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Schock für Annington-Mieterin - 36 Prozent mehr Miete

26.07.2012 | 18:28 Uhr
Schock für Annington-Mieterin - 36 Prozent mehr Miete
Die Deutsche Annington modernisiert ihre Wohnungem Am Rabensmorgen. Das bedeutet enorme Mieterhöhungen für die Bewohner. Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.   Wenige Wochen, nachdem eine Frau eine "preiswerte" Wohnung der Deutschen Annington anmietete, kündigte diese eine Modernisierung an. 100 Euro mehr Miete, das sind 36 Prozent mehr - nach einer im Brief angekündigten Modernisierung - sollte sie künftig zahlen. Ein heftiger Schlag ins Kontor.

Eine preiswerte Wohnung wollte die Mieterin: 272 Euro Kaltmiete für 70 Quadratmeter - das passte in ihr Budget. Die Frau, die ihren Namen nicht öffentlich nennen will, unterschrieb den Mietvertrag mit der Deutschen Annington zum 15. Januar 2012. Nur kurz nach dem Einzug kam Anfang Mai ein Brief vom Vermieter: 100 Euro mehr Miete, das sind 36 Prozent mehr - nach einer im Brief angekündigten Modernisierung - sollte sie künftig zahlen. Ein heftiger Schlag ins Kontor.

Tipps für Wohnungssuchende vom Mieterverein Dortmund
  • Vergleichen Sie intensiv Wohnungsangebote, orientieren Sie sich anhand des Dortmunder Mietspiegels über das aktuelle Preisniveau. So können überteuerte und „Lockvogel“-Angebote herausgefiltert werden.
  • Lassen Sie sich die letzte Betriebs-/Heizkostenabrechnung zeigen, um prüfen zu können, ob die Nebenkostenvorauszahlungen realistisch kalkuliert sind.
  • Bei Abschluss eines unbefristeten Mietvertrages ohne Sonderregelungen kann der Vermieter bereits nach 15 Monaten eine Mieterhöhung fordern, wenn die Miete unterhalb des Mietpreisspiegels liegt.
  • Modernisierungen müssen lediglich drei Monate vor Beginn angekündigt werden. Sonderregelungen für erst gerade eingezogene Mieter sind gesetzlich nicht geregelt. Fragen Sie den Anbieter nach geplanten Maßnahmen! Sprechen Sie auch mit Ihren eventuell zukünftigen Nachbarn.
  • Die bei Vertragsabschluss vereinbarte Miete kann im Mietvertrag für einen verbindlichen Zeitraum festgeschrieben werden (zum Beispiel zwei oder drei Jahre). Schlagen Sie dem Vermieter eine solche Regelung vor. Nur so haben Mieter Planungssicherheit und die Sicherheit, dass Umzugs- und Renovierungskosten „abgewohnt“ werden können.
  • Der Mietpreisspiegel ist im Internet abrufbar: http://dev.wohnungswesen.dortmund.de

„Ich fiel aus allen Wolken,“ so die Frau, die über 3000 Euro in die Renovierung der Räume gesteckt hatte. „Die Wohnung hatte keine Fußböden, ich musste Fliesen und Laminat legen, tapezieren und streichen.“ Selbst wenn sie nach der Modernisierung eventuell 20 Euro Heizkostenersparnis hätte, wäre die Wohnung nun zu teuer für sie. Die Dame ging zum Mieterverein für Dortmund und Umgebung.

Anwalt:  Grundsatz von Treu und Glauben verletzt

Rechtsanwalt Dieter Klatt vom Mieterverein weiß, dass „Modernisierungsmieterhöhungen regelrechte Mietpreisschocks auslösen“ können. Elf   Prozent pro Jahr der Modernisierungskosten dürften Vermieter auf die Miete umlegen. Formal scheine das Vorgehen des Vermieters legal, aber „im konkreten Fall hätte die Deutsche Annington nach unserer Auffassung die bevorstehende Modernisierung bereits bei der Wohnungsanzeige und in den Vorgesprächen erwähnen müssen,“ so Klatt. Der Grundsatz von Treu und Glauben sei verletzt worden. Das Argument der Deutschen Annington, dass zum Zeitpunkt der Vermietung die endgültige Entscheidung über die Erneuerung des Wohnhauses noch nicht gefallen wäre, hält der Anwalt für eine „schlichte Ausrede“.

Philipp Schmitz-Waters, Pressesprecher der Deutschen Annington: „Wir durften die Modernisierung gar nicht erwähnen, da erst einmal alle Mieter hätten informiert sein müssen.“ Das sei bei Vertragsschluss nicht der Fall gewesen.

Umfrage
Eine Mieterin der Annington musste wenige Monate nach ihrem Einzug eine Mietpreiserhöhung um 36 Prozent hinnehmen . Sind Sie auch schon einmal von einer Mieterhöhung überrascht worden?
 

Die Neumieterin sieht sich von der Deutschen Annington „getäuscht“. Sie hätte die Wohnung nicht angemietet, wenn man ihr reinen Wein eingeschenkt hätte. Sie hat der Deutschen Annington mit Hilfe des Mietervereins trotzdem einen Kompromissvorschlag gemacht: „Ich würde drei Monate nach Abschluss der Arbeiten bis zu 50 Euro der angekündigten Modernisierungskosten akzeptieren. Diesen Vorschlag lehnte Annington ab. Schmitz-Waters: „Wir haben der Mieterin angeboten, noch drei Monaten länger die Ursprungsmiete zu zahlen, bevor die Erhöhung kommt. Das hat sie abgelehnt.“

Für Rainer Stücker, Geschäftsführer des Mietervereins, ist „die Vermietungspraxis der Deutschen Annington in diesem Fall als höchst zweifelhaft zu beurteilen.“ Er fordert das Unternehmen auf, den von der Mieterin gemachten Vergleichsvorschlag anzunehmen und „generell Wohnungsinteressierte ehrlich und vollständig über die Planungen des Unternehmen zu informieren.“

Klaus Buske


Kommentare
29.07.2012
22:50
Nicht untypisches Verhalten gerade von Großvermietern
von AuroraBorealis | #19

Viele Großvermieter arbeiten mit den Kommunen vor Ort zusammen.
Großanbieter bieten daher oftmals gerne eine Vielzahl an Wohnungen im s. g. "angemessenen" Rahmen der Kosten der Unterkunft (KdU) für Personen an, welche von der Grundsicherung (Hartz IV, Sozialhilfe, Grundsicherungsrente) abhängig sind.
Diese betroffenen Personen werdeb durch von den Kommunen zurechtgebastelten Richtlinien bei den KdU zum Zwangsumzug genötigt.
Kommunen drucken stets nur die Übersichtsliste bei z. B. immoscout24 aus. In dieser Liste tauchen dann immer diese "günstigen" Wohnungen auf. Ein genauerer Blick, ob die angebotene Wohnung auch den KdU-Vorgaben entspricht wird von den Kommunen nicht weiter vorgenommen. Die Betroffenen müssen klagen. Doch selbst die Sozialgerichtsbarkeit nimmt keine Untersuchung vor, ob die Wohnungen auch tatsächlich den Richtlinienvorgaben entsprechen oder nicht. Man glaubt einfach diesen Übersichtslisten. Hilfeempfänger bauen irgendwann Mietschulden auf, landen auf der Straße.

29.07.2012
11:05
Schock für Annington-Mieterin - 36 Prozent mehr Miete
von mar.go | #18

Das ist doch eine der typischen Verhaltensweisen einer Heuschrecke.
Beispiele wie dieses findet man bei dieser und anderen Wohnungsgesellschaften mit zweifelhaftem Ruf doch massenweise.
Mindestens wissen diese Unternehmen wie sie immer wieder von sich reden machen.

27.07.2012
15:42
Schock für Annington-Mieterin - 36 Prozent mehr Miete
von meller2000 | #17

Ich zahle für eine 70 m² große Wohnung in Dortmund Hörde auch 355,00 Miete. Aber das Haus ist schon über 112 Jahre alt. Es wurde laut Mietvertrag vor 1900 gebaut, genaues Baujahr unbekannt.

Komme ich jetzt ins Fernsehen.

27.07.2012
13:46
Wird ein Ausnahmefall genommen
von meigustu | #16

um die Sanierung des Wohnungsbestandes schlecht zu machen, kann es natürlich zu Mißverständnissen kommen.

In diesem Ausnahmefall war das nicht in Ordnung, aber generell ist eine Mietsteigerung von 3 % im Jahr mit einem konkreten Gegenwert sicherlich kein Aufreger.

27.07.2012
13:05
Hier werden viele Dinge vermengt, die nicht zu vermengen sind.
von FreieMeinung79 | #15

1.) Das die Wohnung generell als günstig zu betrachten sind, hat überhaupt nichts mit der weiteren Vorgehensweise zu tun. Das klingt mir hier mehrfach nach Neid.

2.) Im Raum steht die Vorgehensweise. Annington hat verschwiegen, dass eine Modernisierung und damit eine Mieterhöhung geplant ist. Das mag rechtlich OK sein, glaube aber anfechtbar.

1 Antwort
Schock für Annington-Mieterin - 36 Prozent mehr Miete
von meller2000 | #15-1

Im Umkehrschluss hieße das, das die Deutsche Annington und andere Wohnungsgesellschaften niemals ihre Wohnungen modernisieren dürften. Sonst müssten sie ja in jeden Mietvertrag schreiben "Die Wohnungen könnten irgendwann einmal modernisiert werden",

Wenn ich also eine3 Wohnung miete und der Vermieter modernisiert nach 2 Jahren kann ich mich auch nicht weigern meinen Mietzins zu zahlen.

27.07.2012
12:48
Schock für Annington-Mieterin
von machtlos | #14

... und schon wieder die armen Mieter und die bitterbösen Vermieter. Sollen mal diejenigen, die hier rummotzen selbst Eigentum schaffen und eine Wohnung vermieten. Dann werden sie schon sehen wo die Bösen sitzen.

1 Antwort
Schock für Annington-Mieterin - 36 Prozent mehr Miete
von Goldsucher | #14-1

Is so ... genau!

27.07.2012
11:33
Schock für Annington-Mieterin - 36 Prozent mehr Miete
von duslip | #13

Und was wenn man als Arbeitsloser nach langem Suchen eine solche Wohnung gefunden hat, die den extrem niedrigen Vorgaben der Job-Center entspricht? Denn eine solche Erhöhung wird zu keinem einzigen Cent von den Ämtern übernommen, das heißt also, gerade drin, schon wieder ausziehen!

1 Antwort
Schock für Annington-Mieterin - 36 Prozent mehr Miete
von WaddeHaddeDuddeDa | #13-1

Sorry aber wer arbeitslos ist schafft sich doch keine 70qm-Wohnung an, wenn er alleine ist...

27.07.2012
11:21
Schock für Annington-Mieterin - 36 Prozent mehr Miete
von GrafVonDingelstein | #12

Tja, wenn die Vermieter die Sanierung in den letzten 20 Jahren, trotz der sich abzeichnenden Entwicklung, schlicht und einfach verpennt haben, dann kommt es natürlich zu solchen "Verwerfungen" im Mietspiegel.
Was haben meine Nachbarn und auch ich aufgeheult, als vor 15 Jahren das Dach, der Dachboden und die Fassade gedämmt wurden.
Machte pro Wohneinheit ca.44"DM" Mieterhöhung.
Heute sind wir alle erleichtert und erfreut, denn durch die Energiepreiserhöhungen der letzten Jahre fangen wir diesen Betrag, von HEUTE gerade mal ca.22€ , locker über die Heizrechnung wieder ein.

27.07.2012
11:18
Top Sanierung für nur 100 Euro und noch meckern...
von WhitestarDTM | #11

Die Dame hat noch immer eine sehr günstige Wohnung, dafür demnächst aber frisch saniert und, wie ich die Häuser der Annigton aus Hörde (Lange Reihe) von sehen her kenne, auch mit neu gestaltetem Aussenbereich und weißem Fensterbad.

Vieleicht ist der Anspruch etwas zu hoch? 70qm frisch saniert für eine einzelne Dame? Ich bin überzeugt, dass wenn nicht saniert worden wäre, auch gemeckert würde und der Annigton vorgeworfen würde nur "Geld abzupressen" ...

27.07.2012
11:17
Schock für Annington-Mieterin - 36 Prozent mehr Miete
von Pottriotin | #10

In diesem konkreten Fall scheint es doch weniger um allgemeine Sanierungen und deren Folgekosten für Mieter zu gehen. Sondern darum, dass man dieser neuen Mieterin die Wohnung zu einer kleinen Miete angeboten hat, wohlwissend, dass man wenige Wochen später mit einer Sanierung beginnen wird, welche eine Mietpreissteigerung zur Folge haben wird.

Genau das ist doch hier beanstandet worden. Wenn man irgendwo hinzieht, plant man ja erst mal mit genau den im Mietvertrag vermerkten Kosten. Und da können schon Treu und Glauben verletzt sein.

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