mindestens fünf behinderte Schüler pro Gruppe) bilden. Und erstmals sind je neun Gymnasien und Gesamtschulen mit je vier Gruppen dabei. Mit anderen Worten: Von 4143 Kindern mit Behinderung (egal, ob mit einfacher Lernbehinderung oder mit schwersten motorischen und pflegeintensiven Behinderungen) sind erstmals 1342 an Allgemeinbildenden Schulen angemeldet. An den Förderschulen bleiben noch 2801 Schüler.
Kein „Ja, aber“ mehr
Das heißt zum einen: Mit einer Integrationsquote von 32 Prozent liegt Dortmund deutlich über dem Landesschnitt mit gerade mal 20 Prozent. Zum anderen gut sieben Prozent über der Vorjahresquote in Dortmund von nur 25 Prozent.
Auch das ist klar: Den Förderschulen gehen die Schüler aus. „Die Zahlen gehen deutlich zurück und manche Schule fragt sich schon, wie es mit ihr weitergehen soll“, so Rieger. Dabei gehe es nicht um die Qualität der Lehre und Förderung, sondern die veränderten Rahmenbedingungen. Wie auch immer sich die Schullandschaft hier verändere, sicher ist schon mal, dass allein im kommenden Jahr 60 Stellen - also rund 100 Lehrerinnen und Lehrer - von ihren Förderschulen an andere Schulen pendeln werden, um die Lerngruppen zu betreuen.
Und warum bleiben weiterhin 2801 Kinder in den Förderschulen? Zum einen, weil sie schon seit Jahren dort angemeldet sind und/oder sich die Eltern bewusst für diese Form der Förderung entschieden hätten. Gleichwohl verzeichnet Rieger auch hier einen Trend zum Wechsel.
Die Zukunft? Für Rieger stehen zwei Dinge fest: „Ich glaube, dass wir innerhalb der nächsten fünf Jahre eine Quote von 50 Prozent erreichen. Und: Inklusion ist unteilbar.“ Das Kapitel der „Ja, abers“ ist Geschichte.
19:54
pflegeintensiven Behinderungen: gut, dass ich kein Lehrer bin!!!
Wie soll ein Lehrer, der heutzutage schon genug Probleme zu bewältigen hat, auch noch mit Kindern fertig werden, die er während des Unterrichts noch pflegen muss? Weiterhin gibt es in der juristischen Literatur das Beispiel von Lautäußerungen geistig schwer behinderter Menschen. Solche (bei bestimmten Erkrankungen permanenten) Lautäußerungen können auf Kinder und Lehrer belastend wirken. Wie soll man dabei lehren und lernen? Bin mal auf das nächste Pisa-Ergebnis gespannt.
Es ist zwar schön, dass wir in 1 Land leben, in dem alle akzeptiert werden und alle die gleichen Chancen vor dem Gesetz haben; aber wir dürfen nicht vergessen, dass sogar Gleichheit zu falschen Aktionen führen kann.
17:30
Also, liebe Leute,
bei einer Inklusion erhalten die Schüler eine besondere Betreuung, in diversen Fächern gesonderten Unterricht und zum Teil keine Noten.
Die Schüler mit einer Lernbehinderung treten auch gar nicht am Gymnasium an, um das Abitur abzulegen. Nein, nein, so ist das nicht .
Hm, warum sind sie dann nicht an einer Förderschule ? Ganz einfach: Förderschulen sind viel zu teuer! Hier hat das geltende EU-Recht unseren Bildungspolitikern voll in die Karten gespielt. Die Schüler mit einer Lernbehinderung werden an einer normalen Schule unterrichtet, die meisten der betroffenen Eltern wollen dies sowieso und die unrentablen Förderschulen bluten aus.
Spätestens mit der Einführung von Gemeinschaftsschulen tummeln sich dann alle Schüler , die für das Gymnasium nicht geeignet erscheinen, an einer Schulform. So einfach und kostengünstig kann eine Lösung sein.
Mir tun die Eltern leid, die diese Strategie nicht durchschauen und auf den Schultyp euphorisch aufspringen. Nach einigen Jahren wird man merken, dass sich die Kompetenzen der Schüler an dieser innovativen Schulform nicht mehr signifikant unterscheiden; id est alle Schüler sind
gleich schlau ( oder auch gleich dumm ).
Aber , ich bin dann wech .... :-)
15:46
Vor allen Dingen wird das Konzept wieder nur übergestülpt, ohne die Schulen rechtzeitig vorzubereiten und personell als auch sachlich etwas zu tun. Das kann den jetzt entscheidenden Politikern egal sein, denn um das Chaos müssen sich die nächsten in der kommenden Legislaturperiode kümmern. Und die haben wahrscheinlich schon wieder ganz andere Ideen zum Überstülpen.
07:42
Kinder mit einer Lernbehinderung an einem Gymnasium ? Wie soll das funktionieren, wenn die mit dem Lern-Tempo der anderen Kinder gar nicht mithalten können ? Die werden dann doch bereits in den Eingangsklassen aussortiert ...