Rudelgucken bei der EM 2012 auf dem Dortmunder Friedensplatz beim Kampf der Rivalen
13.06.2012 | 23:19 Uhr 2012-06-13T23:19:00+0200
Dortmund. Am Anfang wollte nicht so recht Stimmung aufkommen unter den Tausenden Fans, die sich im Herzen Dortmunds zum gemeinsamen Fußballgucken zur EM 2012 versammelt hatten. Doch spätestens nach dem zweiten Tor für Deutschland gegen die Niederlande brachen auch auf dem Friedensplatz alle Dämme.
Eigentlich stimmt alles. Der Friedensplatz, heute umrahmt von 47 Dixie-Klos und zahllosen Security-Leuten, ist schon ziemlich voll, die ersten Fans sowieso, das Wetter könnte – wenn überhaupt – nur ein bisschen mehr Sonne vertragen und im Restaurant um die Ecke gibt’s Matjesfilet mit Bratkartoffeln für unschlagbare 11 Euro 90. Aber irgendwie will noch nicht so richtig Stimmung aufkommen.
Die Sicherheitsvorkehrungen sind heute besonders streng, jeder Besucher wird gründlich gefilzt, riesige Wellenbrecher aus Metall trennen die Menschenmassen in kleine Häppchen. 10.000 Leute werden erwartet, 7.000 sind gekommen, wie sich am Ende herausstellen wird. Doch für diese Zahl ist es noch überraschend still auf dem Platz.
Eine Viertelstunde vor Spielbeginn liegt es an einer blondierten und bauchfreien Dame, die Menge mit Klassikern der deutschen Schlagerkultur in Schwung zu bringen. Allerdings muss sie nach einiger Zeit feststellen, dass es zum Anheizen vor einem Deutschland-Holland-Spiel wohl doch bessere Lieder gibt als „Viva Espana“. Wer hätte das gedacht.
Oranje-Fan wartet auf Party-Stimmung
Auch Wouter schaut gelangweilt in der Gegend rum. Der 31-Jährige ist einer von allerhöchstens sechs Oranje-Fans, die sich heute zum Rudelgucken auf den Friedensplatz gewagt haben. So ein richtiger Fußballfan sei er ja nicht, sagt er, aber Deutschland-Holland, das sei Pflicht. Immer. Selbst für ihn. Wie er die Partie tippt? „Realistisch gesehen: eins zu eins“, sagt er. Und das Wunschergebnis? Na klar: 26:0 für die Oranje. Mindestens.
„Aber ehrlich gesagt“, fährt er fort und setzt eine ernste Miene auf, „ehrlich gesagt hätte ich gedacht, die Deutschen würden mehr Party machen“. Er schaut sich um und grinst herausfordernd. „Abwarten!“, ruft ihm sein ganz in Schwarz-rot-gold verpackter Nachbar bissig zu und nimmt einen tiefen Schluck aus seinem Becher.
Hassliebe mit Anekdoten
Und plötzlich ist sie da, diese wunderbare, wundersame Hassliebe, die uns schon so viele schöne Anekdoten beschert hat. Als hätte die Menge die kleine Stichelei mitbekommen, wird es auf einmal lauter. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass das Spiel gleich losgeht.
Mit dem Anpfiff scheint es plötzlich so, als hätte es die letzte halbe Stunde gar nicht gegeben, Hände werden in die Höhe gereckt, Fangesänge angestimmt, Flaggen geschwungen, Spieler angefeuert. Jede gute Aktion der Deutschen wird mit Applaus quittiert, jede Chance unserer Rivalen mit Pfiffen.
Kein „Hup, Holland, hup!“
Um 21.10 Uhr fällt das erste Tor für Deutschland. Jubel bricht aus, wildfremde Menschen liegen sich in den Armen. Nur Wouter schaut ein wenig bedrückt. „Noch ist nichts vorbei“ sagt er. Eine Viertelstunde später muss er sich aber korrigieren. 2:0. „Ok, jetzt ist es doch vorbei“, sagt er und klopft seinem schwarz-rot-goldenen Nachbarn anerkennend auf die Schulter. Selbst als der Anschlusstreffer fällt, schöpft Wouter keine Hoffnung mehr. Kurz darauf kommt der Abpfiff, 2:1 – Ende. Dann wird es laut im Herzen Dortmunds. „Ich hab mich wohl geirrt“, ruft er durch die Jubelschreie hindurch, „ihr Deutschen könnt ja doch richtig Party machen!“
Und wie zur Bestätigung heißt es statt „Hup, Holland, hup!“ auf den Straßen der Republik noch bis tief in die Nacht: „Hupt, Deutsche, hupt!“
15:38
ist schon gemein , dieser Song ."......und orange ist nur die Müllabfuhr. "
Ich hoffe, die Holländer haben ähnlinlich fiese Texte für unsere Mannschaft auf Lager.