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Amtsgericht

Rentner quälte Pferde: Bewährungsstrafe

12.02.2010 | 17:53 Uhr

Dortmund. Ein deutliches Zeichen setzte gestern Amtsrichter Dirk Brahm im Prozess gegen einen Pferdehalter, der seine fünf Haflinger im Stall völlig verwahrlosen ließ. Der 76-Jährige wurde wegen „Quälens von Wirbeltieren” zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten mit Bewährung verurteilt.

Zudem darf der Rentner nie wieder Pferde halten und muss zudem 1800 Euro Geldbuße an die Tierschutzorganisation Arche 90 zahlen.„Was passiert ist, ist passiert. Ich war schlecht dran, habe sie aber jeden Tag gefüttert und ihnen Wasser gegeben”, sagte der Rentner im Prozess trotzig.

»Den Tieren wurde lange Zeit Schmerz zugefügt«

Gut genährt waren die fünf Haflinger wohl, als die Arche 90 Mitarbeiter sie zusamen mit sehr engagierten Polizisten und Feuerwehrmännern am 11. Juni aus dem unvorstellbar verdreckten Stall an der Blickstraße im Ortsteil Schnee retteten. Während die vier Haflingerstuten sofort auf die Weide trabten, konnte der sechsjährige Hengst kaum laufen. „Bis zum Bauch stand er in der Gülle. Die Beine waren stark verätzt, wegen der viel zu langen Hufe quälte er sich stolpernd aus dem Stall”, erinnerte sich Heike Beckmann von Arche 90 im Gericht an den Anblick der geschundenen Kreatur.

Rettung der Pferde dauerte zwölf Stunden

Insgesamt zwölf Stunden lang, bis nachts um ein Uhr, dauerte die Rettung des Pferdes. Zwölf Stunden, in denen insgesamt 50 Helfer um das Leben des Tieres bangten. Es war völlig entkräftet, scheute zudem vor dem Hänger, der es in die Klinik bringen sollte. „Die Leute hatten keine Ahnung. Die sollten mal zur Fohlenschau gehen, dann wüssten die, wie das geht”, zeterte daraufhin der Senior auf der Anklagebank. Da der Hengst eine Narkose nicht überlebt hätte, erzählte der Tierarzt als Zeuge, wurde er schließlich am Halfter zu der glücklicherweise nahe gelegenen Pferdeklinik geführt. Für die drei Kilometer brauchte man damals drei Stunden. Immer wieder musste der Tross Pause machen, bekam das völlig erschöpfte Tier unterwegs Aufbauspritzen.

Kranker Hengst erholt sich an der Nordsee

Warum der Hengst in einem sehr viel schlechteren Zustand als sein „Harem” war? „Ich konnte ihn doch nicht zusammen mit den Stuten auf die Weide lassen”, meinte der Halter aufgebracht. Das lungenkranke Pferd erholt sich noch auf einem Hof an der Nordsee, die vier Stuten haben alle neue Besitzer. „Ein extremer Fall von Tierquälerei”, schloss Amtsrichter Dirk Brahm die Verhandlung. „Sie haben den Tieren lange Zeit Schmerzen zugefügt.” Der Senior hörte zu, meinte: „Ich war selbst krank.” Bis zuletzt zeigte er sich uneinsichtig. Da auch die Tierarztkosten in Höhe von 4000 Euro auf ihn zukommen, polterte er los. „Warum soll ich für Pferde zahlen, die mir nicht mehr gehören?”

Kathrin Melliwa

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