Sand von Solendo wird auf PCB untersucht
06.08.2010 | 19:28 Uhr 2010-08-06T19:28:00+0200
Dortmund.Seit Wochen weiß die Stadt von der PCB-Vergiftung eines dreijährigen Jungen im Zuge des Envio-Skandals. Jetzt, da die Nachricht öffentlich ist, reagiert sie – und lässt vorsorglich eine in diesem Sommer ruhende Strandbar umpflügen. „Der Sand im Solendo wird bei einer der nächsten Gelegenheiten beprobt“, versprach Stadtsprecher Udo Bullerdieck gestern.
„Obwohl die Experten das nicht für nötig halten“, sage er das zu, verkündete Bullerdieck. Bisher hat die Stadt nur Spielflächen auf der anderen Seite des Hafens untersucht – im Fredenbaum. Die Ausweitung der Proben ist eine Reaktion auf den Anstieg von Dioxinen und Furanen im Südhafen (wir berichteten). Dort liegt auch das Solendo, in dem sich früher Scharen von Kindern im Sand räkelten.
Die Stadt rechnet aber auch mit einer Bugwelle des jetzt publik gewordenen Familiendramas: Ein mit PCB verseuchter Vater, als Leiharbeiter bei Envio beschäftigt, schleppte das Gift in seiner Arbeitskleidung nach Hause, ohne es zu ahnen. Jetzt haben auch die Ehefrau und der dreijährige Sohn PCB im Blut.
Datenschutz und ärztliche Schweigepflicht
Das Gesundheitsamt verteidigte gestern sein Stillschweigen. Verwaltungsleiter Holger Kessling berief sich auf Datenschutz und ärztliche Schweigepflicht. Die PCB-belastete Familie, die von dem Amt zunächst abgewiesen und erst auf Intervention der WR untersucht worden war, hält das für „vorgeschoben“. Es hätte „Wege gegeben, den Fall öffentlich zu machen und uns trotzdem zu schützen“. Eltern, die in Sorge um ihre Kinder seien, hätten davon profitieren können. Der Stadt aber liege offenbar an „Schönfärberei“.
Mit der Frage, ob das Gift über Textilfasern auch anderweitig verbreitet werden kann, in Kindergärten oder Turnhallen vielleicht – „damit beschäftigt sich der PCB-Arbeitskreis am Montag“, so Bullerdieck.
Die Reinigung des Envio-Geländes zieht sich weiter hin – mindestens bis zum 11. August, wie die Stadt gestern mitteilte.
23:41
Die Gesundheitsämter gehören wie die universitären Umweltambulanzen zur klinischen
Umweltmedizin (im Gegensatz zu den kurativen Umweltmedizinern vom Berufsverband der Umweltmediziner - www.dbu-online.de)
Anbei der Link auf einen informativer Beitrag aus der Zeitschrift: umg (Umwelt- Medizin-Gesellschaft)
http://www.dbu-online.de/fileadmin/grafiken/Sonstiges/umweltmedizin_umg.pdf
23:16
@vaikl.
Nur Blauäugige glauben noch, dass Gesundheitsämter für die Gesundheit zuständig sind.
Es ist zu vermuten, dass beim Drehen des Fähnchens nach dem Wind der Eid des Hippokrates vergessen wird.
00:00
Ich begebe mich mal ausnahmsweise kurz ins Reich der Spekulation und frage mich, warum die ganzen opulenten Marina-Träume ala Duisburg im Dortmunder Hafen ums Solendo-Gelände herum eigentlich nie - bis auf die üblichen Absichtserklärungen - ernsthaft angegangen wurden.
Mal ehrlich - gegen eine Messstation hätten sich die Solendo-Betreiber mit Händen und Füßen gewehrt, denn nichts macht misstrauischer als allein nur die Anwesenheit von Messungen von schlimmen Sachen.
Übrigens gibt es ja vom LANUV auch schon seit 2002 Messergebnisse für PCB am Messpunkt Dortmund Innenstadt (wo der sein soll, ist unklar, aber wahrscheinlich ist die Evinger Station damit gemeint). Und diese Ergebnisse schnellten ab 2006 durch verfeinerte Messmethoden in die Höhe und erreichten Werte, die in NRW sonst nur bei bekannten PCB- und Dioxin-Quellen, z.B. im Duisburger Hafen, vorkamen.
23:31
Ein wichtiger Punkt noch zum Solendo-Sand:
Sie werden dort, im Sand, nichts eindeutiges finden.
Allein die starken Regenfälle der letzten Tage machen eine erhellende Messung unmöglich. Man hätte (vor Jahren, ab spätestens 2006) eine Meßstation in diesem Bereich errichten müssen, um heute Aussagen über die Zeit, da das Solendo von Familien gut besucht war, machen zu wollen. Und zur Zeit gibt es dringlicheres zu tun als Nulldaten zu schinden.
23:19
Positiv zu verlautbaren sei, dass weiterhin die Radientheorie gelte
Genau dies wird uns Fr. Düsterhaus im Brustton der Überzeugung mitteilen. Es darf halt nicht sein, was aus reiner Kosten-Nutzen-Argumentation heraus nicht sein darf.
23:01
Mit der Frage, ob das Gift über Textilfasern auch anderweitig verbreitet werden kann, in Kindergärten oder Turnhallen vielleicht – „damit beschäftigt sich der PCB-Arbeitskreis am Montag“, so Bullerdieck.
@8, xyz
Das ist nun aber auch ein bißchen ein Witz, was da oben steht. Es ist zu einleuchtend, was das gemeinsame Grüblen ergeben wird, als dass man eine solche Frage wirklich ernsthaft stellen könnte. Die Kommission stellt fest, dass PCB über Textilfasern theoretisch beliebig vielfältig und in beliebigen Mengen verbreitet werden kann, je nachdem, wie die Umstände sind ...gebe es für weitere, konkrete Abschätzungen zu wenige Daten ..sei nicht damit zu rechnen, dass...
Positiv zu verlautbaren sei, dass weiterhin die Radientheorie gelte. Tip: In Turnhallen und Kindergärten genügend Abstand halten, am besten PCB ganz meiden.
22:22
Sollte der Sand am Solendo kontaminiert sein - was aufgrunf der räumlichen Nähe zu Envio durchaus als wahrscheinlich betrachtet werden darf - was soll da der Schwachsinn mit dem Umpflügen?
Im Fall der Kontamination muß der Sand entsorgt werden - es sei denn, die Stadt will künftig weiter Menschen auf diesem Gelände mit PCB vergiften.
10:31
Irgendwie ist es hier schon fast wie in Neapel... wenn ich diese Geschichte im Urlaub da unten erzähle werden sich die Italiener die Schenkel klopfen...
10:08
Die Untätigkeit und die Naivität des Amts ist kaum zu überbieten.
Der Stoff ist gesundheitsgefährdent. Es liegen seit Monaten erhöhte Werte vor.
Erst jetzt kommt das Amt auf so naheliegende Verbreitungswege?
Mit der Frage, ob das Gift über Textilfasern auch anderweitig verbreitet werden kann, in Kindergärten oder Turnhallen vielleicht – „damit beschäftigt sich der PCB-Arbeitskreis am Montag“, so Bullerdieck..
Was ist in den letzten MOnaten passiert?
Wie handelt das Amt bei noch größeren Gefahren?
Wann wachen die Leute auf?
Wer trägt die politische Verantwortung?
Auch hier hätte ein Bürgermeister eingreifen müssen!
Die Konsequenz ist doch, dass der Bürger sich nur noch auf sich selber verlassen kann. Vorschriften hält keiner ein. Überwachung fehlt komplett und die Behördenmitarbeiter und Sicherheitsbehörden sehen nichts.
Irgendwie ist das ganze auf einer anderen Ebene mit dem Handeln der Akteure in Duisburg vergleichbar.
10:08
Ist doch ähnlich wie mit dem Flughafen.
Es fühlt esich ja schon jemand durch das Solendo gestört und das Lokal durfte nur noch sehr eingeschränkt öffen.
Jetzt findet man eben Gift und alles andere regelt sich von selbst....willkommen in der DDR!