Schlager-Star Andrea Berg kommt mit Piratenschiff in die Westfalenhalle Dortmund
09.02.2012 | 12:11 Uhr 2012-02-09T12:11:00+0100
Dortmund/Köln. Nicht brav, nicht züchtig: „Pin-Up-Girl für Riester-Rentner“ wurde Andrea Berg einst von einem deutschen Magazin genannt. Doch elf Millionen Plattenverkäufe beweisen: Die schöne Schlagersängerin ist ernst zu nehmen - und ihr Erfolg kommt nicht von ungefähr. Am 10. Februar kommt sie nach Dortmund.
Eigentlich hört Andrea Berg ja niemand. Jedenfalls geben es viele nicht zu. Hat nichts mit Frau Berg zu tun, sondern mit dem Genre, für das sie steht. Schlager eben. Oft belächelt, gern verspottet. Abends aber, wenn die Party ausgelassen wird, da können plötzlich alle Hits der 46-Jährigen mitsingen. Und elf Millionen Platten hat sie auch verkauft. Was nicht schlecht ist, für jemanden, den angeblich niemand hört.
Wenn ihr das 1992 jemand prophezeit hätte, dann hätte sie gesagt: „Du spinnst doch.“ Denn 1992 heißt Andrea noch Zeller mit Nachnamen, lebt in Krefeld und ist Krankenschwester auf einer Krebsstation. Wenn sie frei hat, dann tritt sie mit ihrer Band „Teamwork“ auf Dorffesten auf. Bis dem Produzenten Eugen Römer eine Demo-Kassette der jungen Frau in die Hände fällt. „Bringt mir dieses Mädel“, soll er daraufhin begeistert gefordert haben.
Leder-Corsagen statt Rüschenblusen
Das Mädel kommt, man versteht sich. „Wenn Andrea auf die Uhr schaut, weiß ich, wie spät es ist“, hat Römer diese „einzigartige Symbiose“ einmal beschrieben. Er komponiert seinem Schützling die Lieder auf den wohlgeformten Leib. Unterlegt von flotten 4/4-Takten geht es meist um Liebe. Um Gefühle, die der Schweigepflicht unterliegen, oder Frauen, die verlassen, betrogen und belogen werden. Vor allem belogen. Bis zu 1000 Mal. Und die den Lügner trotzdem wieder nehmen würden. Das mag nicht dem Frauenbild des 21. Jahrhunderts entsprechen, dafür aber wohl der Realität in vielen Beziehungen.
Doch nicht nur deshalb spricht sich der Name Andrea Berg schnell in der Schlagerszene herum. Sie ist die erste Frau in der Schlagerszene, die nicht brav und züchtig daherkommt. Leder-Corsagen statt Rüschenblusen trägt sie auf der Bühne und Stiefel, die über das Knie gehen statt Ballerinas. Hoch die Hacken, kurz der Rock, tief der Ausschnitt. „Pin-Up-Girl für Riester-Rentner“ nennt der „stern“ sie deshalb. Was natürlich Quatsch ist. Denn „scharf“ finden sie auch viele jüngere Männer. Erstaunlich ist, dass die Frauen dieser Männer darüber nicht böse sind. „Die Andrea“, schreiben viele im Internet, „ist eine wie wir.“
„Schiss“ vor Dieter Bohlen
Berg tut aber auch alles, um diesem Image gerecht zu werden. Tritt bescheiden auf und stets freundlich. Nach jedem Konzert schreibt sie stundenlang Autogramme, und wenn sie die Woche über zu Hause ist, serviert sie den Gästen im Hotel ihres zweiten Mannes auch schon mal das Frühstück. Und ebenso regelmäßig wie diskret engagiert sie sich in der Hospizhilfe. „Masche“ wird so etwas in Deutschland schnell genannt. Berg selbst sagt stets, dass sie so erzogen worden sei. „Immer mit beiden Beinen am Boden bleiben.“
Seit gut zwei Jahren lässt sich Andrea von Dieter Bohlen produzieren, ohne im musikalischen Einheitsbrei des selbsternannten Pop-Titans unterzugehen. „Anfangs hatte ich Schiss. Aber Bohlen hat gewusst, dass man mich nicht verbiegen darf.“ Zwei Nummer-eins-Alben sind das Ergebnis dieser Erkenntnis.
Arenen mit 14.000 Besuchern
Zurzeit ist Berg wieder unterwegs, ist auf einer Konzertreise, die dem jüngsten Album entsprechend „Abenteuertour“ heißt. Gebucht sind nur die größten Hallen. Trotzdem prangt zu Showbeginn fast überall das Schild „Ausverkauft“ an den Türen. Einerseits ist das natürlich schön. Andererseits könnte man vermuten, dass es in Arenen mit 14.000 Besuchern schwieriger ist, den Kontakt zu den Fans zu bekommen, auf den Frau Berg so viel Wert legt. Die Sängerin winkt ab. Von ihrer neuen Bühne, die einem Piratenschiff ähnelt, hat sie extra einen langen Steg ins Publikum legen lassen. „Ich habe immer noch das Gefühl, dass ich die Menschen bei meinen Konzerten erreiche.“
Allen Erfolgen zum Trotz wird die Mutter einer Tochter von den meisten Musikkritikern ignoriert, oft auch verrissen. Banal nennen sie die Texte, kitschig ihre Show. Vorwürfe, denen Berg nach fünf Nummer-eins-Alben und Regalen voller Auszeichnungen mit Gelassenheit begegnet. „Ich mache, was ich mache, aus Überzeugung“, sagt sie. „Und wer damit ein Problem hat, den erinnere ich an den Knopf, den jedes Radio und Fernsehgerät hat. Einmal gedrückt, schon bin ich weg.“
Am Freitag (10. Februar) sticht Andrea Berg ab 20 Uhr mit ihrem Piratenschiff in der Dortmunder Westfalenhalle in See. Für den Auftritt im Rahmen der Abenteuertour gibt es noch einige Restkarten. Weitere Infos unter www.westfalenhallen.de im Internet.
16:46
Zu #2 Dieter Faust: Wer etwas scharf findet, muß noch lange nicht zum Arzt. Ist das nicht eine individuelle Geschmackssache? Oder bestimmen Sie jetzt schon, was jemand für gut befinden darf oder nicht?
11:57
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
10:53
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
01:25
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
18:06
Man muß ja nicht unbedingt ihre Lieder mögen. Aber sie trägt ein verdammt scharfes Bühnen-Outfit. (Und das sage ich als "Oldie").