"Schimi-Tradition" – Reaktionen auf Dortmunds Neonazi-Tatort

Robert Stadlober als Bruder von Kommissar Daniel Kossik – und als Teil der rechten Szene in Dortmund.
Robert Stadlober als Bruder von Kommissar Daniel Kossik – und als Teil der rechten Szene in Dortmund.
Foto: WDR/Thomas Kost
Was wir bereits wissen
Der Dortmunder Tatort „Hydra“ ist auf Twitter heiß diskutiert worden. Die realistische Darstellung der Nazi-Szene brachte dem Krimi viel Lob ein.

Dortmund.. Am Sonntag lief mit „Hydra“ der fünfte Fall der Dortmunder Ermittler. Und der Tatort hätte nicht brisanter und aktueller sein können: Kommissar Faber und sein Team ermittelten im Neonazi-Milieu in Dortmund-Dorstfeld. Kai Fischer, Anführer der rechtsextremistischen Gruppe "Nationale Soziale", wurde ermordet. Auf Twitter wurde die Krimi-Folge unter dem Hashtag #tatort heiß diskutiert.

Dortmund hat nicht nur im Tatort ein Nazi-Problem, da ist sich die Twitter-Community einig. Vor allem der Stadtteil Dorstfeld steht immer wieder als Nazi-Hochburg in den Medien. Twitter-User @Kunstbiss spricht die Parallele an: „Dortmund hatte leider schon immer und hat auch aktuell Probleme mit Neonazis.“

Danke für die Nipster-WG ohne Springerstiefel

Realistisch wird das Problem umgesetzt. Besonders am Anfang des Tatorts wird deutlich, dass Springerstiefel-Klischees ausgedient haben. Radikale lassen sich nicht mehr so einfach am Äußeren erkennen. Schauspieler Robert Stadlober verkörpert im Tatort diesen neuen Typus. Ein Outfit wie ein Antifa-Aktivist. Nutzer @mrcl_mrvls lobt das Tatort-Team für diese Darstellung: „Liebes Tatort-Team, danke, dass ihr die Rechten von heute realisitisch darstellt! WG, Buttons, bunte Haare – nix mit Glatze und Bomberjacke.“

Es gibt auch ein Kunstwort für diese Erscheinung: Nipster. Das Wort setzt sich aus Nazi und Hipster zusammen. Nipster kleiden sich modebewusst und wirken so wie ein Teil der urbanen Subkultur. @HugoRattich spielt mit seinem Tweet darauf an: „Uh, eine Nipster WG im Tatort“.

Auch der BVB wird thematisiert. Sind Rechtsextreme unter den schwarzgelben Fußballfans? User @Wurm77 hat wohl gehofft, dass ihm diese Frage erspart bleibt: „Puuuh, ich dachte schon, das Nazi-Thema käme ohne Fußball aus.“

Dieses Mal gehen die Meinungen der Twitter-Nutzer auseinander. @kunstbiss erwähnt die Hooligangruppe Borussenfront. Mitbegründer der Gruppe ist Siegfried Borchardt, ein bekannter Neonazi: „Hallo? Die sog. Borussenfront hat einiges mit dem #bvb zu tun.“ @bollinskj verteidigt den BVB: „Bisschen viel schwarz-gelb im Tatort. Der BVB engagiert sich sehr erfolgreich gegen Rechtsextremismus.“ @Lena_Bellamy ist in diesem Zusammenhang ein Fehler aufgefallen: „Woran man merkt, dass der Tatort unrealistisch ist? Kein BVB-Fan würde "Süd-TRIBÜNE" sagen. Schwach, ganz schwach.“

Dortmunder Tatort in der Tradition von Schimanski

Auf Twitter wird das Urteil über den Tatort gefällt. Das fällt positiv aus. Schauspielerin Aylin Tezel und Kommissar Faber werden besonders gelobt. @NichtTomJones: „Lob an Aylin Tezel! So eine facettenreiche Rolle steht ihr (und kann sie) viel besser als irgend eine deutsche romantische Komödie!“

Kommissar Faber scheint unter den Twitter-Nutzern Fans gefunden zu haben. Seine schrullige Art kommt gut an, findet auch @Filmfan5: „Am Anfang fand ich ihn sehr seltsam, mittlerweile finde ich Faber super, seine Kommentare sorgen immer mal für einen Lacher.“ @tmsklein ordnet den Dortmunder Tatort sogar in eine Riege mit Schimanski ein: „Dieser Dortmund-#tatort steht ganz klar in der Tradition von Schimanskis Duisburg. Steht dem @tatort.“