Das aktuelle Wetter Dortmund 11°C
PCB-Skandal

Schockierende Giftwerte – Envio dicht

20.05.2010 | 19:00 Uhr
Schockierende Giftwerte – Envio dicht

Dortmund. Envio droht das Ende. Seit Donnerstagmittag ist die komplette Firma dicht – geschlossen von der Bezirksregierung Arnsberg. Der blieb keine andere Wahl. Die zuletzt in Betriebshallen und im Freien gemessenen Giftwerte übertrafen die schlimmsten Befürchtungen.

Vermutlicher Hauptverursacher gefunden

48 Gramm PCB pro Kilogramm – die höchste Konzentration sprengt den Richtwert fast um das 1000-fache. Die Bezirksregierung geht nach den Envio-Giftwerten davon aus, „dass der vermutliche Hauptverursacher der PCB-Belastung in den drei Dortmunder Kleingartenanlagen gefunden wurde”, so Abteilungsleiter Bernd Müller.

Beamte der Bezirksregierung schlossen gestern die Envio-Zentrale in Dortmund.

„Für diese Werte haben wir noch keine Erklärung”, hieß es gestern Nachmittag in einer schriftlichen Envio-Mitteilung. Und: „Vorsorglich haben wir deshalb den gesamten Betrieb in unserer Niederlassung Dortmund unterbrochen.” Man wolle die Bezirksregierung „bei der Ursachenklärung für die Belastungen mit allen Mitteln unterstützen”.

Blutuntersuchungen auch bei Nachbarfirmen

Als Envio-Sprecherin Claudia Weirich dies verbreitete, hatten Spezialfirmen schon mit der großflächigen Säuberung des verseuchten Geländes begonnen. Blutuntersuchungen laufen nicht nur bei der Envio-Belegschaft, sondern werden – kurzfristig und kostenlos – auch Beschäftigten von Nachbarfirmen angeboten.

Als die Ergebnisse der Ende April vom Landesumweltamt (LANUV) genommenen Kehrproben am Mittwochabend auf seinem Schreibtisch lagen, atmete Bernd Müller, Abteilungsleiter für Umwelt bei der Bezirksregierung, schwer. Die PCB-Belastung lag jenseits aller Erwartungen, auch jenseits alles Erklärbaren – „nicht nur in den Werkshallen, sondern auch auf dem Freigelände”, so Jörg A. Linden, Sprecher der Bezirksregierung. Sogar Dioxine und Furane wurden festgestellt.

Massive Verstöße gegen Auflagen

Die vier Kehrproben stammen von Ende April. Sie wurden in der weißen Halle, der schwarzen Halle, dem so genannten Zelt und auf der Freifläche genommen. Alle Ergebnisse lagen tief im roten Bereich. „All diese Indizien lassen zweifelsfrei den Schluss zu, dass die Firma Envio massiv gegen Betriebsgenehmigungen und Auflagen verstoßen und dabei auch ihre Mitarbeiter einer Gesundheitsgefährdung ausgesetzt hat”, so Linden.

Geschockt: Umweltdezernent Wilhelm Steitz.

„Eine absolute Katastrophe!” Umweltdezernent Wilhelm Steitz reagierte geschockt. „Mit Fahrlässigkeit sind diese Ergebnisse nicht zu erklären, hier muss man schon kriminelle Energie vermuten. Was die sich selbst kaputtgemacht haben, ist ungeheuer”, so Steitz. Am heutigen Freitag reist er mit Umweltamtsleiter Wilhelm Grote nach Arnsberg, um medizinische Maßnahmen im Hafen-Umfeld zu besprechen. „Eine breit angelegte Vorsorge und Absicherung der Bevölkerung in einem Radius X” scheint Steitz angebracht. Denn: „An diesem Punkt kann man nicht mehr sagen, dass Gemüse belastet ist. Hier muss man von konkreten Gesundheitsgefährdungen ausgehen.”

PCB-Werte passen zu Aussagen

Für Oberstaatsanwältin Dr. Ina Holznagel passen die PCB-Werte zu den Aussagen über die Bearbeitung belasteten Materials im Freien. Davon hatte ein Ex-Envio-Produktionsleiter erstmals gegenüber der WR gesprochen.

Für die Kleingärtner ergibt sich laut Bezirksregierung „keine neue Situation: Es bleibt beim vorsorglich ausgesprochenen Verzehrverbot für einzelne Gemüse.”

INFO

50 Mitarbeiter betroffen

Klaus Brandt

Facebook
 
Kommentare
31.05.2010
17:02
Schockierende Giftwerte – Envio dicht
von xy | #21

zum beitrag von anonym vom 30.05.2010

ich selber bin ein angestellter der firma. und ich kann sagen das die gesamte luft ( ab,-und zuluft ) mangelhaft ist und die gesamte anlage unübersichtlich, bzw ungenügend ist. sei es die arbeiteissicherheit oder die normalen gegebenheiten, welche den betrieblichen vorgesetzten bekannt ware(en).

ich selber sehe mich im zugzwang zum handeln..



und nochmal zum mitschreiben:
wie war es nochmal mit dem trafospülen??? oder UTD trafos???

30.05.2010
14:02
Schockierende Giftwerte – Envio dicht
von vaikl | #20

@ #18
er hat selber für entschieden ohne anzug handschuhe maske etc zu arbeiten

Und der Arbeitgeber hat das toleriert? Oder wurde das überhaupt nicht überwacht???

30.05.2010
13:51
Schockierende Giftwerte – Envio dicht
von anonym | #19

ich bin ein envio mitarbeiter und ich kann nur sagen die sicherheit wurde gross geschrieben bei envio wenn einer etwas behauptet was garnicht stimmt hat er sich halt den arbeitsschutz zu nutzen gemacht sporich er hat selber für entschieden ohne anzug handschuhe maske etc zu arbeiten wenn das einer macht sollte dazu stehen und nicht behaupten das es kein schutz dafür gab!!!und ich kann für mich sagen ich wurde am ersten tag aufgeklärt wie ich mich im umgang mit pcb usw zu verhalten habe und es waren immer schutzausrüstung für jeden vorhanden man brauchte diese halt nur zu nutzen !!!

22.05.2010
10:57
Schockierende Giftwerte – Envio komplett geschlossen
von Sascha | #18

Ich war bei der Firma Envio über ne Zeitarbeitsfirma beschäftigt und muss sagen das wir nur angelogen wurden!!! was die kontamination der trafos angeht! haben immer ohne schutz gearbeitet! das haben wir jetzt davon!!!

21.05.2010
13:49
Schockierende Giftwerte – Envio komplett geschlossen
von vaikl | #17

@ K. Dietz

Fragen Sie doch mal den grünen Herrn Steitz und seinen Vorgänger Sierau, wieso die Stadt bis März diesen Jahres noch nicht mal wusste, wer da im Hafen mit welchem Gefahrgut wie umgeht.

21.05.2010
13:14
Schockierende Giftwerte – Envio komplett geschlossen
von Heiner Mecklenberg | #16

Man hätten den Berichten der bei Envio tätigen Personen glauben sollen.
Frei verfügbare Quelle beschreiben die Zustände im Werk treffend:
http://verleihniqs.wordpress.com

21.05.2010
13:12
Schockierende Giftwerte – Envio komplett geschlossen
von K. Dietz | #15

Grüner Druck auf Arnsberg

Grünen-Ratsfrau Ulrike Märkel kündigt für die heutige Ausschusssitzung „zahlreiche Fragen” an. Einige davon gehen gezielt in Richtung Arnsberg. „Unter anderem wollen wir wissen, warum die Bezirksregierung nicht sofort auf die schon länger bekannten Hinweise reagiert hat und Kontrollen in dem betreffenden Betrieb durchgeführt hat. Außerdem wollen wir wissen, welche Maßnahmen nun geplant sind, um die Menschen vor weiteren Belastungen durch dieses Gift zu schützen.”

Quelle derwesten.de älterer Artikel


Eigentlich alles seid Januar 2009 bekannt.

Ich bin mal gespannt wo man den Vorstand und die Manager von Envio bald wiedersehen wird, solche Topmanager sind ja sehr gefragt und persönliche Konsequenzen muss man nicht fürchten in Deutschland...

21.05.2010
13:09
Schockierende Giftwerte – Envio komplett geschlossen
von K. Dietz | #14

Grüner Druck auf Arnsberg

Grünen-Ratsfrau Ulrike Märkel kündigt für die heutige Ausschusssitzung „zahlreiche Fragen” an. Einige davon gehen gezielt in Richtung Arnsberg. „Unter anderem wollen wir wissen, warum die Bezirksregierung nicht sofort auf die schon länger bekannten Hinweise reagiert hat und Kontrollen in dem betreffenden Betrieb durchgeführt hat. Außerdem wollen wir wissen, welche Maßnahmen nun geplant sind, um die Menschen vor weiteren Belastungen durch dieses Gift zu schützen.”

Angefangen hat das 2009....

Aber der Vorstand von Envio wird sich keine Sorgen machen müssen, solche Topvorstände und Manager nimmt man woanders mit Handkuss.... Persönliche Haftung gibt es ja nicht wirklich

21.05.2010
13:01
Schockierende Giftwerte – Envio komplett geschlossen
von K. Dietz | #13

Warum ? Nun es gab zahlreiche Hinweise, aber denen glaubte man nicht, die Zuständigen bei den Behörden haben sich von Leute von Envio immer erzählen lassen alles ist gut und solchen Leuten glaubt man natürlich sofort, nur dem kleinen Bürger nicht, Lobby eben....

21.05.2010
12:56
Schockierende Giftwerte – Envio komplett geschlossen
von zyx | #12

Mich würde interessieren, wieso bei so hohen Überschreitungen der Verursacher der bekannten Verseuchung erst so spät gefunden wurde.

Wie kann man so etwas übersehen, wenn es schon verdächtige Werte in der Nachbarschaft gibt?

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3008443/create

UMFRAGE

Sollen Stehplätze in Fußballstadien abgeschafft werden?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Layla Zoe in Dortmund
Bildgalerie
Piano
Hitze am Phoenix-See
Bildgalerie
Wetter
Achtung, Dortmund — hier droht Bußgeld!
Bildgalerie
Bußgeld-Katalog
Aus dem Ressort
Wohnraum für Arme: Knapp und schlecht saniert
Soziales
Auf dem Wohnungsmarkt haben Menschen mit wenig Geld das Nachsehen. Zum einen gibt es immer weniger Sozialwohnungen. Zum anderen lassen privater Finanzinvestoren günstige Wohnungen verkommen.
Aus Amerika direkt nach Hörde
Germany's next Topmodel
Model Diana hätte Germanys next Topmodel werden können, Model-Mama Heidi Klum rechnete ihr große Chancen fürs Finale aus. Diana aber entschied sich gegen die Show und schied aus familiären Gründen freiwillig aus. Mit ihrer Familie ist die 17-Jährige nach ihrem Ausstieg von Hagen nach Hörde gezogen.
Foto