„Russenkälte“ hält Dortmund auf Trab
09.02.2012 | 18:56 Uhr 2012-02-09T18:56:00+0100
Dortmund. Minusgrade, Blitzeis, Dauerfrost : Die Eiseskälte der letzten Tage hat in Dortmund zu einigen Unannehmlichkeiten geführt. Ein Überblick, wie die Kältewelle Dortmund und Umgebung auf Trab hält.
„Sie begeben sich in Lebensgefahr!“ Mit diesem Hinweis warnte die Feuerwehr Dortmund die Bevölkerung davor, zugefrorene Eisflächen zu betreten. Um dennoch auf einen Ernstfall vorbereitet zu sein, üben die Feuerwehrleute die Rettung von eingebrochenen Personen aus dem Eis. Für die Feuerwehrtaucher von der Spezialeinheit Wasserrettung bedeutet das wöchentliche Tauchübungen im Eiswasser.
Bei minus 8 Grad Celsius Außentemperatur wird im Hardenberghafen für den Ernstfall geprobt. Mindestens vier Einsatzkräfte sind an so einem eisigen Einsatz beteiligt: ein Rettungstaucher, ein Sicherungstaucher, ein Leinenmann und der Taucheinsatzführer.
Zur Tat schreiten mussten die Einsatzkräfte noch nicht - zumindest nicht im Ernstfall. Einem Elfjährigen, der in Dorstfeld beim Reinoldus-Schiller-Gymnasium im Eis eingebrochen war , reichte die Hilfe seines Freundes, der ihn aus dem Wasser zog.
Landgericht unter Eiswasser
Der Dauerfrost geriet in anderer Hinsicht zum Problem: Etliche Wasserleitungen in Dortmund sind in den vergangenen Tagen eingefroren und zumTeil gebrochen. So musste zum Beispiel die Turnhalle der Steinbrink-Grundschule geschlossen werden. Wegen massiven Wassereinbruchs in der Turnhalle der Steinbrink-Grundschule wurde sie sofort gesperrt. Die Reparaturarbeiten dauern voraussichtlich bis Freitag,10. Februar. Den spektakulärsten Fall hat es am im Landgericht gegeben. Dort ist auf dem Dachboden eine Wasserleitung geborsten , die mehrere Etagen eines Flügels unter Wasser setzte.
Auch „Arsen und Spitzenhäubchen“ auf Eis
Auch die Naturbühne Hohensyburg ist in negativer Hinsicht von den arktischen Temperaturen betroffen: An den Februar-Wochenenden sollte die Komödie „Arsen und Spitzenhäubchen“ gespielt werden. Doch bislang kam es nur zur Premiere, die am 3. Februar unter verschärften Bedingungen stattfand. Die Heizung war ausgefallen, so dass Darsteller und Zuschauer gehörig bibbern mussten. Die Naturbühne gab Decken und Glühwein aus.
Am nächsten Tag kam dann das endgültige Aus: Die Hauptwasserleitung war über Nacht eingefroren, die Sanitär- und Heizungsanlagen gaben den Geist auf. Das Stück „Arsen und Spitzenhäubchen“ liegt somit – genau wie das gesamte Bühnenheim – auf Eis .
Blitzeis auf den Straßen
Am 9. Februar dann der vorläufige Höhe- bzw. Tiefpunkt in diesen kalten Zeiten: Blitzeis auf den Straßen und Autobahnen rund um Dortmund! Die EDG schickte all ihre Streufahrzeuge wegen überfrierender Nässe auf die Straßen im Stadtgebiet. Es kam inner- und außerhalb von Dortmund zu zahlreichen Verletzten. „Die Liste mit den gemeldeten Unfällen ist ellenlang“, sagte Polizeisprecher Kim-Ben Freigang.
Im Gegensatz zu den Autos hat die Kälte Dortmunds Straßen noch nichts anhaben können - zumindest nichts, was sofort sichtbar wäre. Die Beschaffenheit der Straßenoberfläche hat bislang keine sichtbaren Schäden genommen. „Erst wechselhaftes Tauwetter mit Regennässe und Frost führen zu Unebenheiten auf dem Asphalt, im schlimmsten Fall zu Schlaglöchern“, sagte ein Stadtsprecher. Hier bittet das städtische Tiefbauamt um Hinweise aus der Bevölkerung, damit Gegenmaßnahmen eingeleitet werden können. Von einer Schlagloch-Plage wie im letzten Winter kann aber nicht die Rede sein.
„Mitmenschlichkeit verpflichtet“
Unter der Eiseskälte hat jedoch eine Bevölkerungsgruppe am schlimmsten zu leiden: die Obdachlosen. In Dortmund gibt es zwar Übernachtungseinrichtungen (sowohl eine für Frauen als auch eine für Männer), jedoch sei laut Stadtsprecherin hier die Bevölkerung gefordert. Nach dem Motto „Mitmenschlichkeit verpflichtet“ sollten Menschen ohne Obdach angesprochen werden, ob sie Hilfe bedürfen.
Eventuell sollte unter der Notrufnummer 112 medizinische Hilfe gerufen werden. Die Stadt Dortmund hält mit dem Wohnraumvorhalteprogramm neben den fast ausgebuchten Übernachtungseinrichtungen noch weitere Schlafplätze bereit. Anke Widow von der Stadt Dortmund bestätigte, dass niemand durchs Raster falle.
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