Schneiderwerkstatt in Plovdiv eröffnet dank Hilfe aus Dortmund

Eine Keimzelle der Hoffnung inmitten der Armut - das ist das neue Berufsbildungsprojekt Schneiderwerkstatt in der bulgarischen Stadt Plovdiv. Ohne Spendengelder aus Dortmund gäbe es diese Keimzelle nicht. Unser Reporterteam war am Freitag bei der Eröffnung des sozialen Betriebs dabei.

Dortmund/plovdiv.. Vier Roma-Frauen sind die ersten Auszubildenden der Schneiderwerkstatt.Vier Ausbildungs- und Arbeitsplätze, die eine Keimzelle für ein wachsendes soziales Unternehmen sein können.Die vier Roma-Frauen ohne Ausbildung sind in Stolipinovo zu Hause, haben Kinder, keine Arbeit, Männer, die nur gelegentlich Geld verdienen. Natürlich kennen sie andere Roma, die dem Elend entfliehen und in Dortmund landen. Und wieder im Elend.

Ihr neuer Arbeitsplatz ist ein heller, freundlicher Raum im sicheren Sozialkomplex Sveti Georgi (Heiliger Georg), vier Nähmaschinen, eine Knopf- und Zuschnittmaschine, ein großer Tisch mit Stoffen und Mustern, hier riecht alles nach Anfang und Aufbruch. Die bulgarischen Politiker halten Reden, lächeln in die Kameras, sie sind stolz auf dieses Projekt, weil es das erste Beispiel eines sozialen Betriebes in Plovidiv ist. Sie machen Versprechungen, wollen unterstützen - und haben bisher selbst wenig getan.

"Ich merke mir jedes Versprechen"

Renata Veneva von der Nationalen Allianz für Freiwillige (NAVA) sagt schmunzelnd: "Ich habe ein gutes Gedächtnis, ich merke mir jedes Versprechen." Die NAVA ist eine gemeinnützige Initiative in Plovdiv, die die Schneiderwerkstatt vor Ort aufgebaut hat.Ohne die Leserinnen und Leser der Ruhr Nachrichten und den Rotary Club Dortmund gäbe es diese Keimzelle der Hoffnung in Plovdiv nicht. Das Medienhaus Lensing spendete mit Leser-Unterstützung 20.000 Euro, der Rotary Club gab mit Partnerclubs 14.100 Euro.

Der Verein zur Förderung bulgarischer Kinderheime aus Berlin, der seit vielen Jahren Sozialarbeit in Bulgarien leistet, ist der deutsche Partner des Projektes. Mirko Schwanitz ist der Vorsitzende, ohne seine Arbeit und die Kraft von Renata Veneva wäre diese Zukunfts-Werkstatt nicht möglich gewesen. Alle sind erleichtert, umarmen sich und reden über den nächsten Schritt. "Vier weitere Nähmaschinen stehen schon bereit", sagt Renata Veneva. Das Projekt braucht Nachhaltigkeit, es soll sich selber tragen können.

Jede Naht aus Plovdiv hilft auch Dortmund

Doch das ist noch ein weiter Weg. Johanna Lensing-Wolff, Geschäftsführerin des Medienhaus Lensing Hilfswerks: "Toll wäre es, wenn ein solches soziales Unternehmen irgendwann selbstständig sein kann und nicht mehr auf Hilfe aus Dortmund angewiesen ist. Eine Verbindung kann ja bestehen bleiben. Zum Beispiel durch Aufträge aus Dortmund für die Textilwerkstatt in Plovdiv."

Jede Naht in Plovdiv, die Zukunft schafft, hilft auch Dortmund.