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PCB-Skandal

Sanierungsende auf Envio-Gelände nicht in Sicht

27.08.2010 | 20:24 Uhr
Sanierungsende auf Envio-Gelände nicht in Sicht
Wann gibt es Entwarnung für das PCB-verseuchte Envio-Gelände? Erneut verzögert sich die Sanierung.

Dortmund.Die Sanierung des verseuchten Envio-Geländes nimmt kein Ende. Ursprünglich sollte sie längst abgeschlossen sein. Jetzt rechnet die Bezirksregierung mit zwei weiteren Wochen Verzug. Ein Gesamtkonzept ist nicht in Sicht. Unterdessen bekommt Arnsberg Druck aus Düsseldorf. Der WR-Bericht über den Gift-Einsatz im Freizeitdress alarmiert das Arbeitsministerium.

„Ein skandalöser Zustand!“ Dr. Helmut Deden, Chef der Gruppe Arbeitsschutz von Minister Guntram Schneider, war empört. Das Foto, das Arbeiter in T-Shirt und Jeans auf verseuchtem Terrain zeigt – es schlug Wellen. Die Arnsberger Arbeitsschützer, die über die Sanierung des Geländes wachen sollen, bekamen offenbar Ärger. „Unmittelbar nach Bekanntwerden der Tätigkeiten“ ordnete die Bezirksregierung an, „dass die entsprechenden Arbeiten nur mit Einmalschutzanzügen bzw. entsprechender Arbeitskleidung und geeigneten Schutzhandschuhen durchgeführt werden dürfen“, heißt es in einem internen Schreiben des Arbeitsministeriums. Sollte Arnsberg weitere „Unregelmäßigkeiten im Arbeitsschutz“ feststellen, sei ein Anruf in Düsseldorf Pflicht.

Freizeitdress üblich

So sollte es sein: Eine Reinigungskraft im Schutzanzug beim ersten Sanierungsanlauf auf dem Envio-Gelände, der allerdings scheiterte.Foto: Ralf Rottmann

Das Telefon könnte häufiger klingeln, glaubt einer der sportlich gekleideten Arbeiter auf dem Foto. Denn diese Art von Dress sei „üblich auf dem ganzen Firmengelände. Bis auf ein paar Leute, die reinigen, laufen alle so herum – auch im aufgewirbelten Staub der Reinigungsfahrzeuge“.

Dr. Hans-Dieter Kahleyß, Chef der Gasrußwerke, warnt. Er weist OB Ullrich Sierau darauf hin, dass die für PCB geltende Technische Regel Gefahrstoffe (TRGS) 524 „offensichtlich ignoriert wird“. Man dürfe Envio „nicht die Ausrede ermöglichen, Bezirksregierung und Stadt sanierten doch auch ohne persönliche Schutzausrüstung“.

Reinigen, umsetzen, reinigen

Die Sanierung der versiegelten Außenbereiche zieht sich wie Kaugummi. Nicht nur „die Freiflächen im Nahbereich der Hallen 1, 2 und 55 sowie um das Zelt sind noch zu reinigen“, sondern auch zwei von Fremdfirmen genutzte Teilflächen, so die Bezirksregierung. Ehe man an verseuchte Flächen komme, müsse darauf gelagertes Material gereinigt und umgesetzt werden – „eine zeitintensive Logistik“, so Behördensprecher Jörg A. Linden. „Die Arbeiten können deshalb noch zwei Wochen dauern.“ Danach müssen Proben zeigen, ob das Gelände im zweiten Anlauf sauber wurde.

Anordnung folgt

Envio muss Sicherheitsleistung nicht zahlen

Envio muss die von der Bezirksregierung Arnsberg verlangte Sicherheitsleistung von 1,5 Millionen Euro vorerst nicht zahlen. Die Firma teilte mit, sie sei am Freitag mit einem entsprechenden Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen erfolgreich gewesen.

Ein Sprecher der Bezirksregierung bestätigte die Angabe, betonte jedoch, dass die Anordnung der Bezirksregierung an Envio bestehen bleibe. Der Richter habe lediglich die Höhe der geforderten Summe nicht nachvollziehen können. Arnsberg werde die Sanierungskosten nun genau abschätzen lassen und in den Bescheid an Envio einarbeiten. „Wir werden sehr zügig arbeiten“, kündigte der Sprecher an. Innerhalb weniger Wochen werde der Bescheid modifiziert.

Die Sicherheitsleistung soll der Allgemeinheit die Kosten der Geländesanierung ersparen.

Der Fortgang – völlig offen. Seit Wochen wartet Arnsberg auf ein Gesamtsanierungskonzept von Envio. „Dies liegt noch nicht vor.“ Alle bisherigen Entwürfe „genügen nicht den Erfordernissen“. Man werde nachhaken. „Eine Anordnung geht bis Anfang der kommenden Woche heraus“, kündigt Linden an.

Kontaminierte Stapler stehen draußen

Bemerkenswerte Details enthält der Sanierungsplan des Envio-Sachverständigen Dr. Dieter Rackwitz für das 1000-fach mit PCB verseuchte Zelt. Die Leichtbaukonstruktion, randvoll mit giftigem Material, „ist nirgendwo ausreichend abgedichtet. Die Zeltplanen haben Luft zu den Wänden. Das Schiebetor hat im geschlossenen Zustand links einen großen Spalt. Die Zeltplane weist an einigen Stellen Beschädigungen auf.“ Rackwitz empfiehlt, das verseuchte Material auf andere Hallen zu verteilen – allerdings ohne es vorher zu reinigen: „Ein Absaugen von Lagergut ist verzichtbar, da die Stücke wiederum in kontaminierte Hallen eingelagert werden.“ Für den Transport würden „die Stapler benutzt, die mit kontaminierten Reifen jetzt vor Halle 1/2 stehen“.

Abriss denkbar

Vor diesem Hintergrund kursiert immer häufiger eine effektive Alternative zur aufwändigen Innensanierung der verseuchten Gebäude. Sie ist auch in Arnsberg ein Thema. „Auch ein Abriss ist grundsätzlich denkbar“, bestätigt die Bezirksregierung.

Klaus Brandt

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Kommentare
30.08.2010
09:45
Sanierungsende auf Envio-Gelände nicht in Sicht
von Realist | #10

Wenn ich ein Loch in einem Eimer habe, dann stopf ich doch auch erst das Loch und wische dann auf, oder? Sollte nicht erst das Zelt inkl. kontaminierter Anlagen entfernt, gereinigt oder was auch immer werden? So werden die Messergebnisse wohl nicht besser. Die Anlagen via Schleuse in eine kontaminierte Halle zu bringen ist doch nicht die schlechteste Idee. Zumindest ist es eine bessere als blanker Aktionismus (ohne ausreichende Kontrolle!!!) aus Arnsberg!

29.08.2010
21:07
Sanierungsende auf Envio-Gelände nicht in Sicht
von vaikl | #9

@ #3 bis 8

Die Bezirksregierung ordnet Maßnahmen an, die sich auf die Erfüllung der Auflagen der konkreten Anlagen-Genehmigung auf dem Envio-Gelände beschränken. Dabei ist Envio selbst Gelegenheit zu geben, den Schaden zu beseitigen - solange, bis es eben sauber ist -, da Envio ja offiziell auch dort weitermachen will.

Die Bezirksregierung ist aber nicht Eigentümerin oder Erbpacht-Inhaberin der Geländes und der dort befindlichen Bauten.

29.08.2010
20:26
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von Fragezeichen | #8

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29.08.2010
20:26
Sanierungsende auf Envio-Gelände nicht in Sicht
von Fragezeichen | #7

Hat die Bezirksregierung alles im Griff?

Von Envio wurde die Reinigung innerhalb einer Woche gefordert. Nun ist die Bezirksregierung seit über 2 Wochen federführend bei der Reinigung. Jetzt soll es plötzlich noch zwei weitere Wochen dauern?

Wieso wartet Arnsberg auf ein Gesamtsanierungskonzept von Envio?

Hat Arnsberg nicht mal zwischenzeitlich ein eigenes Konzept entwickelt?

Heißt dies im Umkehrschluss, dass seit zwei Wochen konzeptlos gereinigt wird?

29.08.2010
20:26
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von Fragezeichen | #6

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29.08.2010
20:26
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von Fragezeichen | #5

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29.08.2010
20:26
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von Fragezeichen | #4

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29.08.2010
20:26
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von Fragezeichen | #3

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29.08.2010
19:18
Sanierungsende auf Envio-Gelände nicht in Sicht
von Laertes | #2

Wenn man verfolgt hat, wie gewohnt unengagiert und unprofessionell auch beim Problem der Geländesanierung bisher gearbeitet wurde, läßt der Gedanke an einen behördlichen Abriß Böses befürchten.

Außerdem: Solange etwaige Innenräume nicht sauber sind, kann man nicht abreißen, oder sieht man das in Arnsberg anders?

28.08.2010
20:15
Sanierungsende auf Envio-Gelände nicht in Sicht
von vaikl | #1

„Auch ein Abriss ist grundsätzlich denkbar“, bestätigt die Bezirksregierung.

Dazu passt ja dann auch das Gerücht, Envio hätte schon konkrete Pläne (inkl. neuem Standort) zur Verlagerung ihres Betriebs von Dortmund weg.

Das Geschacher ums Grundstück an der Hafenstraße ist also in vollem Gange.

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