Nelly-Sachs-Preis
Schriftstellerin Margaret Atwoods grausame Zukunft
17.03.2010 | 12:27 Uhr 2010-03-17T12:27:00+0100
Dortmund. Schriftstellerin Margaret Atwood bekommt am Sonntag den Nelly-Sachs-Preis, die Literatur-Auszeichung der Stadt Dortmund. In ihrem neuen Roman „Das Jahr der Flut“ hat die Kanadierin apokalyptische Vorahnungen. In dem Buch zeichnet sie eine grausame Zukunft.
Der Nelly-Sachs-Preis ist mit 15.000 Euro dotiert und würdigt das Gesamtwerk der Autorin. Der jüngste Roman Margaret Atwoods kam 2009 heraus und trägt den Titel „Das Jahr der Flut“.
Im Buch bleibt sie bis auf weiteres aus, die Klimakatastrophe. Umweltschützer können einpacken, ihr Protest zielt ins Leere. Gleichwohl ist der Untergang der Menschheit besiegelt, eine globale Seuche rafft die Spezies des Homo sapiens sapiens dahin.
Margaret Atwood lässt den Leser eine ganze Weile zappeln, bis sie in ihrem neuen Buch das Geheimnis lüftet, weshalb die Erdbevölkerung langsam, aber unaufhörlich dahinsiecht. Mit dem Titel des Werkes „Das Jahr der Flut“ führt sie alle diejenigen, die mit detektivischem Gespür an den Roman herangehen, erst einmal auf falsche Fährten. Dass der Sensemann in Form einer mysteriösen Krankheit sein Unwesen treibt, lässt sich aber schon früh erahnen, da die Protagonisten des Buches keineswegs vor Großbränden, Flutwellen oder Erdbeben fliehen, sondern überall, wo sie eben können, nach ihrem Ararat suchen. Wir erinnern uns: Auf diesem Berg soll es einst der Arche Noah gelungen sein, die Sintflut zu überstehen.
Es sind vornehmlich die Figuren namens Toby und Ren, die wie in einer Art Tagebuch aus ihrem Leben vor und nach der Flut, vor und während ihrer Zeit bei den Gottesgärtnern erzählen. Wohlgemerkt handelt es sich um Gärtner, nicht um Krieger, die einer Sekte gleich eine Wagenburg gegen alle bedrohlichen Einflüsse von außen errichten. Vor allem Fleischverzehr steht auf dem Index, aber auch sonst predigt der Kopf dieser Gruppierung, genannt Adam eins, Askese und Rückbesinnung auf die Natur. Auf diese Weise will die Gemeinschaft auf den Dächern leerstehender Häuser dem Untergang entgehen.
Seuche nicht eindämmbar
Doch die Gesänge, die die Gärtner anstimmen und deren Texte der Leser mitgeliefert bekommt, können noch so laut sein, und auch der allmächtige Sicherheitsdienst CorpSeCorp kann außerhalb der gärtnerischen Hoheitsgebiete noch so viel regeln und reglementieren, die Seuche lässt sich nicht eindämmen. Auch die brutalen Überlebenskämpfe im Volk können die Sicherheitskräfte nicht unterbinden. Richtig düster wird Atwoods Vision, wenn man sich vor Augen hält, dass Toby und Ren erst alles daran setzen, um bei den Gottesgärtnern Einlass zu finden, aber schließlich diese Sicherheit mehr als Schein denn als Sein daherkommt.
Das Buch weist unübersehbare Rückbezüge auf Atwoods ersten großen Erfolg „Der Report der Magd“ und ihren Beststeller „Oryx und Crake“ auf. Aufschrecken lässt die Kanadierin den Leser immer dann, wenn der Eindruck entsteht, als habe sie aktuelle Entwicklungen zu Ende gedacht. Was passiert, wenn die öffentliche Hand kein Geld mehr hat, um die Polizei zu bezahlen? Konzerne übernehmen die Regie, wobei ausschließlich ihre Interessen und ihre eigenen Gesetze gelten.
Genforschung
Und zu was wäre die Genforschung in der Lage, wenn man sie gewähren ließe? Sie würde eigene Menschen formen und auch keinen Skrupel haben, wenn die Versuche fehlschlagen würden. Gegen Ende des Romans zeigen sich die Hauptfiguren recht erschrocken, als sie auf eine Gruppe von Gestalten treffen, die solchen Genlaboren entstiegen sind. Würden wohl Tiere an den Menschen für den Umgang mit ihnen Rache nehmen, wenn sie könnten? Interessanterweise sind es gerade Schweine, die den Überlebenden nach der „Flut ohne Wasser“ ihr Terrain abspenstig machen wollen. Manche Wortspiele wie beispielsweise, das allgemeine Volk einfach Plebs zu nennen oder einen „Luftfilternasenhut“ zu kreieren, sind Zeichen der leisen Ironie, die Atwood mitschwingen lässt.
Es hätte dem Buch allerdings sehr gut getan, wenn der Erzählstrang etwas linearer erfolgt und manche Verschachtelung ausgeblieben wäre, beispielsweise bei den verwirrenden amourösen Abenteuern, denen auch eine Apokalypse nichts anhaben kann.
Im Übrigen mag darin auch ein kleiner Trost liegen, dass nämlich trotz aller grauenhafter Endzeitszenarien dem Mensch eines erhalten bleibt: der Fortpflanzungstrieb in bekannter Form.
16:37
In dem Buch zeichnet sie eine grausame Zukunft.
muss so sein. Ansonsten würd es keiner lesen.
und nich in die spam-Abtl. der waz schaffen.
MAHLZEIT!!!